Anleihen-Handel: Notenbanken setzen Akzente


09.11.20 12:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz anhaltendem Wahlkrimi in den USA und weiter steigenden COVID-19-Fällen kehrt am Finanzmarkt der Optimismus zurück, so die Deutsche Börse AG.

"Die Aktienbörsen sind gut erholt, der DAX hat die Verluste der Vorwoche wieder wettgemacht", beschreibe Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank. Das spüre man auch im Handel mit Unternehmensanleihen.

Analysten sähen die Entwicklung im Zusammenhang mit der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen wichtiger Notenbanken. Das werde künftig den Anlagenotstand nochmals erhöhen. Nachdem die Bank of England eine mit 150 Milliarden Britischen Pfund kräftige Ausweitung der Wertpapier-Käufe beschlossen hat, scheinen Federal Reserve und die Europäische Zentralbank ebenfalls bereit zu sein nachzulegen, so die Deutsche Börse AG.

Unter Berufung auf Pandemie-bedingte zusätzlich nötige fiskalische und geldpolitische Unterstützung für die Wirtschaft habe der US-Notenbankpräsident am 05.11. Handlungsbereitschaft signalisiert. Jerome Powell zeige sich offen für mögliche Anpassungen der Anleihe-Käufe.

Für den Euroraum würden Marktteilnehmer die Äußerungen von EZB-Direktorin Schnabel als Hinweis auf weitere potenzielle geldpolitische Lockerungen im Dezember interpretieren. Die Europäische Zentralbank würde demnach bei Bedarf alle der Notenbank zur Verfügung stehenden Register ziehen. In einer Krise wie dieser sei Stabilität der Anleihenmärkte nicht selbstverständlich. Rückenwind erhalte die EZB auch von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der hinter der aktuellen EZB-Politik stehe.

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Zuspruch für eine in 2075 fällige Lufthansa-Hybridanleihe mit einem jährlichen Zins von 5,125 Prozent. Der Kurs der Anleihe habe im Wochenverlauf von 75 auf gut 79 Prozent zugelegt. Anleger hätten zudem zu einer in 2024 fälligen Lufthansa-Anleihe mit einem Kupon von 0,25 Prozent gegriffen. Bei einem Kurs von 87,80 Prozent komme das Papier auf eine Rendite von 3,73 Prozent. An den Zahlen könne die Nachfrage kaum liegen. In den ersten neun Monaten habe die größte deutsche Fluggesellschaft einen Verlust von 5,6 Milliarden Euro bei einem Umsatz von elf Milliarden Euro verbucht.

Daniels Kunden trennten sich hingegen zumeist von einer mit jährlich 2,375 Prozent verzinsten Peugeot-Anleihe, während der Kurs der Anleihe seit Montag leicht im Plus liege.

Arthur Brunner von der ICF Bank informiere über Kaufinteresse an einer im Oktober 2022 fälligen gamigo-Anleihe mit einem Kupon von 7,75 Prozent. "Für den Bond steht eine vorzeitige Refinanzierung im Raum." Offiziell sei das Vorhaben für die 50 Millionen Euro schwere Anleihe noch nicht, eine Roadshow habe aber begonnen. Der Wert habe seit Beginn der letzten Woche von 101,5 auf 102,75 Prozent spürbar zugelegt.

Die Mittel zur Rückzahlung der gamigo-Anleihe würden Brunner zufolge voraussichtlich von der Muttergesellschaft Media and Games Invest getragen. Diese habe nach guten Zahlen für das erste Halbjahr ein starkes Ergebnis für das dritte Quartal in Aussicht gestellt. Auch an einer im Oktober 2024 fälligen Media and Games Invest-Anleihe (ISIN DE000A2R4KF3 / WKN A2R4KF) mit einem jährlichen Zins von 7,0 Prozent fänden Anleger übrigens Gefallen. "Der 25 Millionen Euro schwere Wert liegt wieder um 100 Prozent."

Eine im Februar emittierte, fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A254N04 / WKN A254N0) von Gross & Partner im Volumen von 100 Millionen Euro lande Brunner zufolge ebenfalls überwiegend in den Depots. Der mit jährlich 5,9 Prozent verzinste Wert der Grundstücksentwicklungsgesellschaft sei in den vergangenen Handelstagen von 90 auf 92 Prozent gestiegen.

Kursgewinne verzeichne eine bis 2038 laufende argentinische Staatsanleihe (WKN A28YAK) mit einem Kupon von 0,125 Prozent, wie Brunner feststelle. Nach 34 Prozent am 02.11. koste die Anleihe aktuell 35,40 Prozent (06.11.2020). Im Anschluss an die Einigung Anfang August seien Anleihen im Wert von rund 65 Milliarden US-Dollar umgeschuldet worden. Diese befänden sich seit September im Handel. (Ausgabe vom 06.11.2020) (09.11.2020/alc/a/a)





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