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Anleihen: Große Emittenten legen Halbjahreszahlen 2017 vor


09.08.17 12:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In der aktuell sehr ruhigen Marktphase ist es sinnvoll, sich genauer den fundamentalen Daten der großen Emittenten zu widmen - insofern trifft es sich, dass die EIB in der letzten Woche ihre vorläufigen Halbjahreszahlen für 2017 veröffentlicht hat (im Rahmen des 18-K Reports der SEC, IFRS-Standard), berichten die Analysten der Nord LB.

Das Ergebnis der EIB im betrachteten Zeitraum habe sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert (EUR 1,1 Mrd. vs. EUR 958 Mio. in H1 2016). Dies sei in erster Linie auf ein deutlich verbessertes Ergebnis aus "Financial Operations" zurückzuführen, wenngleich dieser GuV-Posten auch weiterhin mit EUR 271 Mio. negativ ausgewiesen werde (H1 2016: EUR -608 Mio.).

Unter Berücksichtigung des sonstigen Ergebnisses ergebe sich ein anderes Bild: Das Gesamtergebnis der EIB belaufe sich im H1 2017 auf EUR 1,4 Mrd., während es im Vorjahr bei EUR -132 Mio. gelegen habe. In erster Linie sei der GuV-Posten "Remeasurements of defined benefit liability" hierfür verantwortlich, der in der betrachteten Periode bei EUR 117 Mio. ausgelaufen sei - in H1 2016 hätten hier noch EUR -1,2 Mrd. zu Buche gestanden. Auf etwa dem gleichen Niveau wie im Vorjahr liege das Kreditportfolio. Insgesamt habe die EIB rund EUR 564 Mrd. Kreditzusagen vergeben, von denen rund EUR 110 Mrd. noch nicht ausgezahlt seien. Im Vorjahr habe sich das gesamte Kreditportfolio auf EUR 572 Mrd. belaufen.

Insgesamt seien die (spärlich kommentierten) Zahlen der EIB eher positiv zu bewerten. Inwiefern sich das leicht rückläufige Kreditportfolio auf die Fundingaktivitäten auswirke, sei unklar, sollte sich allerdings in Grenzen halten bzw. sei in den geplanten Zusagen enthalten. Der Plan, EUR 60 Mrd. an den Kapitalmärkten aufzunehmen, sei bereits zu drei Vierteln (EUR 44,8 Mrd.) erfüllt, insofern erwarte man keine Überraschungen und somit ein Kapitalmarktfunding in Höhe von rund EUR 15 Mrd. für den Rest des Jahres.

Auch die italienische Cassa Depositi e Prestiti (CDP) habe ihre Zahlen für das H1 2017 veröffentlicht. Das italienische Institut, das zu 80,1% in Staatsbesitz sei, sehe sich im Rahmen der Erwartungen. Das Net Income der Gruppe belaufe sich auf EUR 2,5 Mrd. (H1 2016: EUR 0,6 Mrd.). Die Bilanzsumme liege bei EUR 412 Mrd. und sei um rund EUR 4,3 Mrd. angewachsen. Die Eigenkapitalbasis sei leicht schwächer geworden und liege nun bei EUR 34,6 Mrd. (EUR 35,7 Mrd. im Vorjahreszeitraum), sodass die Leverage Ratio bei rund 8,4% liege. Insgesamt sei die gestiegene Profitabilität positiv hervorzuheben.

Gestern habe die FMS Wertmanagement eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie das geplante Kapitalmarktemissionsvolumen von rund EUR 12 Mrd. auf EUR 19 Mrd. spürbar erhöht habe. Die FMS-WM habe bis Ende Juli bereits EUR 15,4 Mrd. an den Bondmärkten platziert. Grundsätzlich beschreibe die FMS, dass man von dem volatilen Marktumfeld (politische Unsicherheiten) infolge einer Safe haven-Strategie der Investoren profitiert habe. Auch die Analysten der Nord LB gehen davon aus, dass günstige Fenster an den Primärmärkten genutzt worden sind und daher bislang mehr Kapital, als ursprünglich geplant, eingeworben wurde.

Darüber hinaus berichte die FMS auch über die Verteilung der Währung der Transaktionen. Das Britische Pfund habe 21% der Emissionen ausgemacht, 36% seien auf den US-Dollar und 43% der Emissionsvolumen auf den Euro entfallen. Die FMS weise ferner darauf hin, dass in Zukunft das längerfristige Funding von der deutschen Finanzagentur durchgeführt werde und die FMS nunmehr bis drei Jahre Laufzeit an den Märkten aktiv werde.

Durch die sehr hohe Aktivität am Primärmarkt sei eine Tendenz zur leichten Ausweitung der ASW-Spreads am Sekundärmarkt zu erkennen. Nehme man die FMSWER 0,75 03/14/19 zum Maßstab, sei der Spread um rund ms +8 Bp (Mitte April bis 08.08.2017) herausgelaufen. Nicht unwahrscheinlich sei hierbei, dass sich zwei Faktoren überlagert hätten, die das Pricing beeinflussen würden. So wäre die Spreadausweitung durch die Ausweitung des Angebots möglicherweise ohne die politische Unsicherheiten (in erster Linie Frankreich-Wahl) deutlich stärker ausgefallen. In diesem Zusammenhang falle auf, dass die FMS zwischen Mitte Februar und Mitte April EUR 4,5 Mrd. an den Märkten aufgenommen habe und die Spreads im Umfeld der hohen politischen Unsicherheit stabil blieben würden. Die Analysten der Nord LB gehen davon aus, dass sich das verbleibende Fundingvolumen in Höhe von EUR 3,6 Mrd. eher positiv auf die Spreads auswirken wird, da das Angebot im verbleibenden Jahr insgesamt deutlich geringer wird.

Gestern habe die FMS eine USD-Benchmark über eine Milliarde und eine Laufzeit von rund zwei Jahren angekündigt. Das Pricing sollte im Laufe des heutigen Tages erfolgen, eine Indiktion werde mit ms -4 Bp angegeben.

Vorgestern sei ein Tap für die KfW 1,125% 9/2032 gepriced worden. Der Bond sei bei ms -14 Bp fixiert und damit ohne spürbaren Pick-up begeben worden. Dennoch sei der Tap überzeichnet worden, das Oderbuch habe bei mehr als EUR 1,3 Mrd. gelegen. Allerdings sei das aggressive Pricing auch daran zu erkennen, dass der IPT im Laufe des Bookbuilding-/Announcement-Prozesses nicht weiter hereingezogen worden sei. Nichtsdestotrotz dürften sich die Käufer zumindest kurzfristig bestätigt fühlen - gestern habe der ASW-Spread bei ms -16 Bp gelegen.

Bereits vorgestern habe das Konsortium der NRW Bank einen IPT für eine dreijährige Benchmarkanleihe über USD 1 Mrd. veröffentlicht. Nachdem der IPT noch bei ms +13 area angekündigt worden sei, habe die Guidance bereits bei ms +12 area gelegen. Das Pricing sei gestern letztlich bei ms +11 Bp fixiert worden, was sicherlich auch mit dem positiven Sentiment an den Creditmärkten am gestrigen Tag zusammengehangen habe. Nichtsdestotrotz sei in der vergangenen Handelswoche keine neue EUR-Benchmarkanleihe begeben worden.

Für die kürzlich aufgestockte Niesa 01/25 habe es im Sekundärmarkt im Rahmen des Ankaufsprogramms vom Eurosystem wie auch von Sales Nachfrage gegeben. Es habe darüber hinaus über die gesamte Laufzeitkurve verschiedene kleinere Umsätze gegeben. Das Spreadniveau sei weiterhin unverändert gewesen. Es habe keine Umsätze im Bereich der kanadischen Regionen gegeben. (09.08.2017/alc/a/a)