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Anleihemarkt: In welche Art von Anleihen lohnt es sich zu investieren?


01.09.21 10:30
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Die Inflation ist auf den höchsten Stand seit fast 28 Jahren gestiegen. Angesichts dieser Marktsituation teilt Yanick Loirat, Head of Euro Sovereign Investments und Senior Vice President bei Neuberger Berman, heute seine Ansichten zum Anleihemarkt mit Ihnen.

Die FED habe klargestellt, dass ihre Handlungsweise nicht mit der Inflation zusammenhänge, die vorübergehend stärker sein dürfte als erwartet. Ihre Handlungsweise beziehe sich eher auf den Arbeitsmarkt, der wieder anziehen müsse. Im Dienstleistungssektor habe die Arbeitslosigkeit ihren Tribut gefordert. Inzwischen beginne der Arbeitsmarkt sich zu erholen, aber noch sei man bei Neuberger Berman nicht an dem Punkt, an dem man sich eine sofortige Reduzierung der FED-Käufe vorstellen könne. Das werde jedoch wahrscheinlich noch vor Ende des Jahres geschehen.

Die EZB habe ebenfalls über die vorübergehende Inflation gesprochen. Sie habe betont, dass die Zinssätze erst dann angehoben würden, wenn die Inflation und die Inflationsprognosen sich der zwei-Prozent-Marke nähern würden. Das unterscheide sich stark von dem, was Mario Draghi zuvor gesagt habe. Christine Lagarde möchte, dass die Inflation dauerhaft bei 2 Prozent liege. Ein ehrgeiziges Ziel für die EZB.

In Zeiten der Ungewissheit mit sehr viel Liquidität würden Investoren Anlagen benötigen, die als sicher gelten würden - wie zum Beispiel Staatsanleihen. Interessant könnten jene Anleihen sein, die über die gesamte Kurve keine Negativzinsen aufweisen würden. Dies sei der Fall bei Non-Core-Bonds.

Die aussichtsreichsten Staatsanleihen seien solche mit einer ausreichend steilen Zinsstruktur, wie die Staatsanleihen Italiens und Spaniens.

Anleihen in Euro, die von osteuropäischen Ländern wie Kroatien und Bulgarien ausgegeben würden, seien ebenfalls interessant, da sie von den Mitteln des Europäischen Konjunkturprogramms profitieren könnten. Wichtig sei, das Verhältnis zum BIP des jeweiligen Landes zu betrachten. Im Falle Kroatiens würden Staatsanleihen etwa zehn Prozent des BIP ausmachen.

Heutzutage sollten Investoren in inflationsindexierte Staatsanleihen investieren. Hier gebe es noch Potenzial. Bis Jahresende dürften die Zinsen höher ausfallen. Die Realzinsen würden weniger schnell als die Nominalzinsen steigen, davon dürften die Inflationserwartungen profitieren. Daher seien diese Anleihen durchaus rentabel.

Das europäische Konjunkturprogramm sei ein entscheidender Schritt. Es werde die gesamte Eurozone stabilisieren. Das Konjunkturprogramm diene dazu, das potenzielle Wachstum von Ländern zu fördern, die nicht über die entsprechenden Haushaltsmittel verfügen würden.

Mit Mario Draghi habe Italien nach Jahren der populistischen Regierungsführung nun einen Mann an der Spitze, der in der Lage sei, das europäische Konjunkturprogramm zu nutzen. Die Italiener würden wieder in die Zukunft investieren können. Das habe es schon seit einigen Jahren so nicht mehr gegeben.

Nachhaltige Anleihen würden bei den Anlegern auf großes Interesse stoßen, unabhängig davon, ob Regierungen oder Unternehmen sie ausgeben würden. Möglicherweise werde diese Art der Finanzierungsform in Zukunft die Norm sein. Alle anderen Anlageformen würden mehr bezahlen müssen, um sich zu finanzieren. (01.09.2021/alc/a/a)