Anleihen-Handel: Spanische Staatsanleihen unter Druck


09.10.17 09:44
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Diskussionen um die Steuersenkungspläne in den Vereinigten Staaten sowie der Streit über das Unabhängigkeits-Bestreben Kataloniens prägen laut Händlern das Geschehen am Rentenmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen hätten weiter nachgegeben, wie Arthur Brunner von der ICF Bank beobachte. "Zudem ist Madrid bei drei Neuemissionen deutlich stärker zur Kasse gebeten worden." Für eine zehnjährige, 4,5 Milliarden Euro schwere spanische Anleihe seien 1,867 Prozent fällig, nach 1,36 Prozent bei der letzten Auktion. Ein fünfjähriger Bond im Volumen von 3,2 Milliarden Euro komme nach 0,21 Prozent nun auf 0,53 Prozent. Die Bundesregierung zahle dem gegenüber für zehnjährige unter einem halben Prozent.

Als Beispiel für unter Druck geratene spanische Bonds nenne Klaus Stopp einen bis auf 97,10 Prozent gefallenen zehnjährigen Wert (ISIN ES0000012A89 / WKN A19KVL). "Die dabei erzielte Rendite von 1,76 Prozent war die höchste seit über drei Monaten", bemerke der Händler der Baader Bank. Der Kurs eines fünfjährigen Titels (ISIN ES00000128O1 / WKN A19B40) sei auf pari zurückgefallen. "Nur vereinzelt nutzen Investoren die doch teilweise recht attraktiven Spreads zu Neuengagements." Für Stopp habe nicht zuletzt das ungeschickte Verhalten von Spaniens Ministerpräsident Rajoy für die festgefahrene Situation gesorgt, weshalb eine Lösung mit dem jetzigen Amtshalter nur noch schwer vorstellbar sei.

Derweil würden sich große Ratingagenturen zu Wort melden und Katalonien unter besondere Beobachtung stellen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Standard & Poor's habe die Region auf "credit watch negative" gesetzt und eine Entscheidung über die Kreditbewertung in den nächsten drei Monaten in Aussicht gestellt. Fitch vergebe den Status "Watch Negative" und werde am 22. Dezember über die Bonität befinden. Beide Unternehmen sähen im Falle einer Abspaltung ein erhöhtes Risiko für Barcelona, die Schulden nicht mehr bedienen zu können.

Auch hiesige Banken sind nach Ansicht von Felix Hufeld vor Zahlungsunfähigkeit nicht gefeit, so die Deutsche Börse AG. Der Chef der Finanzaufsicht BaFin habe im Rahmen einer Fachtagung erwähnt, dass deutsche Privatkunden in erheblichem Umfang Anlagen besäßen, die im Falle einer Schieflage eines Instituts ganz oder teilweise abgeschrieben werden müssten. Bei diesem in der Regel ungesicherten, so genannten Bail-in-Kapital in der Hand von Privatanlegern liege die Bundesrepublik nach Italien immerhin auf Platz zwei. Den mit unbesicherten Investments wie etwa nachrangigen Anleihen meist einhergehenden höheren Zinsen stünden üblicherweise größere Risiken gegenüber.

"Zuletzt hatten bei der Abwicklung der italienischen Institute BP Vicenza und Veneto Banca sowohl Aktionäre als auch Anleihegläubiger und Inhaber von Zertifikaten durch einen Bail-in ihre Investitionen verloren", erinnere Stopp. Dasselbe sei bei der durch Santander übernommenen spanischen Banca Popolare passiert.

Vor dem Hintergrund der Zuspitzung in Spanien bei gleichzeitiger Erwartung höherer Zinsen in den USA und guter Konjunkturzahlen habe der Euro-Bund-Future auf Wochensicht zugelegt. Am Freitag habe das Zinsbarometer bei 160,95 Prozent notiert. Für Stopp werde der Gradmesser für die künftige Zinsentwicklung derzeit unter anderem durch unterschiedliche geopolitische Themen gestützt.

Aus charttechnischer Perspektive erhöhe sich bei einem Abprall an der Marke von 162 Prozent die Gefahr eines kräftigen Rücksetzers bis in den Bereich um 160 Prozent. Aktuell profitiere der Euro-Bund-Future indes weiterhin von der laxen Geldpolitik in der Währungsgemeinschaft. "Aus diesem Grund werden wir uns wohl noch etwas gedulden müssen, bis wir wissen, ob es sich aktuell nur um ein Zwischenhoch oder doch um eine Trendwende handelt."

Im Handel Bond-Handel verbuche Daniel rege Geschäft in einer mit 1,171 Prozent verzinsten IKB-Anleihe, nachdem die Düsseldorfer Bank in einer Ad hoc-Meldung über eine gewünschte Neufassung der Treuhandvereinbarung des IKB Funding Trust I informiert habe. "Nach der Veröffentlichung machte der Kurs einen Sprung von 61,25 auf zwischenzeitlich rund 70 Prozent." Die derzeitige Bewertung liege mit 69,25 Prozent etwas darunter.

Brunner spreche von nach wie vor überdurchschnittlichen Umsätzen in einer Nachrang-Anleihe (ISIN DE000A2E4Q88 / WKN A2E4Q8) der IKB Deutsche Industriebank mit einem Kupon von 4,0 Prozent. "Die Wert führt bei uns die Umsatzstatistik an."

Derweil registriere Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank generell zunehmendes Anlegerinteresse an Unternehmensanleihen, nachdem für ihn das Sommerloch gefühlt sehr lang gewesen sei. Eine neue BayWa Hybridanleihe (ISIN XS1695284114 / WKN A2GSM1) mit einem Volumen von 300 Millionen Euro und einem Kupon von 4,25 Prozent, sei von Investoren ausgesprochen positiv aufgenommen worden. Die Handelsaufnahme sei für den 09.10. geplant. "Vorbörslich stieg der Wert auf 103 Prozent." (Ausgabe vom 06.10.2017) (09.10.2017/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
163,57 € 163,52 € 0,05 € +0,03% 15.12./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 166,40 € 158,73 €
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