Anleihen-Handel: US-Dollar-Bonds gesucht


04.12.17 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die unsichere politische Lage in Berlin wirkt sich weiterhin nicht aus auf den Anleihemarkt, so die Deutsche Börse AG.

"Die Politik hat keinen Einfluss", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest.

Auf Wochensicht habe sich der Euro-Bund-Future unter Schwankungen weiter seitwärts bewegt, am Freitagmittag habe der Indikator bei 163,29 Punkten nach 163,06 vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 0,36 Prozent abwerfen nach 0,37 Prozent am 24. November. "Langeweile auf dem Staatsanleihemarkt: Renditen scheinen wie festgenagelt", fasse Sintje Boie von der HSH Nordbank zusammen.

In den USA gelte eine Zinserhöhung am 13. Dezember schon als eingepreist. "Zu der Fortsetzung der graduellen Zinsanhebungen durch die FED hat sich anlässlich einer Senatsanhörung zuletzt Jerome Powell bekannt", berichte Boie. Der designierte Nachfolger von noch FED-Chefin Janet Yellen signalisiere damit Kontinuität.

Der von Griechenland angebotene Umtausch von 20 aus der Umschuldung hervorgegangener Anleihen im Wert von knapp 30 Milliarden Euro in fünf neue Bonds komme gut an. "Die Annahmequote liegt bei 86 Prozent", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Die Altanleihen (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) hätten auf den Verkaufslisten gestanden. "Da wird zum Jahresende aufgeräumt."

Wie "Die Welt" am 1. Dezember berichtet habe, würden Anleger mit dem Tausch aber kein gutes Geschäft machen: Bei den neuen Schuldtiteln seien wichtige Gläubigerschutzklauseln aufgeweicht worden, habe es geheißen. Das Finanzministerium habe die so genannte Pari-Passu-Klausel geschwächt, die gewährleiste, dass die Gläubiger der Anleihen mit anderen gleichgestellt seien. Die Negativklausel sei ganz gestrichen worden, Athen könne also künftig neuen Gläubigern besondere Sicherheiten einräumen, ohne diese auch den bestehenden zu gewähren.

Die Unruhe um Venezuela habe sich etwas gelegt: "Die Umsätze in den Anleihen sind nicht mehr so hoch", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. Das Land habe Anfang November eine Umschuldung seiner Auslandskredite inklusive der des staatlichen Ölkonzerns PDVSA angekündigt. Daniel melde Verkäufe in den bis 2028 laufenden Papieren mit Kupon von 9,25 Prozent (ISIN USP17625AB33 / WKN A0TU0G). "In den PDVSA-Bonds (ISIN USP7807HAR68 / WKN A1ZBN3, ISIN XS0294367205 / WKN A0NRTC, ISIN XS0294364954 / WKN A0NRHT) war gar nichts los."

Deutlich verteuert hätten sich einige HSH Nordbank-Anleihen (ISIN XS0142391894 / WKN 542696). "Anleger hoffen auf ein positives Ende der Übernahmeschlacht", meine Petz. Ende Oktober sei das Bieterverfahren für die Bank mit einigen verbindlichen Angeboten abgeschlossen worden, Namen seien nicht genannt worden. Reuters zufolge seien noch Apollo, Socrates und das Konsortium aus Cerberus und Christopher Flowers im Rennen.

Für Anleihen auf Türkische Lira melde Daniel neben anhaltenden Verkäufen auch immer mehr Käufe. "Mancher sieht wohl ein Tief erreicht." Zugegriffen werde etwa in einer KfW-Anleihe (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) mit Laufzeit bis 2020 und Kupon von 9,25 Prozent. Die Türkische Lira sei vor kurzem zum Euro auf ein neues historisches Tief von 4,72 Lira gefallen, am Freitag seien es 4,69 Lira zum Euro gewesen.

Allgemein beliebt seien wegen der höheren Kupons derzeit US-Dollar-Anleihen, wie die Händler berichten würden. "Bei uns verschiebt sich das Verhältnis zunehmend von Euro- in Richtung US-Dollar-Bonds", erkläre Petz. Neben den attraktiveren Renditen liege das auch an der in der Regel niedrigen Stückelung von 2.000 US-Dollar. Neue Euro-Anleihen mit privatanlegerfreundlichen Stückelung seien derzeit hingegen eher selten.

"Außerdem setzen Anleger mit dem Kauf von US-Dollar-Anleihen auf den Anstieg der US-Währung infolge der Zinserhöhungen", ergänze Brunner. "Der US-Dollar hat ja in diesem Jahr ordentlich Federn gelassen." Als Beispiel für einen beliebten US-Dollar-Bond nenne er ein Papier (ISIN XS1609321986 / WKN A19G7G) von Nestlé in der US-Währung mit Kupon von 2,25 Prozent und Laufzeit bis 2022. Die Anleihe werde aktuell unter Pari gehandelt.

Zu Portfoliobereinigungen komme es Daniel zufolge derzeit auch in anderen Unternehmensanleihen. Betroffen seien etwa Papiere (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) der insolventen MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft und des ebenfalls insolventen Münchener Immobilienentwicklers Golden Gate.

Der Reigen der Neuemissionen gehe weiter. Klaus Stopp von der Baader Bank spreche von einer "großen Auswahl für Investoren" - allerdings fast ausschließlich institutionelle Investoren. Neues in kleinanlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro gebe es von der Deutschen Bahn: Das Unternehmen habe eine siebenjährige Anleihe mit variablen Zins in Höhe des Dreimonat-Euribor zuzüglich 0,37 Prozentpunkten aufgelegt, wie Stopp melde. Emittiert worden sei der Floater zu 101,428 Prozent, am Freitagmorgen habe der Kurs bei 101,517 Prozent gelegen. (Ausgabe vom 01.12.2017) (04.12.2017/alc/a/a)