Anleihen-Handel: Bundesanleihen bauen Gewinne aus


11.09.17 10:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleihemärkte bleiben von geopolitischen Themen geprägt, so die Deutsche Börse AG.

Zum einen habe der Wasserstoffbombentest Nordkoreas die Nervosität steigen lassen. Zum anderen würden den USA nach Hurrikan Harvey mit Hurrikan Irma nun noch gewaltigere Schäden drohen.

Dazu seien auf der EZB-Sitzung am letzten Donnerstag Signale für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ausgeblieben. "Überrascht hat das allerdings nicht, das war so erwartet worden", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. "Jetzt rechnet man für den Oktober mit ersten Ankündigungen bezüglich der Reduzierung von Anleihekäufen."

Der Euro-Bund-Future habe am Freitagmorgen bei 162,88 nach 165,19 Punkten vor einer Woche gelegen, was allerdings rein technisch bedingt sei. Am Donnerstag habe der Handel im alten September-Kontrakt geendet, nun gelte der neue Kontrakt. "Beim alten wären es über 166 Punkte", erkläre Brunner. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,32 nach 0,36 Prozent am 1. September rentieren - im Juli seien es übrigens zwischenzeitlich 0,60 Prozent gewesen.

"Die Stimmen werden lauter, die auf einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik drängen", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, "die Banken ächzen unter der Last". So habe zuletzt Deutsche Bank-Chef John Cryan auf einer Bankentagung in Frankfurt gefordert, die Zeit des billigen Geldes in Europa zu beenden. "Ökonomen wie der Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise weisen darauf hin, dass die europäische Wirtschaft den Stimulus gar nicht mehr braucht", erkläre der Händler. Er verweise auf die Kanadische Zentralbank, die vor dem Hintergrund einer florierenden Wirtschaft den Leitzins am Mittwoch letzter Woche abermals angehoben habe.

"Bestehende Restriktionen, wie zum Beispiel die 30 Prozent-Obergrenzen bei Käufen pro Emission und Emittent, sprechen für eine zu Jahresbeginn 2018 stärkere Reduzierung der Anleihekäufe", meine Sintje Boie von der HSH Nordbank. Die Bank halte es für möglich, dass die EZB dafür eine längere Laufzeit der Käufe signalisieren werde. Einen sprunghaften Renditeanstieg wie in den USA 2013, als Notenbankchef Ben Bernanke das Tapering angekündigt habe, erwarte Boje jedoch nicht. "Der Überraschungseffekt wäre weniger groß." Mit deutlich erhöhten Renditeniveaus für Bundesanleihen sei aber zu rechnen.

Im Bereich der Corporate Bonds seien Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen derzeit gesucht, wie Brunner feststelle. "Nachdem Angela Merkel kundgetan hat, dass es so bald keine Verkaufsverbote von Dieselfahrzeugen geben wird, ist die Nachfrage gestiegen." Rege gehandelt werde Brunner zufolge auch die im Juni dieses Jahres emittierte Anleihe (ISIN XS1625975153 / WKN A2E4BN) des Hamburger Versandhändlers Otto mit Laufzeit bis 2024 und Kupon von 1,875 Prozent - in beide Richtungen.

Gut ankomme laut Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank derzeit eine Sumitomo-Anleihe (ISIN XS1665510134 / WKN A19NS1) in Australischen Dollar, die einen Zins von 3,604 Prozent biete und bis 2023 laufe.

Generell hätten sich in der vergangenen Woche wieder einmal die umfangreichen EZB-Käufe von Unternehmensanleihen bemerkbar gemacht, wie Brunner berichte. "Der Markt ist leergefegt", erkläre der Händler.

Neben zahlreichen Neuemissionen in US-Dollar - etwa von Walt Disney, Apple und Caterpillar - habe es in letzter Woche ein neues Papier vom IT-Vermieter Grenke gegeben, wie Brunner berichte. Die Anleihe (ISIN XS1678629186 / WKN A19NS2) laufe bis 2022 und biete einen Kupon von 0,875 Prozent, die Mindestanlagesumme betrage 1.000 Euro. "Die Nachfrage war groß".

Klaus Stopp von der Baader Bank berichte noch von einer Neuemission (ISIN DE000A19NY87 / WKN A19NY8) von Daimler mit Mindeststückelung von 1.000 Euro. Fällig sei das Papier am 13. September 2021, der jährliche Zins liege aber nur bei 0,20 Prozent. (Ausgabe vom 08.09.2017) (11.09.2017/alc/a/a)





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