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Anleihen: Regionen mit wenig Inflationsdruck bevorzugt


04.01.22 10:40
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die neue Corona-Variante Omikron verbreitet sich in raschem Tempo rund um den Globus, so die Experten von Swisscanto Invest.

Viele Staaten hätten daher wieder einschneidende Maßnahmen verordnet. Die wirtschaftlichen Einbußen dürften sich allerdings auf das 1. Quartal 2022 beschränken. Für die Weltwirtschaft würden die Experten mit einem Wachstum von rund vier Prozent im Jahr 2022 rechnen, was deutlich über dem geschätzten Potenzialwachstum von rund drei Prozent liege. Sorgen würden weiterhin die teilweise sehr hohen Teuerungsraten bereiten. Der Preisdruck werde sich indes 2022 zurückbilden. Voraussetzung sei aber, dass sich die Lieferengpässe entspannen würden und die akute Personalknappheit abgebaut werde, damit die drohende Preis-Lohn-Preis-Spirale nicht in Gang gesetzt werde.

Die Obligationenmärkte seien aktuell durch eine hohe Schwankungsanfälligkeit gekennzeichnet, die sich auch im nächsten Jahr fortsetzen dürfte. Einerseits werde die Coronapandemie die Finanzmärkte zumindest zu Beginn des neuen Jahres noch beschäftigen. Andererseits neige sich die Zeit der ultraexpansiven Geldpolitik in vielen Regionen dem Ende entgegen. Zinsanhebungen und die Einstellung der Wertpapierkäufe würden vor allem in Währungsregionen erfolgen, in denen die Inflation über das nächste Jahr hinweg über den Notenbankzielen verharre.

Die Notenbanken in Nordamerika würden dabei am stärksten unter Druck stehen, auf den Inflationsauftrieb zu reagieren und ihre Geldpolitik zu straffen. Namentlich dürfte die US-Notenbank (FED) ihre Wertpapierkäufe Ende März einstellen und die Leitzinsen nächstes Jahr dreimal anheben. Typischerweise würden die Zinskurven mit restriktiveren Notenbanken flacher, da die kurzfristigen Renditen stärker ansteigen würden als die langfristigen. Jüngst seien jedoch die längerfristigen US-Renditen wieder gesunken. Die Experten würden allerdings davon ausgehen, dass belastende Faktoren im nächsten Jahr wegfallen und die längerfristigen US-Renditen erneut in Richtung der Höchststände aus dem Jahr 2021 ansteigen würden.

Die regionalen Anleihenmärkte könnten sich von den Entwicklungen auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht ganz entkoppeln, sodass der Aufwärtsdruck auf die Renditen global bestehen bleibe. Die Experten würden aber Differenzierungsmöglichkeiten sehen und Anleihenmärkte bevorzugen, die weniger Inflationsdruck ausgesetzt seien und somit noch länger von einer expansiven Geldpolitik profitieren würden.

In Australien spreche das zögerliche Lohnwachstum gegen eine Zinserhöhung vor 2023. In Europa setze die Europäische Zentralbank (EZB) die Wertpapierkäufe fort, obschon das Pandemie-Notfallprogramm (PEPP) beendet werde. Die EZB werde im Gegensatz zu anderen Notenbanken ihren Marktanteil am gesamten Staatsanleihenvolumen weiter ausbauen, sodass die Anleihen der Eurostaaten, insbesondere in der Peripherie, gut unterstützt bleiben würden. Zinserhöhungen seien im Euroraum bislang nicht absehbar.

Das Coronavirus gibt nicht auf und wird uns mit der Omikronvariante in den kommenden Wochen beschäftigen und die Stimmung der Aktieninvestoren dämpfen, so die Experten von Swisscanto Invest. Hinzu komme der global restriktivere Kurs der Zentralbanken. In diesem Umfeld würden die Experten weiterhin überdurchschnittliches Potenzial für den Schweizer Aktienmarkt sehen.

Neben der hohen Gewichtung defensiver Sektoren spreche auch die Notenbankpolitik für relative Stärke. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Schweizer Nationalbank im Fahrwasser der EZB bis auf Weiteres keine Leitzinserhöhungen vornehmen und, falls doch, erst nach ihr handeln werde. Dies dürfte den Schweizer Franken gegenüber den Währungen der anderen Aktienregionen leicht schwächen, was den sehr exportorientierten Unternehmen zusätzlich zugutekommen sollte.

Die Diskussion um die Geldpolitik der US-Notenbank habe in der zweiten Novemberwoche weiter Fahrt aufgenommen. Die Aussicht auf größere Schritte beim Zurückfahren der Anleihenkäufe und frühere Zinserhöhungen als ursprünglich gedacht, würden beim sehr zinssensitiven Growth-Stil für relative Schwäche sorgen. Interessant dabei sei allerdings, dass die unterdurchschnittliche Indexentwicklung des Stils in der Eurozone ähnlich stark ausgeprägt sei wie in den USA, obwohl die EZB nach wie vor keine Hinweise auf mögliche Leitzinserhöhungen gebe. Daraus lasse sich schließen, dass Investoren den US-Unternehmen weiterhin mehr Gewinnwachstum zutrauen würden als den europäischen. Diese Einschätzung könnte 2022 allerdings auf die Probe gestellt werden, denn die Experten würden davon ausgehen, dass der Lohnkostendruck in der Eurozone deutlich geringer sein werde als in den USA.

Auf beiden Seiten des Atlantiks hätten sich die Unternehmen in der abgelaufenen Berichtssaison zuversichtlich gezeigt, weitere Preissteigerungen am Markt durchsetzen zu können. Wenn das gelinge, müsste es den europäischen Unternehmen leichter fallen, ihre Margen zu halten. Es könnte sich also ein seit Ende der Schuldenkrise seltenes Fenster öffnen, wo das Gewinnwachstum höher als bei den US-Firmen wäre. Dies würde europäische Aktien dann insgesamt attraktiver machen, wovon nicht nur der Growth-Stil relativ zu seinem US-Pendant profitieren dürfte, sondern auch andere Anlagestile.

Die Wachstumsverlangsamung in China und die Absicht der chinesischen Regierung, den Schuldenabbau im Immobiliensektor voranzutreiben, werde auch für die Industriemetallnachfrage nicht ohne Folgen bleiben. Die gedämpfte Nachfrage der chinesischen Industrie spiegele sich in den Caixin-PMI-Umfragewerten zu den Neuaufträgen. Sie seien erneut unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen.

In Anbetracht dessen halte sich der Kupferpreis noch auf hohem Niveau. Aufgrund der historischen Korrelationen mit den Industrie-Vorlaufindikatoren müsste der Kupferpreis eigentlich tiefer notieren. Die Industriemetallnachfrage werde sich jedoch zunehmend vom Immobiliensektor auf andere Bereiche verlagern. Das Wachstum dürfte vor allem durch die Energiewende, den Ausbau der Stromnetze und die Haushaltsgeräte angetrieben werden. Viele Industriemetalle, wie Kupfer, dürften deshalb auf globaler Ebene weiterhin in einem Defizit verharren, was für stabile Preisniveaus spreche. Sollte sich das Wachstum in China allzu stark abschwächen, würden die Experten mit stimulierenden geldpolitischen Maßnahmen rechnen, was für die Industriemetalle ein so genannter "policy put" darstelle. (04.01.2022/alc/a/a)