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Anleihemärkte trotzen Tapering-Ankündigung


09.09.21 10:45
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Märkte scheinen bereits eingepreist zu haben, dass die US-amerikanische Zentralbank ihre geldpolitischen Maßnahmen zurückfahren will; offen bleibt allerdings, wann dies geschehen soll, sagen Jean-Marie Mercadal, Head of Investment Strategies, und Eric Bertrand, Chief Investment Officer, beide bei OFI Asset Management.

Die Märkte hätten lange damit gerechnet, dass der FED-Vorsitzende Jerome Powell eine Drosselung der Anleiheankäufe ankündigen würde. Tatsächlich habe Powell in seiner Rede auf dem jährlichen Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole eine mögliche Reduzierung noch in diesem Jahr erwähnt, ohne jedoch einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Das habe Anleger an den Finanzmärkten beruhigt.

Trotz einer Inflation von mehr als 5,0 Prozent und eines massiven Beschäftigungsaufbaus in den USA, der die Arbeitslosenquote auf 5,4 Prozent gedrückt habe, sei es Powell also gelungen, Marktteilnehmer auf eine geringere geldpolitische Unterstützung vorzubereiten, ohne dass dies Auswirkungen auf die Renditen langfristiger US-Anleihen gehabt hätten. Sie hätten weiterhin bei 1,3% rentiert.

Die EZB, die sich in dieser Frage mehrere Monate lang zurückgehalten habe, habe nach der Veröffentlichung der Inflationszahlen für die Eurozone (3,0% Gesamtinflation, davon 1,6% Kerninflation) eine Verlangsamung der Käufe in Erwägung gezogen. Das würde allerdings lediglich eine Anpassung des im Pandemie-Notkaufprogramm (PEPP) festgelegten Betrags bis März 2022 bedeuten.

Vor diesem Hintergrund würden die Experten von OFI Asset Management einen allmählichen Anstieg der Anleiherenditen bis zum Jahresende sowohl in den USA (10-jährige US-Treasuries bis auf 1,75%) als auch in Europa (10-jährige Bundesanleihen bis auf -0,20%) erwarten. Ein solche Entwicklung werde ihrer Einschätzung nach keine großen Preisschwankungen an den Märkten auslösen.

Auch von den Unternehmen an den Anleihemärkten scheine keine Gefahr auszugehen. Sie hätten ihre Bonität verbessert. Die Experten von OFI Asset Management würden denken, dass die Suche von Anlegern nach Rendite sowie die Anleihekäufe der Zentralbanken - selbst in reduziertem Umfang - die Risikoaufschläge auf ihrem aktuell recht engen Niveau halten würden. Die Experten würden keine weitere Verengung der Spreads für Hochzinsanleihen erwarten. Verglichen mit anderen Anlageklassen würden die Renditen attraktiv bleiben und würden die Nachfrage nach dieser Anlageklasse weiter stützen.

Das größte Risiko wäre ein unkoordinierter und zu schneller Zinsanstieg, wenn die Zentralbanken aufgrund einer anhaltend hohen Inflation unter Handlungsdruck gerieten. Ein solches Szenario würden die Experten von OFI Asset Management jedoch derzeit für wenig wahrscheinlich halten. (09.09.2021/alc/a/a)