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Anleihen: Renditen steigen im Jahresverlauf


03.02.21 08:45
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Aufgrund hochansteckender Mutationen des Coronavirus mussten diverse Länder ihre einschränkenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie verschärfen, so die Experten von Swisscanto Invest.

Zudem sei der Impfstart vielerorts schleppend angelaufen. Die konjunkturelle Erholung verschiebe sich dadurch zeitlich weiter nach hinten, werde aber nicht infrage gestellt. Infolge der Immunisierung der älteren und stärker gefährdeten Personen dürfte die Pandemie an Schrecken verlieren. Die Regierungen würden daher in der Lage sein, die Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie schrittweise zurückzufahren. Eine kräftige konjunkturelle Erholung dürfte einsetzen. Die negativen Folgen der Pandemie auf Haushalte und Unternehmen würden zudem durch die ausgesprochen stimulierende Geld- und Fiskalpolitik stark vermindert.

An den Finanzmärkten sei die Zuversicht ungebrochen. Viele Aktienmärkte würden auf neuen Rekordmarken notieren und hätten in den letzten Monaten spektakuläre Kursgewinne verzeichnet. Der Anstieg der Anleihenrenditen, die höheren Rohstoffnotierungen und der unter Druck geratene Goldpreis würden ebenfalls von einer gehörigen Portion Konjunkturoptimismus zeugen. Solange die Aussichten auf eine kräftige konjunkturelle Erholung intakt seien und die ultraexpansive Geldpolitik fortgesetzt werde, würden auch die Experten von Swisscanto Invest - trotz hoher Bewertung - zuversichtlich für die Aktienmärkte bleiben.

Die drei wichtigsten Notenbanken der Welt hätten zuletzt ihr Versprechen einer langanhaltenden Nullzinspolitik erneuert. Zudem sei der US-Notenbankchef Powell aufkommenden Spekulationen über ein frühes Zurückfahren der quantitativen Lockerungspolitik (Tapering) entschieden entgegengetreten. Vor diesem Hintergrund würden die Experten von Swisscanto Invest nur mit einem begrenzten Anstieg der langfristigen Renditen bis Jahresende und konstruktiven Aktienmärkten rechnen.

In der aktuell laufenden Gewinnberichtssaison für das 4. Quartal hätten noch nicht viele Unternehmen ihre Bilanzen offengelegt, allerdings würden sich Tendenzen bereits erkennen lassen. Finanzanalysten würden für die Unternehmen des S&P 500 einen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorquartal von rund zwei Prozent erwarten. Diese Hürde erachten wir vor dem Hintergrund unserer Konjunktureinschätzung als leicht zu überspringen, so die Experten von Swisscanto Invest.

Insofern wundere es nicht, dass der Anteil positiver Gewinn- und Umsatzüberraschungen bislang weit über dem Durchschnitt der letzten Jahre liege. Die Marktreaktionen seien dennoch bislang eher verhalten. Dies liege im Wesentlichen an den Ausblicken der Unternehmen, die aufgrund der Coronakrise weiterhin mit großer Unsicherheit behaftet seien. Investoren hätten sich diesbezüglich mehr Zuversicht erhofft, was sich außer in der expansiven Geld- und Fiskalpolitik in den gestiegenen Bewertungen der Unternehmen widerspiegele. Wenn sich die Erholung weniger klar abzeichne, müssten Analysten ihre Gewinnerwartungen nach unten anpassen, was Investoren mit Kursabschlägen vorwegnähmen.

Die Experten von Swisscanto Invest würden trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Eintrübung davon ausgehen, dass sich die globale Wirtschaft dieses Jahr kräftig erholen werde. Ihre Wachstumsprognosen hätten sie nochmals leicht erhöht. Das heiße, auch wenn der Ausblick gegenwärtig wieder etwas getrübter sei, sie würden sogar einen deutlich höheren Gewinnanstieg als der Konsensus der Finanzanalysten erwarten.

Die deutliche Outperformance der Schwellenländer im vergangenen Monat sei ausschließlich auf die Region Asien zurückzuführen. Die beiden anderen wichtigen Regionen Osteuropa und Südamerika hätten sich sogar schlechter als der Weltindex entwickelt. Die Experten von Swisscanto Invest würden davon ausgehen, dass die asiatischen Märkte den Vorsprung vorerst halten würden. Das Wirtschaftswachstum sei in Asien höher und die Region weise einen größeren Anteil an zyklischen als an Value-Sektoren (Finanzdienstleister, Energie) auf. Zwar würden die Experten von Swisscanto Invest derzeit auch den Value-Stil als attraktiv erachten, bei den Zyklikern sähen sie aber nach wie vor mehr Potenzial.

Das Potenzial für einen Renditeanstieg dürfte auch weiterhin in den angelsächsischen Märkten am größten sein. Wenn ein zusätzliches US-Konjunkturpaket verabschiedet werde, die Rohölpreise weiter steigen würden oder die Corona-Neuinfektionen und Hospitalisierungen zurückgehen würden, sei auch kurzfristig ein Renditeanstieg möglich. Im weiteren Jahresverlauf sei vor allem eine höhere Konjunkturdynamik ausschlaggebend für eine Fortsetzung des Renditeanstiegs. Je stärker sich die wirtschaftliche Belebung gegen Jahresende manifestiere, desto mehr werde ein mögliches Tapering der US-Notenbank FED in den Fokus rücken. In diesem Szenario würden sich die sehr gebeutelten Realrenditen wieder von ihren Tiefstständen erholen, sodass nicht mehr ausschließlich steigende Inflationserwartungen für den Renditeanstieg verantwortlich seien.

Die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen seien wieder auf historische Tiefststände zurückgefallen. In den USA würden sowohl die Spreads von Investment-Grade- wie auch High-Yield-Anleihen im Vergleich zu sicheren US-Staatsanleihen wieder auf den Vorkrisenniveaus notieren. Mit den Wertpapierkaufprogrammen der Notenbanken bleibe die Unterstützung für Unternehmensanleihen groß. Zwar würden die Experten von Swisscanto Invest nicht mehr mit einem größeren Spread-Rückgang rechnen, jedoch bleibe der Renditevorteil bestehen. (03.02.2021/alc/a/a)