Anleihemarkt: Renzi belastet Italien-Bonds


05.06.17 10:29
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Politische Unsicherheiten haben die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen zuletzt wieder beflügelt, so die Deutsche Börse AG.

"Vor allem der ergebnislose G7-Gipfel und der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, der auf die Entschlossenheit Trumps zu weiteren radikalen Schritten hindeutet, dürften Investoren darin bestärkt haben, auf Sicherheit zu setzen", meine Marius Schad von der HSH Nordbank. Dazu sei eine Äußerung des früheren italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi gekommen, der vorgezogene Neuwahlen schon in diesem Jahr ins Spiel gebracht habe.

Der Euro-Bund-Future liege am Freitagmorgen bei 162,26 nach 161,71 Prozent vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell nur noch 0,30 Prozent ab nach 0,33 am vergangenen Freitag, so die Deutsche Börse AG. Neue Impulse würden vom US-Arbeitsmarktbericht heute Nachmittag erwartet.

Die Inflationsrate in der Eurozone sei im Mai unterdessen wieder niedriger ausgefallen: Nach 2 Prozent im April seien es im gerade abgelaufenen Monat wieder nur 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gewesen. Grund dafür seien vor allem moderat gestiegene Energiepreise und der Wegfall statistischer Sondereffekte gewesen. Schon am Montag habe EZB-Chef Draghi Hoffnungen auf einen baldigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gedämpft: Er habe vor Vertretern des Europaparlaments geäußert, dass ein "außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung" immer noch nötig sei.

Dennoch gehe die Commerzbank davon aus, dass die EZB auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche erste Signale für eine Wende geben werde: "Präsident Draghi steht ein schwieriger Spagat bevor. Denn er muss den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik einleiten, ohne die Märkte zu verschrecken", meine Michael Leister.

Unabhängig davon stünden italienische Anleihen wohl weiter unter Druck. "Zwar würde das derzeit diskutierte proportionale Wahlsystem mit einer 5 Prozent-Hürde eine von der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung geführte Regierung unwahrscheinlicher machen, ausgeschlossen wäre eine Grillo-Regierung aber auch dann nicht", meine Leister. Zudem belaste der wahrscheinliche politische Stillstand bis zu den Wahlen die Stimmung.

In den USA sehe es der HSH Nordbank zufolge unterdessen weiter nach einer Zinserhöhung Mitte Juni aus: "Die jüngsten Konjunktur- und Preisindikatoren suggerieren eine Fortsetzung des soliden Expansionspfades der Wirtschaft", bemerke Schad. Die Kernrate des für die US-FED wichtigen PCE-Deflators sei mit 2,1 Prozent im ersten Quartal über der Zielrate der Notenbank von 2 Prozent geblieben. Auch die Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter im April hätten den Analystenkonsens deutlich übertroffen, zudem sei das BIP im ersten Quartal mit 1,2 Prozent etwas stärker gestiegen als zunächst erwartet. Dazu seien gute Konsumdaten für den April gekommen.

Die massive Abwertung der venezolanischen Währung Bolívar durch die Notenbank sei laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ohne Auswirkungen auf Anleihen des krisengeschüttelten Landes geblieben. Das bis 2020 laufende Papier (ISIN USP97475AG56 / WKN A0GKSP) notiere ohnehin nur noch bei 51,29 Prozent, was einer Rendite von 29,06 Prozent entspreche. Goldman Sachs spekuliere auf Rückzahlung der venezolanischen Anleihen: Die US-Bank habe, wie diese Woche bekannt geworden sei, Papiere des staatlichen Ölkonzerns PDVSA gekauft.

Im Bereich der Corporate Bonds sei es bei einer Anleihe des spanischen Banco Popular zu deutlichen Verlusten gekommen. Sollte kein Käufer gefunden werden, drohe der Bank Presseberichten zufolge die Abwicklung. Die Chefin der EU-Bankenabwicklungsbehörde Elke König habe eine "Frühwarnung" erteilt, habe es geheißen. Die Anleihe (ISIN XS0979444402 / WKN A1HRZ2) mit Kupon von 11,5 Prozent habe von 65 auf 56,80 Prozent nachgegeben, wie Daniel melde, aktuell seien es wieder 63,75 Prozent.

Daniel berichte außerdem von Interesse an einer Anleihe (ISIN XS1551074138 / WKN A19B75) der Europäischen Investitionsbank EIB in Indischen Rupien mit Kupon von 5 Prozent und Laufzeit bis 2020. "Das hängt wohl mit dem Treffen von Indiens Premierminister Modi und Angela Merkel zusammen, die sich auf Investitionen in Milliardenhöhe geeinigt haben", vermute der Händler.

Rege Umsätze gebe es in der Anleihe der Reederei Rickmers, wie Rainer Petz von Oddo Seydler erkläre. Ursprünglich sollten die Anleihegläubiger am gestrigen Donnerstag über einen Sanierungsplan abstimmen, zuvor habe die HSH-Nordbank aber die benötigten Kreditlinien gekappt. Daraufhin habe Rickmers Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Die Anleihe (ISIN DE000A1TNA39 / WKN A1TNA3) werde jetzt ohne Stückzinsen gehandelt, wie Petz berichte. Aktuell liege der Kurs bei 3 Prozent nach zuvor 6,5 Prozent mit Stückzinsen.

Neues gebe es vom Versandhändler Otto, der mit einer Anleihe von 300 Millionen Euro (ISIN XS1625975153 / WKN A2E4BN) auf den Markt gekommen sei, wie Petz außerdem melde. Diese laufe bis 2024 und biete einen Zins von 1,875 Prozent. (Ausgabe vom 02.06.2017) (05.06.2017/alc/a/a)






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