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Anleihemärkte: Aussicht auf eine raschere Zinswende hat für deutliche Kursverluste gesorgt


07.01.22 13:17
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es war ein dynamischer Jahresstart bei Aktien, so die Analysten der Helaba.

Der DAX habe fast das Rekordhoch vom November (16.290 Punkte) erreicht, ehe die Veröffentlichung des letzten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank der guten Anlegerstimmung einen empfindlichen Schlag versetzt habe. Die Mitschrift zeige eine wachsende Unsicherheit bezüglich der Inflationsentwicklung in den USA und nähre den Verdacht, dass der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nicht mehr so lang auf sich warten lasse.

Auch an den Anleihemärkten habe die Aussicht auf eine raschere Zinswende für deutliche Kursverluste gesorgt. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei seit Jahreswende um fast einen viertel Prozentpunkt auf über 1,7% gestiegen. 10-jährige Bundesanleihen seien auf -0,06% geklettert und würden damit dem positiven Zinsterrain sehr nahe kommen.

Allerdings gebe es infolge des kräftigen Anstiegs der Infektionszahlen durch die Omikron-Variante noch viele Fragezeichen, insbesondere bei der Konjunkturentwicklung. Die rasante Ausbreitung der Mutation in Verbindung mit Quarantänemaßnahmen drohe einige Branchen temporär an den Rand eines Lockdowns zu bringen. Angesichts weiter steigender Auftragsbestände in Deutschland - im November habe es ein Plus von 3,7% gegenüber dem Vormonat gegeben - keine einfache Lage für die Industrie. Aus der Eurozone sei sogar ein Auftragszuwachs von 13% gemeldet worden. Möglicherweise mache sich hier bereits der EU-Wiederaufbaufonds bemerkbar.

Auf die europäische Staatengemeinschaft würden aber bereits neue große Herausforderungen warten. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Taxonomie-Verordnung sehe vor, dass Kernkraft und Erdgas zumindest temporär als nachhaltig eingestuft würden. Dies habe bei den kernkraftablehnenden Ländern zu Protesten und Klagedrohungen geführt. Schwierig gestalte sich auch der Weg zur Klimawende in den USA. Das hierbei zentrale Projekt der Biden-Regierung stehe auf der Kippe, mit möglicherweise ernsten Folgen für das Klimaziel sowie neuen handelspolitischen Konsequenzen.

In der kommenden Woche würden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht. Es sei mit einem Anstieg der Vorjahresrate auf rund 7% zu rechnen. Im Euroraum habe sich die Teuerung im Dezember auf 5,0% erhöht. In einigen baltischen Ländern notiere die Teuerung inzwischen sogar über 10%. Die Lage an der Inflationsfront bleibe weiterhin angespannt. Die Erzeugerpreise im Euroraum seien im November auf 23,7% gestiegen, wovon allerdings mehr als die Hälfte auf Energiekomponenten zurückzuführen sei. Gleichwohl gebe es überall im Euroraum Beispiele für gewaltige Kostensprünge. So hätten in Italien die Preise für Baumaterialien mit 12,8% im Vorjahresvergleich den stärksten Anstieg seit 30 Jahren verzeichnet. Für einen vergleichbaren Zuwachs habe der Baustoffindex bis 2020 ganze zehn Jahre benötigt! (07.01.2022/alc/a/a)