Anleihen-Handel: Realrenditen auf neuen Tiefs


15.11.21 12:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Thema Nummer Eins an den Rentenmärkten: Die hohe Inflation und die damit einhergehenden nochmals fallenden realen Renditen, so die Deutsche Börse AG.

So sei die Inflation in den USA im Oktober auf 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat geklettert - mehr, als Analysten erwartet hätten. "Die deutlich über der Konsensschätzung liegende US-Inflationsrate hat die US-Realrenditen auf ein neues Tief fallen lassen", berichte Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Die Inflation in Deutschland habe im Oktober bei 4,5 Prozent gelegen.

Am Freitagmorgen würden zehnjährige Bundesanleihen mit minus 0,23 Prozent rentieren, vor einer Woche seien es minus 0,27 Prozent gewesen. "Zehnjährige Bundesanleihen sind weiterhin sehr volatil und reagieren stark auf Äußerungen von Notenbankern und Konjunkturdaten", bemerke Tim Oechsner von der Steubing AG. Die große Frage sei, wann Notenbanken einschreiten würden, um der Inflation ein Ende zu setzen.

Die US-Notenbank habe bereits angekündigt, die Anleihekäufe zu reduzieren, die EZB noch nicht. "Jetzt steht die Debatte um das sogenannte "Sequencing" im Fokus", erläutere Siemßen. Dabei gehe es um die Reihenfolge bei der geldpolitischen Normalisierung. Die EZB habe angekündigt, dass vor einem ersten Zinsschritt der Ausstieg aus den Anleihekaufprogrammen abgeschlossen sein solle. "Würde der erste Zinsschritt - wie am Markt erwartet - allerdings bereits im September nächsten Jahres erfolgen, müssten die Anleihekäufe abrupt beendet werden." Das halte die Bank aber für unwahrscheinlich.

Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann habe diese Woche mit der Äußerung überrascht, die EZB könnte - sollte die Inflation nachhaltig dem EZB-Ziel entsprechen - ihre Wertpapierkäufe schon im nächsten Jahr komplett einstellen.

Wieder auf den Abgabelisten stünden Anleihen der Adler Real Estate, etwa die bis 2029 laufende mit Kupon von 2,25 Prozent (ISIN XS2283225477 / WKN A287MT), wie Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Auch die von der Steubing AG betreuten Adler-Anleihen (ISIN XS2283224231 / WKN A287MU, ISIN XS1713464441 / WKN A2G8WY) seien stark unter Druck.

"Am Montag kam die Nachricht, dass Adler eine Kreditlinie von 300 Millionen Euro - wohl eine der letzten Quellen - vollständig abgerufen hat", erläutere Oechsner. Außerdem habe der britische Short-Seller Fraser Perring seine Aktivitäten ausgeweitet. Donnerstag sei dann die Nachricht gefolgt, dass ein ehemaliger Staatsanwalt Projekte der Adler-Tochter Consus prüfe - wegen des Verdachts auf Mittelabflüsse. "Das ist alles kein Grund zur Freude für Anleiheinvestoren."

Verstärkte Umsätze registriere Oechsner außerdem in der Anleihe (ISIN DE000A2GSTP1 / WKN A2GSTP) von Vedes, der Fachhandelsorganisation für Spiel und Freizeit. "Vedes reduziert zum 17. November das Volumen der Anleihe durch vorzeitige Teilkündigung." Von den ursprünglichen 25 Millionen würden dann nur noch 12,5 Millionen Euro übrig bleiben. Der Händler melde verstärkt Käufe für die Anleihe. "Der Kurs liegt jetzt bei 103 bzw. 104 Prozent."

Mägerle melde Käufe für eine Voestalpine-Anleihe, die 2026 fällig sei und 1,75 Prozent abwerfe, und eine 2028 fällige Vonovia SE-Anleihe mit 0,25 Prozent.

Eine böse Überraschung hätten Halter der BDT Media Automation-Anleihe (ISIN DE000A2E4A94 / WKN A2E4A9) mit Kupon von 8 Prozent und Fälligkeit 2024 erlebt. "Innerhalb weniger Handelstage fiel der Kurs bei hoher Handelsaktivität von 104 Prozent auf im Tief rund 42 Prozent", berichte Oechsner. Jetzt notiere die Anleihe wieder bei 53,50 Prozent, was eine Rendite von 38,8 Prozent ergebe. "News dazu sind nicht auffindbar." Die Anleihe habe ein Volumen von nur 5 Millionen Euro.

Heute habe sich das Unternehmen geäußert und deutlich gemacht, dass es für die Entwicklung des Anleihekurses keine unternehmensspezifischen Gründe gebe. Die Anleihe erhole sich auf 67 Prozent.

Auf niedrigem Niveau stabilisiert hätten sich die Papiere (ISIN DE000A2GSSP3 / WKN A2GSSP, ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ) des Immobilienunternehmens Eyemaxx Real Estate. Eyemaxx habe einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Korneuburg in Österreich gestellt, das Verfahren sei inzwischen eröffnet worden. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK habe Anleiheinhaber der Eyemaxx Real Estate diese Woche zur Interessensbündelung aufgerufen.

Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig habe die Emission ihrer neuen, bis 2026 laufenden Anleihe (ISIN DE000A3MP5K7 / WKN A3MP5K) mit Kupon von 6 Prozent erfolgreich abgeschlossen. Platziert worden seien insgesamt 14 Millionen Euro. (Ausgabe vom 12.11.2021) (15.11.2021/alc/a/a)






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