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Anleihen: USA-Europa-Schwellenländer - wo gibt es noch Erträge?


06.06.17 12:15
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die Handlungen von US-Präsident Trump machen den dortigen Anleihemarkt nur kurzzeitig nervös, so Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

In Europa sei es immer wahrscheinlicher, dass die Zentralbank die Geldpolitik an das verbesserte Makroumfeld anpasse. Dennoch würden die Risikoprämien bei Anleihen weiterhin scheinbar eher abwärts tendieren. Obwohl einige Risiken nicht besonders ansprechend kompensiert würden, müsse der Stab nicht über dem gesamten Anleihemarkt gebrochen werden.

In den USA beeinflusse die Sorge um die Schlagzeilen zu Präsident Donald Trump die Finanzmärkte nicht sonderlich nachhaltig. So habe der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 ein Allzeithoch erreicht und auch die Risikoprämien für Unternehmensanleihen seien nicht nachhaltig erhöht worden.

Zugleich würden die Experten beobachten, dass Unternehmen zunehmend ihre liquiden Mittel für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe einsetzen würden. Dadurch sei der Anteil wachstumsorientierter Investments gesunken. Dies könne als Indiz gesehen werden, dass man sich in einer späten Phase des US-Kreditzyklus befinde. Anleiheinvestoren sollten nach Einschätzung der Experten angemessene Risikoprämien für derartige fundamentale Verschiebungen verlangen. In großen Teilen des US-Unternehmensanleihemarktes seien diese allerdings kaum zu finden.

Auf der anderen Seite bleibe der Wirtschaftsausblick für die USA gut. Zyklische Titel würden sich vor diesem Hintergrund durchaus im Portfolio rechtfertigen lassen. Allerdings sollte das Augenmerk auf das Bewertungsniveau gelegt werden. Hypothekenbesicherte Anleihen würden eine Möglichkeit darstellen, weiterhin an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung teilzuhaben. Gleichzeitig könnten Anleger mit Teilen dieser verbrieften Wertpapiere ähnliche Renditen wie am Hochzinsanleihemarkt erwirtschaften.

In Europa hätten sich die Wirtschaftsdaten verbessert und die Inflation steige tendenziell an. Sei damit die aktuelle Geldpolitik noch gerechtfertigt? Eine Frage, mit der sich die Anleger intensiv beschäftigen sollten. Denn schon heute befinde sich der Einkaufsmanagerindex auf einem Niveau, auf dem die Europäische Zentralbank (EZB) in der Vergangenheit eher geneigt gewesen sei, ihre Geldpolitik restriktiver zu gestalten. Und auch wenn die Inflationsrate noch nicht das angestrebte Ziel erreicht habe, hätten sich inzwischen die deflationären Risiken deutlich verringert.

Die EZB könnte es schon im Juni als gerechtfertigt sehen, den ersten Schritt zu machen, um die ultralockere Geldpolitik anzupassen. Zunächst werde die Zentralbank in den Augen der Experten jedoch ihre Kommunikation anpassen, wenn es um die Bewertung der Wachstumsrisiken gehe. Damit würde sie eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik signalisieren. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, dass schon zu Beginn einer Debatte um ein mögliches "Tapering" verschiedene Marktsegmente neu bepreist werden könnten. Auch wenn eine detaillierte Ankündigung zur Abkehr vom Aufkaufprogramm zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten sei, würden äußerst niedrig-verzinsliche europäische Staatsanleihen wie auch europäische Investment-Grade-Unternehmensanleihen besonders anfällig für einen Abverkauf erscheinen - sie habe die EZB direkt gekauft und dadurch sehr stark gestützt. Die Negativrenditen könnten somit ein Ende finden und die Risikoaufschläge ansteigen.

Mit der allmählichen Abkehr der EZB von der Strategie des billigen Geldes dürfte es nicht nur im Bereich der Investment-Grade-Unternehmensanleihen, sondern auch bei den Hochzinsanleihen zu Verschiebungen kommen. In der jüngeren Vergangenheit seien High Yield-Papiere auch von Investoren gekauft worden, die sich typischerweise in Investment-Grade-Unternehmensanleihen engagiert hätten - aber wegen des Renditeverfalls auf risikoreichere Alternativen hätten ausweichen müssen. Sollten im Zuge einer möglichen Tapering-Debatte bessere Renditen in den Investment-Grade-Bereich zurückkehren, sei durchaus davon auszugehen, dass sich einige Anleger wieder aus dem Markt der Hochzinsanleihen verabschieden würden. Und das wiederum sorge im High Yield-Bereich für eine negative Entwicklung der Risikoaufschläge.

'Flexibilität ist Trumpf' - Dieser Spruch sollte im aktuellen Marktumfeld mehr denn je das Credo bei Anlagestrategien sein. So gelte es auf dem europäischen High Yield-Markt die großen Benchmark-Titel zu meiden. Denn viele Anleger, die lediglich aus taktischen Überlegungen an diesem Markt investiert seien, hätten die Bewertung dieser Titel über passive oder benchmarknahe Investmentstrategien stark gestützt. Ertragsstärkere Anleihen, die aus dem Marktsegment mit Einzel-B-Bewertung stammen würden und geringer in den Indices gewichtet seien, könnten sich als widerstandsfähiger erweisen. Bei den Branchen würden die Experten derzeit den Finanzsektor favorisieren. Die Emittenten seien nicht Bestandteil des EZB-Programms und gleichzeitig würden die Experten insbesondere bei einigen skandinavischen und kerneuropäischen Instituten eine positive Bilanzentwicklung sehen.

Im vergangenen Jahr hätten zahlreiche Anleger aufgrund der guten Bewertungen den Schritt in globale Hochzinsanleihen gewagt. Nun sei dieser Markt seit März des letzten Jahres jedoch sehr gut gelaufen und weise keine besonders attraktive Durchschnittsbewertung mehr auf. Anleger müssten sich daher andernorts umsehen. Eine Möglichkeit biete ein Engagement in Schwellenländer. Die Emerging Markets hätten noch nicht die überhöhten Bewertungsniveaus erreicht wie der Hochzinsanleihemarkt. Besonders interessant würden derzeit der Markt für Lokalwährungsanleihen sowie das BB/B-Segment der Hartwährungs-Staatsanleihen scheinen.

Insbesondere im Lokalwährungssegment würden die Experten noch historisch günstige Bewertungen und gleichzeitig wenig Interesse seitens der Trump-Regierung daran sehen, den US-Dollar kurzfristig zu stärken. Im Fokus lägen zum Beispiel Staaten aus Lateinamerika, in denen die Notenbank relativ großen geldpolitischen Handlungsspielraum habe, die Zinsen zu senken. Aspekte wie eine zurückgehende Inflationsrate, ein solides oder gar positives Wachstumsmomentum und darüber hinaus auch positive politische Umwälzungen würden diese positive Tendenz stützen. Demzufolge könnten sich auch Lokalwährungen aus den Schwellenländern als zusätzlicher Renditetreiber und als Alternative zu Anlagen aus weniger attraktiven Hochzinssegmenten im Portfolio erweisen. (06.06.2017/alc/a/a)