Anleihemarkt: Politik steckt den Rahmen


04.09.17 11:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Politische Entwicklungen etwa in Fernost bestimmen derzeit das Bild am Rentenmarkt, so die Deutsche Börse AG.

"Nordkoreas Raketenstart löste eine Fluchtbewegung in sichere Staatsanleihen aus", registriere Marius Schad von der HSH Nordbank. Zudem hätten Donalds Trumps verbale Attacken nach der Provokation verunsichert.

"Sicherheit steht gegenwärtig bei Anlegern im Vordergrund", fasse Arthur Brunner von der ICF Bank zusammen, der auf einen niedrigeren Ertrag von etwa 0,33 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen verweise. Zwar habe sich die Lage wieder etwas entspannt, der richtungsweisende Euro-Bund-Future notiere aber weiterhin oberhalb von 165 Prozent.

Aktuell befassten sich Investoren einmal mehr mit der Frage nach den nächsten Schritten der Notenbanken. Einerseits käme eine mit 1,5 Prozent besser als erwartete Inflation im Euroraum dem gewünschten Wert von 2,0 Prozent schon recht nahe. Somit könne die Europäische Zentralbank prinzipiell die Reduzierung der Anleihe-Käufe angehen. Gleichzeitig spreche die starke Gemeinschaftswährung gegen einen derartigen Schritt zu diesem Zeitpunkt. "Eine Straffung der Geldpolitik könnte den Euro weiter verteuern, was Mario Draghi vermutlich nicht gefällt", meine Brunner. Deshalb stehe der bislang für eine Ankündigung dies bezüglich gehandelte 7. September wieder in Frage.

Marktteilnehmer würden Schad zufolge zum Ende Dezember mit einem Kurswechsel in der Währungsunion rechnen. Die HSH Nordbank erwarte eine Verlängerung der Ankaufprogramme mit reduzierten Volumina. "Erste Hinweise hierfür könnten am Donnerstag erfolgen." Ein endgültiger Beschluss folge womöglich im Oktober.

Das seit rund einem Jahr laufende 106 Milliarden Euro schwere Programm zum Kauf von Unternehmensanleihen guter Bonität scheine übrigens für die EZB eine kostspielige Angelegenheit. Laut Bloomberg liege der Anteil der erworbenen Unternehmensanleihen mit negativen Renditen auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten. Demnach zahle die EZB bei fast einem Viertel der 994 Bonds in ihren Büchern dafür, Geld zu verleihen.

Die Euro-Stärke sei nach Auffassung von Robert Halver von der Baader Bank auch eine US-Dollar-Schwäche. Zurzeit würden die Vereinigten Staaten nicht ordentlich regiert. Selbst innerhalb der US-amerikanischen Administration sei von politischem Gleichklang wenig zu spüren. Die Unterstützung der republikanischen Partei für ihren Präsidenten habe - nachdem sie ohnehin nie stark ausgeprägt gewesen sei - weiter nachgelassen. In einem politisch derart unfreundlichen Klima sei es schwierig heiße Eisen wie Wirtschaftsreformen anzupacken.

Selbst ein grob vorsätzlicher Government Shutdown - das Einstellen der Arbeit von US-Regierungsbehörden bei Erreichen des US-Schuldenlimits - sei für Trump kein Tabu. Analystenberechnungen zufolge müsse sich der Kongress bis Ende September über die Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 19,8 Billionen US-Dollar einig sein. "Der kurzfristige Anleihemarkt preist bereits eine gewisse Skepsis ein, ob im zähen Ringen zwischen beiden Parteien ein Konsens erzielt werden kann", beobachte Schad.

Selbst wenn das Schuldenlimit angehoben werde, bekomme die Regierung damit keinen Freifahrtschein für neue Ausgaben wie etwa den Bau der Mexiko-Mauer, wie Klaus Stopp von der Baader Bank anmerke. "Lediglich bereits vorher vom Kongress abgesegnete Ausgaben wären von einer solchen Entscheidung gedeckt." 60 Stimmen des Senats, in dem die Republikaner mit 52 Stimmen vertreten seien, würden für die Anhebung der Schuldengrenze benötigt. "Somit müssten mindestens acht Demokraten den Antrag unterstützen." Ohne Gegenleistung klappe das wohl nicht. Stopp halte es durchaus für möglich, dass die Demokraten sich für die vielen Demütigungen gegenüber ihrem Präsidenten Barack Obama revanchieren würden.

Im Fall eines Government Shutdown habe Fitch damit gedroht, das AAA-Rating für die USA zu überprüfen. Standard & Poor's scheine hingegen nicht gewillt zu sein, das bereits 2011 entzogene erstrangige Rating nochmals abzusenken. "Dennoch warnt auch sie vor den dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Auswirkungen." Eine vorübergehende Lösung biete im Übrigen eine kurzfristige Anhebung des Schuldenlimits mit einem vorläufigen Haushaltsgesetz, um die Arbeitsfähigkeit der Regierung für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr sicherzustellen.

Nach der Sommerpause stünden Unternehmen wie Ingenico Group, John Deere, Carlsberg und Asahi Group mit Neuemissionen in den Startlöchern, wie Stopp aufzähle. Zudem sei der September traditionell ein starker Monat für die Ausgabe neuer Bonds. "Emittenten treffen derzeit auf traumhafte Bedingungen", ergänze Brunner.

Im Handel mit Unternehmensanleihen melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank rege Nachfrage nach einem Bond (ISIN XS0142391894 / WKN 542696) der HSH Nordbank, nachdem das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 173 Millionen Euro vor Steuern für das erste Halbjahr ausgewiesen habe. Der mit jährlich 2,1 Prozent verzinste Bond lande verstärkt in den Depots.

Ebenso hätten sich Anleger für eine in 2025 fällige Anleihe (ISIN BE6285454482 / WKN A18ZDQ) von Anheuser-Busch mit einem Kupon von 1,5 Prozent interessiert. "Auch hier standen Käufe im Vordergrund." Von einem Nordex-Bond (ISIN XS0200688256 / WKN A0DCNQ) hätten sich Investoren tendenziell verabschiedet. Daniel vermute dahinter turnusmäßige Portfolioanpassungen.

Brunners Kunden hätten sich verstärkt für eine 320 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN XS1084836441 / WKN A1ZLYH) der französischen Holdikks interessiert, die Anlegern einen Kupon von 6,75 Prozent bringe. "Nach guten Quartalszahlen legte der bis Juli 2021 laufende Wert stark zu." (Ausgabe vom 01.09.2017) (04.09.2017/alc/a/a)





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