Anleihen-Handel: Im Einklang mit Aktienmärkten


06.11.17 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte klettern weiter von Rekord zu Rekord, doch auch an den Anleihemärkten ist die Stimmung gut, so die Deutsche Börse AG.

"Von dem vor einiger Zeit erwarteten Crash sind wir weit entfernt", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. "Eine massive Zinswende steht nicht an."

Gestützt worden sei diese Einschätzung zuletzt durch die Nominierung von Jerome Powell als Nachfolger von Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank. Powell stehe eher für einen moderaten Kurs. "Außerdem wurde in Großbritannien gestern zwar das erste Mal seit der Finanzkrise der Leitzins angehoben, Notenbankchef Mark Carney hat aber deutlich gemacht, dass die Geldpolitik stimulierend bleibt."

Der Euro-Bund-Future habe am Freitagmittag bei 162,63 Punkten nach 162,16 vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten 0,37 Prozent abgeworfen nach 0,40 Prozent am 27. Oktober.

Bemerkbar habe sich auch noch die zögerliche Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche gemacht. Die EZB wolle die Anleihekäufe ab Januar zwar zurückfahren, habe aber kein Ende des Programms in Aussicht gestellt. "Die Vorsicht der EZB hat die Renditen der Bundesanleihen wieder fallen lassen und dürfte deutlich höheren Renditeniveaus auch zukünftig im Weg stehen", meine Sintje Boie von der HSH Nordbank. Dabei brumme der Konjunkturmotor in der Eurozone so kräftig wie schon lange nicht mehr. "Doch das Augenmerk der EZB liegt eindeutig auf der Inflationsrate, die im Oktober mit 1,4 Prozent leicht gesunken ist und sich damit weiter von ihrem Preisziel von knapp 2 Prozent entfernt hat."

Beruhigt habe sich die Lage am spanischen Markt. "Nach den politischen Turbulenzen erinnern sich Anleger offenbar wieder an Spaniens Wirtschaftswachstum und seine Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Berücksichtigt werde auch, dass die Rating-Agenturen seit September Portugal und Italien besser benoten würden. Zehnjährige spanische Staatsanleihen (ISIN ES0000012A89 / WKN A19KVL), die infolge der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens unter 97 Prozent gefallen seien, würden jetzt wieder zu 99,56 Prozent gehandelt. Die Zentralregierung habe Katalonien die Autonomie entzogen und Neuwahlen für den 21. Dezember angesetzt.

Die Griechenland-Krise sei offenbar endgültig überwunden - jedenfalls am Kapitalmarkt. Die Rendite für zehnjährige griechische Anleihen sei mit 4,98 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ausbruch der Krise gefallen. Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank würden Anleger den Kursanstieg bei den Griechenland-Papieren nutzen, um Gewinne mitzunehmen. Verkauft werde etwa die bis 2023 laufende Anleihe (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) mit Kupon von 3 Prozent. Nicht betroffen sei der erst im August dieses Jahres emittierte Bond (ISIN GR0114029540 / WKN A19MEC), der aktuell bei 101 Prozent gehandelt werde.

Hintergrund für die Zuversicht seien auch Spekulationen über Pläne Griechenlands, die eine dauerhafte Rückkehr des Landes an die Finanzmärkte erleichtern sollten. Bloomberg zufolge plane das Land den Umtausch von 20 Anleihen in bis zu fünf neue, festverzinsliche Papiere, die liquider sein sollten.

Für Furore sorge derzeit allerdings Venezuela, das Land stehe offenbar kurz vor der Pleite. Präsident Nicolas Maduro habe am gestrigen Donnerstag angekündigt, dass die Auslandsschulden umstrukturiert werden sollten. Das sei Folge der US-Sanktionen gegen das Land. Venezuelas Auslandsschulden bei Regierungen und staatlichen Einrichtungen würden sich auf insgesamt 143 Milliarden US-Dollar belaufen, davon seien 52 Milliarden US-Dollar Anleihen.

"Es ist ein Blutbad", kommentiere Daniel. Die bis 2028 laufende Anleihe (ISIN USP17625AB33 / WKN A0TU0G) mit Kupon von 9,25 Prozent, die am 2. November noch zu 35 Prozent gehandelt worden sei, habe bei Eröffnung am Freitagmorgen bei 25 Prozent notiert, später seien es wieder knapp 30 Prozent gewesen. Auch Rainer Petz von Oddo Seydler melde viele Verkäufe in Venezuela-Anleihen, etwa der umsatzstärksten mit Laufzeit bis 2027 und Kupon von 9,25 Prozent (ISIN US922646AS37 / WKN 195081). "Der Kurs fiel von 39 auf 30 Prozent, jetzt sind es wieder 32 Prozent", berichte der Händler.

Bei den Unternehmensanleihen zeige sich ebenfalls die gute Stimmung: Von vielen Käufen berichte Brunner für die erst vor einigen Wochen emittierte nachrangige BayWa-Anleihe mit Kupon von 4,25 Prozent, den im Sommer emittierten Bond (ISIN XS1625975153 / WKN A2E4BN) der Otto GmbH & Co KG mit Kupon von 1,875 Prozent und Laufzeit bis 2024, eine IKB Nachranganleihe (ISIN DE000A2GSGU8 / WKN A2GSGU) und eine Wandelanleihe von GK Software. Ebenfalls gefragt gewesen seien Volkswagen-Hybridanleihen. "Die Verluste durch den Dieselskandal sind längst wieder wettgemacht."

Lebhaften Umsatz melde Brunner auch in Anleihen (ISIN XS1115184753 / WKN A1ZQN1) der European Investment Bank EIB in Türkischen Lira. Hier hätten sich Käufe und Verkäufe aber die Waage gehalten.

Nur noch zwischen 1 und 2 Prozent gehandelt würden unterdessen Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B, ISIN XS1051719786 / WKN AB100L, ISIN XS1051723895 / WKN AB100N). "Es setzt sich die Einsicht durch, dass Anleger leer ausgehen werden", meine Petz. (Ausgabe vom 03.11.2017) (06.11.2017/alc/a/a)
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