Anleihen-Handel: Wieder kein Zinsanstieg


07.08.17 11:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zinsen sind wieder auf dem Rückzug, so die Deutsche Börse AG.

"Die Unsicherheit in den USA um Präsident Trump schwappt zu uns herüber", meine Arthur Brunner von der ICF Bank. "Da ist wieder Sicherheit gefragt." Zudem seien die Zweifel an einem baldigen weiteren Zinsschritt in den USA gewachsen. "Auch die Bank of England hat gestern die Füße still gehalten." Die britische Notenbank habe am Donnerstag den geldpolitischen Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen.

Am Freitagmittag habe der Euro-Bund-Future bei 163,45 Punkten gelegen, vor einem Monat seien es 160 Prozent gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur 0,45 Prozent abwerfen verglichen mit 0,60 Prozent Mitte Juli.

Nach Ansicht Rainer Guntermanns von der Commerzbank würden die jüngsten Wachstums- und Inflationsdaten im Euroraum sowie der steigende Ölpreis aber der Inflation Auftrieb und stärken das Ausstiegsszenario der EZB geben. Die zehnjährige Bundrendite werde daher kaum nachhaltig unter die Marke von 0,5 Prozent fallen.

Ralf Umlauf von der Helaba weise darauf hin, dass die US-Zinsen seit Jahresanfang zurückgegangen seien. "Zum einen sind die Chancen auf große Steuerreformen noch in diesem Jahr mit dem anhaltenden Chaos rund um die Präsidentschaft Donald Trumps ebenso verschwunden wie die Erwartungen gewaltiger Ausgabenprogramme", erkläre der Analyst. Damit einhergehend und auch in Reaktion auf den moderaten Lohndruck hätten sich zudem Inflationserwartungen in den USA und auch hierzulande zurückgebildet.

Nach anfangs verhaltener Nachfrage im Handel sei das Interesse an der vergangene Woche emittierten Griechenland-Anleihe - die erste seit 2014 - spürbar gestiegen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Das könnte auch damit zusammenhängen, dass der Kurs etwas zurückgekommen ist." Aktuell werde die Anleihe (ISIN GR0114029540 / WKN A19MEC) mit Laufzeit bis 2022 und Kupon von 4,375 Prozent bei 99,25 Prozent gehandelt. Mehr Käufe sehe er auch in dem aus der Umschuldung 2012 hervorgegangenen Besserungsschein (ISIN GRR000000010 / WKN A1G1UW), dessen Zinszahlungen von der Entwicklung des griechischen BIP abhängen würden. "Das ist aber sehr spekulativ."

Extrem volatil würden Anleihen des krisengeschüttelten Venezuela bleiben. Während sie zuvor stark an Wert verloren hätten, sei es in den vergangenen Tagen wieder etwas nach oben gegangen. Hintergrund sei, dass die Generalstaatsanwaltschaft fordere, die Wahl zur verfassunggebenden Versammlung vom 30. Juli zu annulieren. Begründet werde das mit dem Verdacht auf Wahlmanipulation.

Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von Kursgewinnen in der bis 2027 laufenden Venezuela-Anleihe mit Kupon bei 9,25 Prozent und der bis 2034 laufenden mit 9,375 Prozent (ISIN US922646BL74 / WKN A0ABV5). Etwas erhole sich Daniel zufolge auch der bis 2028 laufende Bond (ISIN USP17625AB33 / WKN A0TU0G) mit 9,25 Prozent. Betroffen seien laut dem Händler auch Anleihen (ISIN USP7807HAR68 / WKN A1ZBN3) des Ölkonzerns Petroleos de Venezuela.

Die Dieselaffäre und die Kartellvorwürfe gegen Deutschlands Autobauer seien in letzter Woche ohne große Auswirkungen auf Autoanleihen geblieben. Brunner zufolge hätten sich Anleger geduldig gezeigt. "Volkswagen-Hybridanleihen legten nach dem Diesel-Gipfel am Mittwoch sogar etwas zu."

Interesse beobachte der Händler auch in Nachranganleihen der IKB und der Nord LB (ISIN DE000NLB8K69 / WKN NLB8K6). "Die Risikofreude bezüglich Banken steigt wieder."

Käufe und Verkäufe melde Daniel in langlaufenden Bayer- und Merck-Anleihen. Das Bayer-Papier laufe bis 2075, biete einen Kupon von 3 Prozent und komme beim aktuellen Kurs von 104,41 auf eine Rendite von 2,33 Prozent. Bei Merck ergebe sich bei einer Laufzeit bis 2074 und Kupon von 2,625 Prozent beim derzeitigen Kurs von 105,21 eine Rendite von 2,28 Prozent. "Beide können vorzeitig getilgt werden. Und die vorzeitige Kündigung ist wahrscheinlich", bemerke der Händler. Dann ergäben sich im Fall von Bayer bei Kündigung 2020 noch 1,43 Prozent, bei Merck 2021 1,23 Prozent. "Das ist im aktuellen Zinsumfeld interessant."

Gut ankomme Brunner zufolge weiterhin die Anfang Juli emittierte Anleihe (ISIN DE000A2GSB86 / WKN A2GSB8) des Autozulieferers paragon, die mittlerweile zu 103,20 Prozent gehandelt werde. Das Papier mit Kupon von 4,5 Prozent sei im Juli 2022 fällig. Auch die ältere Anleihe (ISIN DE000A1TND93 / WKN A1TND9), die bis Juli 2018 laufe und 7,25 Prozent biete, werde mit 104 Prozent deutlich über Pari gehandelt.

Angesichts des schwachen Euro würden sich Anleger außerdem von US-Dollar-Anleihen trennen, wie Brunner feststelle. "Da wird die Reißleine gezogen." Für einen Euro müssten mittlerweile schon fast 1,19 US-Dollar gezahlt werden, im Dezember seien es nur 1,04 US-Dollar gewesen. (Ausgabe vom 04.08.2017) (07.08.2017/alc/a/a)





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