Anleihen-Handel: Seitwärtsmodus


14.05.18 11:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In einer verkürzten Woche beschäftigten sich Anleger laut Händler mit den Auswirkungen einer möglichen Neufassung des Atom-Abkommens mit dem Iran, der schleppenden Formierung einer italienischen Regierung sowie der ziemlich eindeutigen Entscheidung britischer Notenbanker, den Leitzins vorerst bei 0,50 Prozent zu belassen, so die Deutsche Börse AG.

Die Wirtschaft entwickele sich im Königreich nicht wie gewünscht und die Teuerung liege mit 2,5 Prozent im März unter den Erwartungen. Zudem seien die möglichen Brexit-Folgen für Bank of England-Präsident Mike Carney nicht absehbar. "Das ist ein Spagat", urteile Arthur Brunner von der ICF Bank.

Die starke US-Währung sorge allgemein für ansehnliche Umsätze mit US-Treasuries. "Käufer setzen auf einen stabil bleibenden US-Dollar und einen ansehnlichen Renditevorteil von 240 Basispunkten." Verkäufe stufe der Händler als Gewinnmitnahmen nach der beträchtlichen Aufwertung des Greenback ein.

Meldungen über eine mögliche Allianz zwischen der italienischen populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega hätten für Verkäufe italienischer Staatspapiere gesorgt. "Anleihen von Spanien, Portugal und Zypern wurden in Sippenhaft genommen", bemerke Brunner, wenngleich der Abgabedruck für diese Werte geringer ausgefallen sei. Die geplante Koalition würde nach Ansicht von Analysten womöglich höhere Staatsausgaben und die Rücknahme von umgesetzten Reformen nach sich ziehen.

Die anstehenden Aufstockungen italienischer Bonds im Volumen von bis zu 6,75 Milliarden Euro würden nach Auffassung von Rentenexperten wahrscheinlich von Konzessionen an die Anleger begleitet werden. Geplant seien Laufzeiten bis 2021, 2025 und 2033.

Im Handel mit Corporate Bonds sehe Brunner rege Nachfrage nach zwei neuen Daimler-Anleihen (ISIN DE000A190NE4 / WKN A190NE, ISIN DE000A190ND6 / WKN A190ND) mit Kupons von 1 und 0,25 Prozent. "Die Werte haben sich im Wochenverlauf gut entwickelt." Auch eine im Mai 2022 fällige Sixt Leasing-Anleihe mit jährlichen Zinsen von 1,5 Prozent käme bei Investoren gut an und lande per Saldo in den Depots.

Lebhaftes Interesse in beide Richtungen verbuche Brunner für eine Volkswagen-Hybridanleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 4,625 Prozent. Der jüngste Verdacht auf Manipulationen von AUDI-Fahrzeugen mache sich bemerkbar. "Der Wert steht leicht unter Druck." Überwiegenden Zuspruch gebe es für einen METRO-Bond mit Fälligkeit im März 2025 und einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent.

Eine Inflation von derzeit rund 25 Prozent, ein Leitzins von 40 Prozent und eine Währung im Sinkflug würden argentinische Staatsanleihen in den Anlegerfokus rücken, wie Gregor Daniel registriere. Eine noch junge 100-jährige Anleihe (ISIN USP04808AN44 / WKN A19J68) der Südamerikaner werde Daniel zufolge rege in beide Richtungen gehandelt. Der seit Jahresbeginn abwärts tendierende Bond notiere derzeit um 87 Prozent, nach rund 103 Prozent Anfang Januar (11.05.2018). Ein in 2038 fälliger argentinischer Bond (ISIN XS0501195993 / WKN A0VTZ1) mit einem Kupon von 2,26 Prozent würde überwiegend gekauft. Gleichzeitig trennten sich Anleger zumeist von einer mit 7,82 Prozent verzinsten Anleihe (ISIN XS0501195134 / WKN A0VTZV) des südamerikanischen Staates. Von einer im April 2025 zur Rückzahlung anstehenden Anleihe der Neuquen Province (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ), ausgestattet mit einem Kupon von 7,5 Prozent, hätten sich Anleger per Saldo verabschiedet. Der Bond habe seit Monatsbeginn von etwa 100 auf rund 95 Prozent nachgegeben.

Für Daniel würden sich Käufer zweifellos aufs Glatteis begeben. "In der Vergangenheit haben sich Investoren mit argentinischen Staatspapieren öfter mal die Finger verbrannt", erinnere der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Staatschef Macri habe nun Haushaltskürzungen in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar angekündigt und suche mittlerweile Hilfe beim Internationalen Währungsfonds. Eine Garantie für einen positiven Ausgang sei dies nicht. Der argentinische Staat sei in den vergangenen 200 Jahren laut "Handelsblatt" immerhin acht Mal bankrott gegangen. (Ausgabe vom 11.05.2018) (14.05.2018/alc/a/a)





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