Anleihen-Handel: Im Wechselbad der Gefühle


02.10.17 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unterm Strich steht es kaum verändert, dennoch spiegelt das hiesige Rentenbarometer Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) auf Sicht der letzten Woche das Wechselbad der Anlegergefühle wider, so die Deutsche Börse AG.

Von erhöhtem Sicherheitsbedürfnis nach der Bundestagswahl bis zu größerer Risikofreude nach Ankündigung der Steuersenkungspläne Donald Trumps sei alles dabei gewesen. "Diese war allerdings nur vorübergehend, weil keiner weiß, wie das Ganze bezahlt werden soll", relativiere Arthur Brunner. Es sei fraglich, ob das Vorhaben wie geplant umgesetzt werden könne.

Die größten Akzente im Rentenhandel habe nach Ansicht des Händlers der ICF Bank die Notenbankchefin der Vereinigten Staaten gesetzt. "Janet Yellen hat in ungewohnter Deutlichkeit einen Zinsschritt noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt und dabei betont, dass die Inflation nicht alleiniges Entscheidungskriterium sei." Auf die gewünschte Teuerungsrate von 2 Prozent zu warten, halte Yellen nun für unvorsichtig, weil es die Gefahr einer Überhitzung der Volkswirtschaft berge.

Auf die schwächer als erwartete Inflation im Euroraum hätten Anleger am letzten Freitag derweil mit Nachfrage nach Bundesanleihen reagiert. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sei am Freitagmittag auf 161,20 Prozent gestiegen, was einer Rendite von 0,45 Prozent entspreche. Mit einer Kernrate von 1,1 Prozent entferne sich die Teuerung - ohne Energie- und Lebensmittelpreise - von dem 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Das stelle nach Ansicht von Analysten die Reduzierung der Anleihen-Käufe auf den Prüfstand.

Der Einigungsprozess im Koalitionspoker werde nach Auffassung von Brunner zwar steinig. Dennoch seien die Marktreaktionen auf das Wahlergebnis bislang überschaubar. Nach Ansicht von Klaus Stopp wäre eine frühe Einigung der Verhandlungspartner im Interesse der Kapitalmärkte. "Denn Stabilität ist Börsianern ein hohes Gut." Dies sei aber vermutlich ein frommer Wunsch. Insbesondere die kleinen Parteien CSU, FDP und Grüne würden aller Voraussicht nach den Preis für einen Koalitionsvertrag in die Höhe treiben wollen.

Stopp nenne als einen Knackpunkt die Energiepolitik. Während die Grünen bis 2020 die Abschaltung der 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke versprochen hätten, passe ein staatlich forcierter Ausstieg aus der Kohle nicht zu den liberalen Grundsätzen der FDP. Auch der Grünen-Forderung, ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen zu wollen, lehne die FDP ab und spreche sich gleichzeitig für Technologieoffenheit aus. Die Liste sei lang. "So zeichnet sich jetzt schon ab, dass alle Beteiligten gleich mehrere Kröten werden schlucken müssen, sollte man sich auf einen Koalitionsvertrag einigen."

Im Bond-Handel komme Brunner zufolge eine neue Volkswagen-Anleihe besonders häufig zum Tragen. Der Autobauer habe mittels zwei Emissionen insgesamt 2,25 Milliarden Euro in Stücken von 1.000 Euro erfolgreich am Kapitalmarkt aufgenommen. Ein 1,25 Milliarden Euro schwerer dreijähriger Bond (ISIN XS1692348847 / WKN A2GSFP) mit Fälligkeit im Oktober 2020 biete Anlegern einen Kupon in Höhe von 0,25 Prozent. "Dieser ist bei guten Umsätzen gefragt", informiere der betreuende Händler. Jährlich 1,125 Prozent Zinsen biete ein im April 2024 zur Rückzahlung anstehendes Volkswagen-Papier im Volumen von einer Milliarde Euro.

Bereits die zweite Woche in Folge habe eine nachrangige Anleihe (ISIN DE000A2E4Q88 / WKN A2E4Q8) der IKB Deutsche Industriebank mit einem Kupon von 4 Prozent bei der ICF Bank zu den meist gehandelten Werten gehört. "Die Anleihe ist sehr stark gesucht."

Das gestiegene Interesse an Fremdwährungsanleihen in Norwegischen Kronen führe Brunner größtenteils auf die gestiegenen Ölpreise zurück. Stopp verbuche darüber hinaus Nachfrage nach Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Türkische Lira und vereinzelt Südafrikanische Rand.

Gregor Daniel spreche von überwiegenden Käufen einer Nordea-Anleihe mit einem Kupon von 0,891 Prozent. Am Freitag habe die Anleihe knapp unter 88 Prozent notiert und im Verlauf der letzten Woche hinzugewonnen. Regen Handel in beide Richtungen mache der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank in einem im April 2022 zur Rückzahlung anstehenden STADA-Papier aus, das Anlegern jährlich 1,75 Prozent Zinsen bringe.

Anleger hätten zudem auf eine argentinische Staatsanleihe (ISIN XS0501195993 / WKN A0VTZ1) vertraut, die Daniel zufolge derzeit verstärkt gekauft werde. "Die Käufe dieses Argentinien-Bonds fanden ohne besondere Nachrichten statt."

Eine im März 2022 fällige Abengoa-Anleihe stehe laut Daniel gegenwärtig im Anlegerfokus, nachdem das Unternehmen die Veröffentlichung der Unternehmenszahlen auf Basis eines richterlichen Beschlusses verzögert habe. Der Bond des angeschlagenen spanischen Anbieters von erneuerbaren Energien sei infolge zunächst abgestoßen worden. "Ab Mitte der Woche griffen Anleger wieder zu." Das spiegele sich im Kurs wider, am Freitag habe die Anleihe um 10,5 Prozent notiert. (Ausgabe vom 29.09.2017) (02.10.2017/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
163,57 € 163,52 € 0,05 € +0,03% 15.12./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 166,40 € 158,73 €
Werte im Artikel
101,30 plus
+0,40%
70,60 plus
+0,14%
93,00 plus
+0,05%
163,57 plus
+0,03%
101,29 plus
+0,03%
16,77 plus
0,00%
100,44 minus
-0,04%
99,90 minus
-0,10%