Anleihen-Handel: Notenbanken setzen Akzente


19.06.17 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Notenbanken und ihre Zinsentscheidungen bestimmten in der letzten Woche das Bild am Kapitalmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Neben der US-Zentralbank hätten am 15. Juni die Schweizer Nationalbank und die Bank of England (BoE) ihren unveränderten geldpolitischen Kurs bekannt gegeben. Am letzten Freitag seien die Bank of Japan und Russlands Währungshüter gefolgt.

Die erwartete Leitzinserhöhung der Federal Reserve um 0,25 Prozent auf 1 bis 1,25 Prozent sei Arthur Brunner zufolge von der Ankündigung einer weiteren beabsichtigten Erhöhung noch in diesem Jahr plus dem Plan eines schrittweisen Abbaus der Bilanzsumme angereichert worden. Fällige Anleihen würden künftig nicht mehr ersetzt und in den Büchern befindliche Papiere schrittweise verkauft. Der Euro-Bund-Future habe mit deutlichen Einbußen reagiert, am Freitag habe das Rentenbarometer bei 164,24 Prozent notiert. "Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen stieg im Wochenverlauf auf 0,312 Prozent", berechne der Händler der ICF Bank.

Die BoE halte derweil vorerst die Füße still und belasse ihren Zins bei 0,25 Prozent. Allerdings würden sich Analysten zufolge mittlerweile die Kräfteverhältnisse zugunsten einer strafferen Geldpolitik verschieben. Vor dem Hintergrund steigender Verbraucherpreise - im Mai habe die Inflation mit 2,9 Prozent den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht und liege damit deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der britischen Notenbanker - schwinde womöglich die Geduld der Ratsmitglieder. Andererseits könne eine mögliche politische Blockade nach der Wahlschlappe von Premierministerin May die Konjunkturaussichten weiter schwächen, was die Rufe nach zusätzlichen geldpolitischen Spritzen verstärken würde.

Für die Nord LB begrenze die merklich abkühlende Wirtschaft verbunden mit einem deutlich über der Ziellinie liegenden Preisdruck die Manövrierfähigkeit von Notenbankchef Carney. Im ersten Quartal sei die britische Wirtschaft nur um 0,2 Prozent gewachsen, gleichzeitig gehe die hohe Teuerung im Königreich auf Kosten der Kaufkraft.

Die Zustimmung der Euro-Finanzminister zur Auszahlung einer Tranche von 8,5 Milliarden Euro aus dem griechischen Hilfsprogramm an Athen ohne eine finanzielle Beteiligung des Internationalen Währungsfonds IWF zu diesem Zeitpunkt komme für Brunner kaum überraschend. "Der IWF beharrt auf eine Umstrukturierung der griechischen Schulden, gleichzeitig möchte Finanzminister Schäuble das Thema vor der Bundestagswahl erst einmal vom Tisch haben." Als Kompromisslösung lege der Fonds nun zunächst formal ein eigenes Kreditprogramm auf. Geld werde aber erst fließen, wenn eine Einigung über mögliche weitere Schuldenerleichterungen erzielt sei. Die Euroländer sähen eine Entscheidung dies bezüglich erst nach Ablauf ihres laufenden Programms im Sommer 2018 vor. Unter anderem werde die Wirtschaftsentwicklung Griechenlands über eine mögliche Streckung der Schulden als Entscheidungskriterium dienen.

Brunner rechne mit einem weiteren "faulen Kompromiss". Bereits beim Thema Eurobonds habe die Bundesregierung getrickst. Mittlerweile betrage Deutschlands Target-2-Saldo knapp 800 Milliarden Euro. Das entspreche gut 25 Prozent des hiesigen Bruttoinlandsproduktes. In gesunden Zeiten seien die Salden des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrssystems der Zentralbanken ausgeglichen. Erst seit der Eurokrise hätten einige Länder negative, andere positive Bilanzen aufgebaut. Italien stehe beispielsweise mit 421 Milliarden Euro in der Kreide, Spanien schulde der EZB 374 Milliarden Euro. "Durch die Anleihen-Käufe sitzt die EZB auf offenen Posten, die andere Mitgliedsländer im Notfall ausgleichen müssen."

Anleihen aus Athen stünden bei den Kunden der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank durch die Kompromisslösung stärker im Fokus, wie Gregor Daniel melde. Ein rege gehandeltes und in Summe gefragtes Papier (ISIN GR0133007204 / WKN A1G1UG) mit einer Laufzeit bis Februar 2019 und einem Kupon von 3,0 Prozent stehe stellvertretend für andere Werte. Am letzten Freitag habe die Anleihe bei 80,70 Prozent notiert, Anfang des Monats sei sie noch für 77,35 Prozent zu haben gewesen.

Ein neuer eine Milliarden US-Dollar schwerer, zehnjähriger Green Bond (ISIN US037833CX61 / WKN A19KAP) von Apple mit einer Verzinsung von jährlich 3 Prozent komme bei Anlegern gut an, wie Brunner berichte. Der nordamerikanische Elektronikriese demonstriere eigenen Angaben zufolge mit der Emission den hohen Stellenwert, den US-Unternehmen dem Klimaschutz beimessen würden, nachdem sich die USA aus dem Pariser Abkommen abgekoppelt habe.

Zu den meist gehandelten Produkten der ICF Bank würden laut Brunner Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen mit einer jährlichen Verzinsung von 4,625 Prozent gehören. Der Wert habe im Verlauf der letzten Woche zugelegt, am Freitag habe die Anleihe 1.208 Prozent gekostet.

Währungsanleihen (ISIN XS1576699075 / WKN A19EAH, ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) in Türkischer Lira führe Daniels in der Umsatzstatistik weiter vorn. Der Händler vermute einen Zusammenhang mit dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 5 Prozent im ersten Quartal. "Analysten hatten mit nur 4 Prozent gerechnet." (Ausgabe vom 16.09.2017) (19.06.2017/alc/a/a)





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