Anleihen: Unsicherheiten sollten bleiben


02.09.19 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Regierungsbildung in Italien, moderatere Töne im Handelskonflikt zwischen den USA und China: Am Markt atmet man auf, so die Deutsche Börse AG.

"Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen ist erstmals in der Geschichte unter 1 Prozent gerutscht", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Zum Vergleich: Als die Sorgen um Italien im Herbst 2018 besonders groß gewesen seien, seien es fast 3,6 Prozent gewesen.

Sichere Anleihen seien zwar immer noch stark gesucht - aber nicht mehr ganz so stark wie in den Vortagen. Zehnjährige Bundesanleihen würden am Freitagmorgen mit minus 0,70 Prozent rentieren, nach dem Rekordtief von minus 0,73 Prozent am Mittwoch.

Ausschlaggebend für die neuen Renditetiefs diese Woche seien die Unsicherheit über die politische Entwicklung in Großbritannien und Italien, der Renditerückgang bei US-Treasuries und die Hoffnung auf eine deutliche geldpolitische Lockerung der EZB auf ihrer Sitzung am 12. September gewesen. Nach Ansicht der Commerzbank würden viele dieser Treiber auch in der kommenden Woche fortbestehen. "Der Ausgang des Brexit-Dramas ist nach der von der britischen Regierung veranlassten Aussetzung des britischen Parlaments so offen wie zuvor", erkläre Analyst Markus Koch. Selbst in Deutschland könne die politische Unsicherheit merklich zunehmen, wenn die AfD bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen deutlich zulege.

Im Handel mit Corporate Bonds sei es diese Woche für Douglas-Anleihen kräftig nach oben gegangen, etwa für ein Papier (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) mit Kupon von 6,25 Prozent und Laufzeit bis 2022. "Der Kurs stieg nach den guten Quartalszahlen von 96,5 auf 100 Prozent", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. Ebenfalls verteuert habe sich der Bond (ISIN XS1251078694 / WKN A161WQ) der Kirk Beauty One GmbH, der Muttergesellschaft der Douglas GmbH. Der Kurs sei von 66 auf 75 Prozent geklettert. Beide hätten allerdings eine Stückelung von 100.000 Euro.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank melde unterdessen Abgaben in Deutsche Wohnen-Anleihen. "Das liegt wohl an der Diskussion um den Mietpreisdeckel in Berlin." Wie bei den Aktien des Unternehmens sei ein Teil der Kursverluste aber schon wieder wettgemacht. Kleinere Verkäufe habe Daniel in Papieren des Brauereikonzerns Anheuser-Busch InBev und der Bayer-Abspaltung Covestro registriert.

Bei den Neuemissionen scheine die Sommerpause beendet, eine ganze Reihe von Emittenten sei diese Woche an den Start gegangen: Für Furore habe Siemens (Siemens Financieringsmaatschappij N.V) durch vier Tranchen mit Laufzeiten von 2 bis 15 Jahren gesorgt, alle mit Stückelung von 1.000 Euro. Die fünfjährige Tranche (ISIN XS2049616548 / WKN A2R68K) habe einen Kupon von 0 Prozent und sei mit 101,041 Prozent auf den Markt gekommen - von Anfang an ein Minusgeschäft. "Es ist schon außergewöhnlich, wenn Anleger einem Unternehmen Geld schenken", bemerke Brunner. Die fünfzehnjährige Tranche (ISIN XS2049616894 / WKN A2R68M) biete auch nur 0,5 Prozent.

0,5 Prozent bis zum Januar 2027 bezahle der Autozulieferer Hella, die neue Anleihe (ISIN XS2047479469 / WKN A2YN2Z) habe ein Volumen von 500 Millionen Euro. Außerdem sei die im April emittierte, bis 2026 laufende Otto-Anleihe, eine "grüne Anleihe", mit Kupon von 2,625 Prozent um 50 Millionen Euro aufgestockt worden (ISIN XS2049548873 / WKN A2YN2Y), wie Petz berichte. "Die beiden Anleihen haben anfangs unterschiedliche Wertpapierkennnummern, nach frühestens 40 Tagen werden sie zusammengelegt." Die "alte" Anleihe werde derzeit zu 103,90 Prozent gehandelt, die neue zu 102,9 Prozent. Beide hätten eine Stückelung von 1.000 Euro. (Ausgabe vom 30.08.2019) (02.09.2019/alc/a/a)






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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
100,10 € 100,25 € -0,15 € -0,15% 06.12./18:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS1251078009 A161MW 101,78 € 72,21 €
Werte im Artikel
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