Anleihen-Handel: "Erleichterungsrally" nach der FED-Entscheidung


08.11.21 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung der US-Notenbank, die Anleihekäufe zu reduzieren, sorgte für Rückenwind am Anleihenmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Eine erwartete Zinserhöhung der Bank of England sei jedoch ausgeblieben und so habe sich die Erholung fortgesetzt.

"Die FED hat am unteren Ende der Erwartungen geliefert", fasse Arthur Brunner von der ICF Bank die für die Märkte wichtigste Entscheidung der Woche zusammen. Darüber hinaus habe das Team um FED-Chef Jerome Powell eine Zinserhöhung offengelassen. "Die FED fährt auf Sicht, hat getan, was unbedingt nötig war und damit die Märkte beruhigt." Darüber hinaus habe die Bank of England die weitgehend erwartete erste Zinserhöhung vertagt. "Alles zusammen hat eine Erleichterungsrally ausgelöst."

Tim Oechsner von der Steubing AG ergänze: "Nachdem die US-Währungshüter am Mittwochabend lediglich einen beginnenden Ausstieg aus den milliardenschweren Wertpapierkäufen verkündet hatten, freuten sich die Anleger über die Erkenntnis, dass die Zinsen in den USA wohl noch einige Zeit niedrig bleiben werden."

Robert Halver von der Baader Bank kommentiere: Handlungsdruck für die FED ergebe sich insbesondere an der Inflationsfront. Am Narrativ "transitorische Inflation" halte man zwar fest, jedoch spreche der Chef der Atlanta FED, Raphael Bostic, von einem "dirty word", einem Schmutzwort, das nicht der Realität entspreche. Die US-Inflationsrate liege seit Juni über fünf Prozent; Schätzungen von sechs Prozent im Dezember kursierten bereits. "Nach wie vor wird der akute Inflationsdruck von hohen Preise für Vorprodukte unterfüttert. Dies schürt ebenso Ängste vor einer sich selbst verstärkenden Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen. Insofern will sich die Fed nicht dem Vorwurf der Untätigkeit aussetzen und jetzt ein Zeichen setzen."

Trotz hoher Inflation und durchwachsener Konjunkturdaten habe EZB-Chefin Christine Lagarde bekräftigt, dass es in der Eurozone 2022 keine Zinserhöhung geben werde. Auch das habe für Entspannung gesorgt, habe Brunner erklärt. Tim Oechsner habe gesagt: "Die Bedingungen für Fortführen des Anleihenkaufprogramm PEPP werden in Dezembersitzung genannt." Es bleibe ein Thema, wie die EZB mit der höheren Inflation umgehe.

Rainer Petz von Oddo BHF habe erklärt: "Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hat sehr positiv reagiert und vollzog eine kleine Rally im Wochenverlauf: Von knapp 168 am Wochenanfang stieg er bis auf 170,43 Punkte."

Die zehnjährigen Renditen seien in der Folge knapp bis an die Null-Linie gestiegen. Sie hätten zwischenzeitlich ein Niveau von -0,05 Prozent erreicht, am Freitagmorgen jedoch wieder -0,22 Prozent. "Nach der ausgebliebenen Zinserhöhung fielen die Renditen zweijähriger britischer Staatsanleihen in ein schwarzes Loch, nämlich 21 Basispunkte auf nun 0,46 Prozent", hätten die Experten der Deutschen Bank in ihrem Ausblick "Märkte am Morgen" kommentiert. "Die Renditen zehnjähriger europäischer und US-Staatsanleihen sanken moderat bis deutlich."

"Vor dem Hintergrund der erwarteten soliden US-Arbeitsmarktdaten - inklusive der Lohnentwicklung - besteht das Risiko, dass die Rentenmärkte wieder unter Druck geraten", kommentiere Ralf Umlauf von der Helaba. Die US-Arbeitsmarktdaten würden am Nachmittag (MEZ) veröffentlicht.

Neu-Emissionen für Retail-Investoren seien in der vergangenen Woche dünn gesät gewesen. "Wir sehen hier nach wie vor ein Dilemma", kommentiere Petz: Zum einen gebe es nicht viele Titel mit Stückelungen von 1.000. Zum anderen seien die US-Bonds, die für Retail-Investoren sehr interessant gewesen seien, durch attraktive Stückelungen und das etwas andere Zinsgefälle, durch eine EU-Verordnung nach wie vor gesperrt. Dennoch könne es in den nächsten Wochen noch interessante Emissionen geben. Bis Anfang Dezember funktioniere das immer sehr gut.

Auf der Liste der Neuemissionen sehe Oechsner zwei neue Titel von Teva mit 3,75 Prozent Kupon (ISIN XS2406607098 / WKN A3KYL4) und 4,375 Prozent (ISIN XS2406607171 / WKN A3KYRP), die allerdings nach der Emission zunächst verloren hätten.

Für eine weitere Überraschung am Anleihenmarkt habe laut Brunner eine weitere negative Ankündigung des Immobilien-Unternehmens Eyemaxx Real Estate gesorgt: Es wolle ein Sanierungsverfahren einleiten und biete seinen Gläubigern eine Abfindungsquote von 20 Prozent. Schon in der Vorwoche war bekannt geworden, dass Eyemaxx fällige Zinsen auf die bis 2023 laufende Anleihe (ISIN DE000A2GSSP3 / WKN A2GSSP) nicht bezahlen könne. "Das kam für viele überraschend", habe Rainer Petz von Oddo BHF vergangene Woche kommentiert. "Inzwischen werden die Titel ohne Stückzinsen gehandelt", habe Petz heute ergänzt.

Die besicherte Anleihe mit 5,5 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2025 (ISIN DE000A289PZ4 / WKN A289PZ) sei nun zweistellig eingebrochen, sei von 47 auf zuletzt 40,25 Euro gefallen, ein unbesicherter Titel (ISIN DE000A2YPEZ1/ WKN: A2YPEZ) mit 6 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2024 sei um mehr als 40 Prozent abgestürzt und habe am Freitag bei 11,50 notiert. Bei der ICF gesucht gewesen sei hingegen ein Papier von Mutares, das 6 Prozent Kupon biete bei einer Laufzeit bis 2024. Gut entwickele sich auch eine Wandelanleihe von The Social Chain, die 2024 fällig sei und mit 5,75 Prozent Kupon versehen sei.

Tim Oechsner berichte von Kursverlusten bei einer Unidevice-Anleihe (6,5%, Laufzeit 2024) (ISIN DE000A254PV7 / WKN A254PV). Der Grund: Unidevice habe von Lieferengpässen durch unterbrochene Handelsketten berichtet, die negativen Einfluss auf das Geschäftsergebnis hätten. Umsätze "auf beiden Seiten" sehe Oechsner bei Volkswagen (ISIN XS2374595044 / WKN A2LQ6R). Metalcorp Group hätten in den ersten neun Monaten 2021 einen Umsatz-Anstieg bei verbesserter Rentabilität verzeichnet. Der Metalcorp-Titel (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP) habe mit hohen Umsätzen reagiert, desgleichen nach ebenfalls starken Neunmonatszahlen bei der R-Logitech S.A.M. mit 8,5 Prozent Verzinsung bei Laufzeit bis 2023 (ISIN DE000A19WVN8 / WKN A19WVN). (Ausgabe vom 05.11.2021) (08.11.2021/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
99,103 € 98,984 € 0,119 € +0,12% 03.12./17:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS2406607098 A3KYL4 100,15 € -   €
Werte im Artikel
95,00 plus
+5,56%
98,61 plus
+1,18%
99,10 plus
+0,12%
98,82 plus
+0,02%
-    plus
0,00%
39,25 minus
-0,01%
104,71 minus
-0,04%
125,00 minus
-0,08%
95,25 minus
-0,83%
94,05 minus
-0,92%
9,50 minus
-1,04%
9,03 minus
-3,42%