Anleihen: Risikoscheu nimmt zu


02.10.20 15:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit dem für Donald Trump positiv ausgefallenen Corona-Testergebnis erhöhte sich zumindest kurzfristig die Nervosität an den Finanzmärkten, so die Deutsche Börse AG.

"Sichere Anlagen sind jetzt gefragt", beschreibe Arthur Brunner von der ICF Bank die allgemeine Lage am Morgen. Trump gehöre altersbedingt zu einer Gruppe mit hohem Risiko. Deshalb stehe die Frage im Raum, ob lediglich ein positiver Test oder gar eine Infektion vorliege. Anleger würden sich vermutlich auch für das Corona-Ausmaß im direkten Umfeld des US-Präsidenten wenige Wochen vor den Wahlen interessieren.

Der jüngste Strategieschwenk der US-Notenbank weg von einem starren hin zu einem durchschnittlichen Inflationsziel könnte Schule machen. EZB-Chefin Christine Lagarde habe in dieser Woche verbal auf Erwägungen dies bezüglich vorbereitet, wie Solvecon-Analyst Folker Hellmeyer berichte. Währungshüter hätten derzeit über eine mögliche Verpflichtung diskutiert, nach längeren Zeiten mit zu niedriger Inflation einen höheren Preisdruck zu tolerieren. Sofern dieses Konzept glaubwürdig umgesetzt würde, sehe Lagarde den Vorteil, die Wirtschaft in einer Phase extrem niedriger Zinsen besser stabilisieren zu können. Noch sei nichts entschieden. Die EZB-Präsidentin wolle der laufenden Strategieüberprüfung nicht vorgreifen. Klar sei Hellmeyer zufolge aber, dass ein real negativer Zins die Tragfähigkeit von Schulden erhöhen würde.

Im Geschäft mit Unternehmensanleihen sehe der Brunner einen deutlichen Überhang an Käufen. Gesucht sei beispielsweise eine bis Mai 2022 laufende Ferratum-Anleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent. Ebenso hätten sich Anleger mit einem in 2023 fälligen Ferratum-Papier gedeckt, das nominal 5,5 Prozent Zinsen bringe.

Eine im Februar ausgegebene fünfjährige Anleihe (ISIN XS2113662063 / WKN A28TAL) von Porr mit einem jährlichen Zins von 5,375 Prozent finde Brunner zufolge viele Abnehmer. Der Bond des größten österreichischen Bauunternehmens habe seit Monat von gut 78 auf 84 Prozent hinzugewonnen. Porr habe sich den Zuschlag für ein Großprojekt zum Bau Wohn-, Geschäfts- und Büroflächen im 2. Wiener Bezirk gesichert, das in den nächsten gut zwei Jahren realisiert werden solle.

Bei einer in 2023 fälligen Anleihe (ISIN XS1935128956 / WKN A2RWEN) von Immofinanz mit einem Kupon von 2,625 Prozent hätten Kunden Brunner zufolge ebenfalls beherzt zugegriffen.

Die im Raum stehenden Vorwürfe der Bilanzmanipulation gegen Grenke würden laut Gregor Daniel nach wie vor die Anlegergemüter bewegen. Anleihen des Leasing-Spezialisten hätten zumeist schwächer notiert. Der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank nenne beispielhaft einen bis 2022 laufenden Wert (ISIN XS1527138272 / WKN A189PU), der seit Freitag vergangener Woche von 83,40 auf 76 Prozent nachgegeben habe.

Die Grenke-Aktie habe hingegen nach bewegten Tagen kaum verloren. Die am Morgen veröffentlichen Geschäftszahlen für das dritte Quartal hätten zwar im Vergleich zum Vorjahr ein Viertel weniger Neugeschäft gezeigt. Der Konzern aus Baden Baden habe aber Corona-bedingt mit noch weniger gerechnet.

Zu den meist beachteten Papieren zähle Brunner eine im Mai 2022 fällige Sixt Leasing-Anleihe mit einem Kupon von 1,5 Prozent. "Wir sehen viele Käufe und Verkäufe." Der Händler vermute einen Zusammenhang mit der Unsicherheit angesichts der Grenke-Diskussionen. "Sixt könnte von Anlegern in Sippenhaft genommen werden."

Nach dem Schuldenschnitt argentinischer Staatsanleihen, die sich im Besitz von Privatgläubigern befinden würden, verbuche Daniel Nachfrage nach den neuen Papieren des Landes. Unterm Strich verkauft würde zwar ein bis 2041 laufender Bond (ISIN XS2177365363 / WKN A28YAH) im Volumen von 1,57 Milliarden Euro und einem Zins von 0,125 Prozent. Eine in 2029 fällige Argentinien-Anleihe (ISIN XS2200244072 / WKN A282B6) mit einem Kupon von 0,5 Prozent lande hingegen überwiegend in den Depots. Im Anschluss an die Einigung Anfang August seien Anleihen im Wert von rund 65 Milliarden US-Dollar umgeschuldet worden. "Seit 11. September sind die neuen Bonds mit längeren Laufzeiten im Handel." Rückzahlungen auf die umstrukturierten Bond würden erst in 2025 beginnen. (02.10.2020/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
92,00 € 93,00 € -1,00 € -1,08% 23.10./17:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
SE0011167972 A2LQLF 101,75 € 38,00 €
Werte im Artikel
30,90 plus
+4,57%
39,88 plus
+3,32%
89,73 plus
+0,54%
98,94 plus
+0,09%
102,25 minus
-0,01%
80,83 minus
-0,10%