Anleihen: "Super-Thursday" ohne Auswirkungen


12.06.17 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der "Super Thursday" mit drei wichtigen Terminen war mit Spannung erwartet worden, an den Märkten blieb es aber ruhig, so die Deutsche Börse AG.

Allenfalls britische Anleihen und das Pfund würden am heutigen Freitag leicht nachgeben. "Die Märkte reagieren auf Nachrichten dieser Art mittlerweile gelassen", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. "Eine Kehrtwende in Sachen Brexit wird es nicht geben, und die Aussagen von James Comey waren zu vage."

Die EZB habe auf ihrer Sitzung am gestrigen Donnerstag erste Signale für ein Auslaufen der expansiven Geldpolitik gesendet: Erstmals sei auf den Hinweis verzichtet worden, dass die Zinsen noch weiter fallen könnten. Am Markt sei das allerdings erwartet worden. "Mit einer Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wurde nicht gerechnet", erkläre Brunner. Dagegen sprächen auch der zuletzt wieder gesunkene Ölpreis und die wieder rückläufigen Inflationsraten.

"Der Passus, wonach die Zinsen nochmals gesenkt werden könnten, wurde zwar gestrichen, der EZB-Rat geht aber davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Anleihekaufprogramms hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben werden", kommentiere Viola Julien von der Helaba. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es die Währungshüter mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig hätten.

Die US-Notenbank werde hingegen, wie erwartet werde, auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 1 bis 1,25 Prozent anheben. "Auch hier ist sorgfältig auf die Pressekonferenz zu achten, da sie klarer machen dürfte, ob bereits im September oder erst im Dezember mit einer erneuten Leitzinsanhebung gerechnet werden kann", rate Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank.

Der Euro-Bund-Future mit Fälligkeit im September habe am Freitagmorgen bei 165,03 Punkten notiert. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,25 Prozent rentieren.

Anders als in Großbritannien dürfte die Parlamentswahl in Frankreich am 11. und 18. Juni nach Ansicht von de la Rubia durchaus Spuren bei Bundesanleihen und US-Treasuries hinterlassen. "Sollte der erste Wahlgang bestätigen, dass Macron gute Karten hat, eine robuste Parlamentsmehrheit zu erlangen, sollten die Bund-Renditen steigen, während der Risikoaufschlag französischer Anleihen sinken dürfte."

Der Handel mit Unternehmensanleihen werde derzeit von zwei Themen beherrscht: Air Berlin und Banco Popular. Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin habe am gestrigen Donnerstag bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages gestellt. Die Anleihen seien eingebrochen, die bis 2018 laufende mit Kupon von 8,25 Prozent zum Beispiel von 90 auf rund 70 Prozent, am Freitag gehe es weiter nach unten. Aktuell werde der Bond zu 50 Prozent gehandelt.

Ähnlich sehe es bei dem bis 2019 laufenden Papier mit Kupon von 6,75 Prozent (ISIN XS1051719786 / WKN AB100L) aus. "Hier ist extrem viel los, die Unsicherheit der Anleger ist riesig", stelle Rainer Petz von Oddo Seydler fest. Kurz zuvor sei der Plan einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft mit Tuifly geplatzt, der arabische Air Berlin-Großaktionär Etihad habe die Verhandlungen mit Tui abgebrochen.

Vom Handel ausgesetzt seien derweil Banco Popular-Anleihen. Die krisengeschüttelte spanische Bank sei am Dienstag dieser Woche von der EZB als nicht überlebensfähig eingestuft und dann am Mittwoch für einen symbolischen Euro vom Banco Santander übernommen worden. Schon vor der Aussetzung habe der Kurs der Nachranganleihen (ISIN XS0979444402 / WKN A1HRZ2, ISIN ES0213790001/ A0VUYH) stark gelitten, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte.

"Es ist das erste Mal, dass die europäische Bankenabwicklung gegriffen hat", erkläre Brunner. Folgen für andere Nachranganleihen habe der Ausfall der Banco Popular-Bonds im Übrigen nicht gehabt.

RWE-Anleihen (ISIN XS1219499032 / WKN A14KAB) würden laut Daniel von der vom Bundesverfassungsgericht gekippten Brennelementesteuer profitieren, die Energiekonzerne könnten nun mit Rückzahlungen in Milliardenhöhe rechnen.

Große Umsätze habe Brunner zufolge die neue Anleihe des Versandhändlers Otto verzeichnet. Diese laufe bis 2024, bietet einen Zins von 1,875 Prozent und spreche mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch Kleinanleger an. Eine privatanlegerfreundliche Neuemission gebe es außerdem von HeidelbergCement: Die Anleihe (ISIN XS1629387462 / WKN A19JXW) laufe bis Juni 2027 und biete einen Kupon von 1,5 Prozent. (Ausgabe vom 09.06.2017) (12.06.2017/alc/a/a)





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