Anleihen: Sicherheitsbedürfnis lässt nach


11.09.20 16:01
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die derzeit geldpolitisch ruhige Hand der Europäischen Zentralbank war vor dem Hintergrund konjunktureller Erholung von vielen erwartet worden, so die Deutsche Börse AG.

Bis auf weiteres bleibe es im Euroraum bei einem Leitzins von 0 Prozent und einem Einlagensatz von minus 0,5 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stehe aber bei Bedarf bereit, ihre geldpolitischen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. "Enttäuscht wurden Marktteilnehmer, die mit Schnellschüssen gerechnet hatten", meine Arthur Brunner von der ICF Bank.

Zehnjährige Bundesanleihen hätten nach der EZB-Sitzung nur leicht verloren, aber mit der besseren Stimmung am Aktienmarkt im Wochenverlauf - der Euro-Bund-Future habe von 176,35 auf 173,78 Prozent verloren - deutlich Federn lassen müssen.

Sorge bereite den Währungshütern scheinbar die Euro-Stärke insbesondere zum US-Dollar, wie Brunner feststelle. Konkrete Wechselkursziele gebe es zwar nicht, der Euro-Preis im Verhältnis zu anderen Währungen beeinflusse aber die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure aus der Währungsgemeinschaft. Auch verbillige eine teure Währung die Importe und drücke auf die ohnehin zu niedrige Inflation. Seit Mitte März habe der Euro zum US-Dollar von 1,03 auf 1,19 Dollar zugelegt.

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Brunner insgesamt eher Kaufnachfrage. Für eine 20 Millionen Euro schwere, fünfjährige Behrens-Anleihe mit einem Kupon von 6,25 Prozent und Fälligkeit in 2024 gelte dies nicht. Anleger verabschiedeten sich in größerem Stil von dem Wert.

Behrens habe in einer Adhoc-Meldung die Zukunft des Unternehmens von der Refinanzierung einer im November fälligen Anleihe mit einem Restvolumen von 16,2 Millionen Euro abhängig gemacht. "Scheitert die Refinanzierung, droht dem Hersteller von Befestigungstechnik für Holz eigenen Angaben zufolge die Insolvenz." Derzeit liefen Gespräche über eine staatliche Garantieunterlegung einer neuen Anleihe bzw. eine stille Beteiligung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Seit Veröffentlichung der Meldung mehr als habe sich der Preis für die Anleihe halbiert, aktuell notiere der Wert um 45 Prozent.

Eine rege gehandelte bis Mai 2022 laufende Ferratum-Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent sei Brunner zufolge verstärkt in den Depots gelandet. Nach 92 Prozent zum Wochenauftakt notiere der Bond aktuell um 93,50 Prozent.

Viele Zuflüsse verzeichne Brunner in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten Aurelius Equity Opportunities-Anleihe (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3), die im Dezember 2024 fällig werde. Die meisten der Konzernunternehmen scheinen die Krise bisher ganz gut gemeistert zu haben, so die Deutsche Börse AG. Im ersten Halbjahr liege der Aurelius-Umsatz mit 1,63 Milliarden Euro von dem im Vorjahresvergleich erreichten 1,89 Milliarden Euro immer noch auf einem guten Niveau.

Lebhaftes Interesse zumeist auf der Kaufseite sehe Brunner in einer im Oktober fälligen, 300 Millionen Euro schweren Grenke Finance-Anleihe mit einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent. Aktuell koste der Bond etwas unter 103 Prozent und liege damit auf Wochensicht 1,2 Prozent im Plus.

Kaufnachfrage erkenne Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank nach einer siebenjährigen Anleihe (ISIN XS1979274708 / WKN A2TR80) von Otto mit einem Kupon von 2,625 Prozent. Der im April 2026 fällige Wert notiere derzeit um 103,3 Prozent. Der Hamburger Online- und Versandhändler plane den Aufbau einer Online-Plattform mit eigenem Bezahlservice. Für den Herbst sei die Gründung einer Otto-Tochter geplant, die Anfang 2022 starten solle.

Eine bis 2075 laufende RWE-Anleihe mit einem Kupon von 3,5 Prozent stehe Mägerle zufolge ebenfalls zumeist auf den Kauflisten. "Auf Wochensicht legte der Wert von 106 auf 108 Prozent zu."

Eine neue fünfjährige Anleihe (ISIN XS2229875989 / WKN A282GC) von Ford im Volumen von 750 Millionen Euro werde laut Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank trotz einer Stücklung von 100.000 Euro auch von Privatanlegern recht gut angenommen. "Das liegt sicher auch an der mit 3,25 Prozent recht guten jährlichen Verzinsung." (11.09.2020/alc/a/a)





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