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Anleihemarkt: Drei Gründe für fallende Spreads


03.07.20 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die seit Mitte Mai fallenden Spreads können auf drei Gründe zurückgeführt werden, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Die EZB-Anleihekäufe, die von den einzelnen Ländern, aber insbesondere die von der EU angekündigten fiskalischen Maßnahmenpakete, und der Optimismus aufgrund nichtsteigender Infektionszahlen und sich verbessernden Stimmungsindikatoren. Das Volumen der Anleihekaufprogramme sei mittlerweile für das Jahr 2020 auf 1710 Mrd. EUR angehoben worden, wobei etwa 75% auf Staatspapiere entfallen würden. Die EZB habe bei ihren Anleihekäufen gezielt die Länder verstärkt unterstützt, die einen besonders starken Risikoprämienanstieg erlitten hätten. So sei zu sehen, dass vermehrt Anleihen Italiens gekauft worden seien. Auch in Zukunft werde die EZB die Anleihekäufe zur Risikoprämienbegrenzung nutzen und im Notfall das Anleihenkaufvolumen auch noch weiter erhöhen. Des Weiteren werde sich kurzfristig die nur begrenzte Angebotsausweitung von Anleihen Risikoprämieneinengend auswirken. Die meisten Euro-Länder würden zurzeit verstärkt auf eine kurzfristige Refinanzierung über Schatzanweisungen setzen. Auch wenn der EU-Wiederaufbaufonds noch nicht unterschrieben sei und es noch Verhandlungsbedarf bezüglich der Einzelheiten gebe, werde mit einem Abschluss gerechnet. Zwar seien die positiven Erwartungen größtenteils eingepreist, eine negative Überraschung sei jedoch aufgrund der Machtüberlegenheit Deutschlands und Frankreichs sehr unwahrscheinlich. Die kontinuierliche Aufhebung von Lockdown Maßnahmen habe zu einer verbesserten Stimmung geführt. Erste Sentimentindikatoren, aber auch Wirtschaftsindikatoren, seien mittlerweile wieder angestiegen und hätten damit ihren Tiefpunkt hinter sich gelassen. Setze man die Anstiege jedoch ins Verhältnis, würden sie verdeutlichen, dass der Normalisierungsprozess länger andauern werde. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden insgesamt mit weiter sinkenden Risikoprämien bis Jahresende rechnen, aufgrund der jedoch bereits starken Einengung seien diese nur noch in begrenztem Maße zu erwarten und würden das Niveau vor Pandemie Ausbruch nicht erreichen. (Rückblick Q1-2 2020 - Ausblick Q3-4 2020) (03.07.2020/alc/a/a)