Anleihen-Handel: Weiter auf Erholungskurs


11.05.20 13:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach dem Urteil des Verfassungsgerichtes zum Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2015 beschäftigen sich Anleger derzeit mit den möglichen Folgen, so die Deutsche Börse AG.

"Italienische Staatsanleihen kamen zunächst unter Druck", beschreibe Arthur Brunner von der ICF Bank die ersten Reaktionen am Rentenmarkt. "Zwischenzeitlich stieg die Rendite zehnjähriger Papiere auf 2 Prozent, aktuell liegt sie bei 1,68 Prozent" (Stand 08.05.2020).

Mittlerweile scheine klar, dass es den Währungshütern vermutlich leicht fallen werde, die von Karlsruhe geforderte Verhältnismäßigkeit ihres so genannten Public Sector Purchase Programm (PSPP) innerhalb der dreimonatigen Frist darzulegen. Somit werde die Bundesbank an den Maßnahmen künftig weiter teilnehmen können.

Spannend sei nach Ansicht von Experten aber, wie sich das Urteil auf das neue 750 Milliarden Euro Corona-Paket auswirken werde. Im Rahmen dieses Pandemic Emergency Programme (PEPP) plane die EZB den Ankauf von Staatsanleihen nicht wie bisher nach einem festgelegten Kapitalschlüssel. Als von Covid-19 besonders betroffene Staaten würden Bonds etwa von Italien oder Spanien nach Bedarf übergewichtet. Auch erwäge die EZB von der bisherigen maximalen Kaufquote von einem Drittel der emittierten Anleihen eines Landes abzuweichen.

Genau dies würden von Bloomberg befragte Anleihehändler kritisch beurteilen. Sie seien der Meinung, dass PEPP den Kriterien von Karlsruhe nicht werde entsprechen können. Zur Vermeidung von Staatsfinanzierung sähen die Richter die 33 Prozent-Emissionsgrenze, den Kapitalschlüssel und die Mindestbonitätsnoten allesamt als wichtig an, wie Patrick O'Donnell von Aberdeen Standard Investments schätze.

Die Attraktivität deutscher Staatsanleihen beeinträchtige das Urteil der Verfassungsschützer scheinbar nicht. "Für die Ausgabe einer 15-jährigen Bundesanleihe im Volumen von 7,5 Milliarden Euro standen Orders in Höhe von fast 35 Milliarden Euro in den Büchern", berichte Brunner. Das Papier sei mit einem Kupon von 0,0 Prozent ausgestattet und zu einem Kurs von 104,659 Prozent zugeteilt worden. "Erstmals seit langem griff die Finanzagentur für diese Emission auf das Syndikat-Format, also die Platzierung über ein Bankenkonsortium, zurück."

Im Handel mit bestehenden Anleihen sehe Brunner Nachfrage nach einer in 2024 fälligen Anleihe (ISIN DE000A2YN3Q8 / WKN A2YN3Q) der Deutschen Rohstoff mit einem jährlichen Zins von 5,25 Prozent. Vom Einbruch im April habe sich der Wert deutlich erholt. Aktuell koste die Anleihe um 80 Prozent. Das Kaufinteresse an einem Hertha BSC-Bond mit einem Kupon von 6,5 Prozent schreibe Brunner dem Neustart der Fußball Bundesliga nach der Corona-Pause zu. Nächste Woche solle es wieder losgehen.

Gregor Daniel melde überwiegende Käufe von Lufthansa-Bonds. Untern anderem griffen Investoren zu einem bis 2024 laufenden Wert (ISIN XS2049726990 / WKN A2YNV6) mit einem Kupon von 0,25 Prozent. Ebenso käme eine in 2075 fällige Lufthansa-Hybridanleihe mit einem jährlichen Zins von 5,125 Prozent häufig zum Tragen. Klar sei, dass der Bund Staatshilfen leisten werde. "Der Rettungswille ist vorhanden, man kann also von einer Rückzahlung der Anleihen ausgehen", stelle der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Derzeit deute vieles auf eine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie hin. (Ausgabe vom 08.05.2020) (11.05.2020/alc/a/a)






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