Anleihen-Handel: Lufthansa und Otto bestimmen das Bild


12.07.21 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es geht wieder abwärts mit den Renditen für Staatsanleihen, so die Deutsche Börse AG.

Nach minus 0,11 Prozent Ende Mai würden zehnjährige Bundesanleihen derzeit mit 0,30 Prozent deutlich tiefer im negativen Bereich rentieren. In der Spitze seien es am 08.07. minus 0,34 Prozent gewesen. "Die Angst vor schnell steigenden Zinsen ist scheinbar in den Hintergrund gerückt", meine Rainer Petz von der Oddo BHF.

Das hänge unter anderem mit der EZB-Verkündung vom 08.07. zusammen, künftig einen flexibleren Ansatz hinsichtlich Inflation und Zinsen anzuwenden. Dieser Schritt sei erwartet worden. Bislang habe die Notenbank Teuerungsraten unter, aber nahe 2 Prozent angestrebt. Künftig könnten die Währungshüter "symmetrisch" eine Inflation von 2 Prozent oder auch mehr tolerieren, ohne an der Zinsschraube drehen zu müssen. Analysten sähen in dem Schritt ein klares Signal für eine bis auf weiteres locker bleibende Geldpolitik.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsschätzungen seien nach Ansicht von Baader Bank-Stratege Robert Halver Zinssteigerungen im Euroraum vor 2024 ausgeschlossen. Auch einer möglichen Drosselung ihrer Anleihen-Käufe nehme die Notenbank damit Wind aus den Segeln. Zudem gebe der geplante Aufkauf sogenannter "grüner Anleihen" zur Unterstützung des Klimaschutzes der EZB ein weiteres Alibi für die Fortsetzung der aktuellen Geldpolitik.

Nichts Anderes mache die US-Zentralbank. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses hätten derzeit zwar darüber debattiert, wie und in welchen Schritten die als Konjunkturhilfe gedachten Wertpapierkäufe in Höhe von monatlich 120 Milliarden US-Dollar gedrosselt werden könnten. Die möglichen Szenarien würden wohl im Rahmen der kommenden Sitzung näher besprochen. Gehandelt werde aber erst, wenn substanzielle Fortschritte am Arbeitsmarkt und der Preisstabilität erreicht worden seien.

Derzeit würden die Meinungen hinsichtlich des richtigen Timings für ein Zurückfahren der Wertpapierkäufe auseinander gehen. Während Notenbankerin Daly laut Folker Hellmeyer von Solvecon die Verringerung der Geldspritzen bereits Ende des Jahres für möglich halte, verweise der Zentralbankchef von Atlanta auf Risiken der Delta-Variante. Ein zeitiges Zudrehen der Geldhähne werde es vermutlich nicht geben. "Erst Exit-Diskussionen, dann Exit-Pläne, irgendwann der Ausstieg", erinnere Hellmeyer an den korrekten zeitlichen Ablauf.

Im Handel mit Unternehmensanleihen informiere Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank unter anderem über Interesse an einer mit jährlich 4,0 Prozent verzinsten, nachrangigen Otto-Anleihe. Der Wert notiere aktuell um 107 Prozent (09.07.2021). Auch ein in 2028 fälliges Daimler-Papier mit einem Kupon von 1,375 Prozent sei gefragt. "Bei beiden überwiegen die Käufe." Ansonsten mache sich die beginnende Ferienzeit zunehmend bemerkbar.

Saisonbedingt gebe es laut Petz zudem nur wenige Neuemissionen. Seit dem 09.07. sei eine 500 Millionen Euro schwere, bis 2029 laufende Lufthansa-Anleihe mit einem Kupon von 3,75 Prozent handelbar. Ebenfalls eine halbe Milliarde Euro habe die größte deutsche Airline über einen in 2024 fälligen Bond eingenommen und zahle Anlegern dafür jährlich 2,0 Prozent. Die Mittel würden laut Lufthansa zur Stabilisierung der Liquidität dienen mit dem Ziel, die Pandemiehilfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schnellstmöglich zurückzuzahlen. (Ausgabe vom 09.07.2021) (12.07.2021/alc/a/a)





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