Anleihen-Handel: Verkaufswelle bei den Hochprozentern nicht in Sicht


01.02.21 11:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Plötzlich ist die Nervosität zurück - die Aktienmärkte sind unter Druck, Staatsanleihen wieder gefragt, so die Deutsche Börse AG.

Die Gründe seien bekannt: Corona und mögliche Mutationen, fehlende Impfstoffe, kein Ende des Lockdowns absehbar. Für Unruhe sorge aber auch der Fall GameStop. Kleinanleger hätten sich in Online-Foren zusammengeschlossen, um die Aktie des US-Spieleunternehmens in die Höhe zu treiben und damit gegen GameStop wettenden Hedgefonds das Geschäft zu verderben. Die Turbulenzen würden mittlerweile den ganzen Markt belasten.

Da würden Anleger lieber auf Staatsanleihen setzen: Sämtliche Neuemissionen - sei es von Österreich, sei es von Griechenland - hätten sich in der letzten Woche guter Nachfrage erfreut, wie Arthur Brunner von der ICF Bank melde. Auch die Regierungskrise in Italien hinterlasse keine Spuren. "Die Risikoaufschläge italienischer Staatanleihen gegenüber Bundeanleihen gingen sogar leicht zurück." Das sei nach Ansicht von Cem Keltek von der Commerzbank nicht alleine auf EZB-Anleihenkäufe zurückzuführen. "Vielmehr setzen die Investoren wohl darauf, dass eine neue pro-europäische Regierung zustande kommen wird." Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei wieder unter minus 0,5 Prozent gefallen, am Freitagmorgen seien es minus 0,53 Prozent gewesen.

Größere Abgaben von höher rentierlichen Unternehmensanleihen durch die gestiegene Unsicherheit am Markt sehe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank allerdings nicht. "Bei uns ist es im Moment eher so, dass sich die Anleger bei steigender Volatilität zurückhalten und nichts machen."

Erste Zahlen der Otto Group für das Ende Februar endende Geschäftsjahr 2020/2021 hätten zu Verkäufen der bis 2026 laufenden Otto-Anleihe mit Kupon von 2,625 Prozent geführt, wie Daniel berichte. Offenbar nähmen Anleger Gewinne mit: Der Bond, dessen Kurs im Rahmen des Corona-Crash im März 2020 auf 75 Prozent gefallen sei, werde jetzt wieder zum Vorkrisenkurs von 106 Prozent gehandelt. Käufe melde der Händler hingegen für Papiere der Württembergische Lebensversicherung AG mit Kupon von 5,25 Prozent und Fälligkeit 2044. Auch Daimler-Anleihen hätten auf den Einkaufslisten gestanden, während Papiere (ISIN XS1396261338 / WKN A18Z75) von BMW abgegeben worden seien.

Weiter gut nachgefragt sei Brunner zufolge die Anleihe (ISIN SE0015194527 / WKN A283W1) von Media and Games Invest. "Die profitieren vom Lockdown." Auch andere Hochzinsanleihen seien gefragt, etwa die der SGL TransGroup International (ISIN SE0013101219 / WKN A2R9NL) und die von Ferratum (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF, ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS). "Ist das Geschäftsmodell überzeugend und die Unternehmen liefern, dann kaufen Anleger auch - trotz höherer Volatilität am Markt", bemerke Brunner. Nachgefragt seien auch Papiere (ISIN DE000A254NA6 / WKN A254NA) der PREOS Global Office Real Estate & Technology. "Das liegt aber wohl an der Meldung, dass ein neuer Investor das Unternehmen übernehmen könnte."

Trotz Nullkupon gesucht sei laut Brunner auch eine bis 2028 laufende KfW-Anleihe (ISIN XS2209794408 / WKN A2TEF9), ebenso ein Langläufer (ISIN FR0014001JM8 / WKN A287RS) von SNCF mit Kupon von 1 Prozent und Fälligkeit 2061.

Die Neuemission der Immobiliengesellschaft PANDION sei auf so große Nachfrage gestoßen, dass das Volumen von 30 auf 45 Millionen habe aufgestockt werden können, wie Brunner berichte. Der Bond (ISIN DE000A289YC5 / WKN A289YC) biete 5,5 Prozent, laufe fünf Jahre und werde aktuell zu 100,15 Prozent gehandelt (29.01.2021).

Neues habe es in der letzten Woche von der österreichischen S IMMO AG gegeben, wie Rainer Petz von Oddo Seydler berichte. Der Green Bond (ISIN AT0000A2MKW4 / WKN A287UC) der Immobiliengesellschaft sei 2028 fällig und biete 1,75 Prozent im Jahr. "Da sehen wir durchaus Umsatz", stelle der Händler fest. Die Stückelung liege bei kleinanlegerfreundlichen 500 Euro. (Ausgabe vom 29.01.2021) (01.02.2021/alc/a/a)

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