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Anleiheausblick: Fünf Trends für 2019


08.01.19 11:29
Aviva Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Fondsmanager für Staats-, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen bei Aviva Investors werfen einen Blick auf potenzielle Treiber der Anleihemärkte 2019.

Für Anleihen sei 2018 ein schwieriges Jahr gewesen. Die Märkte seien geprägt gewesen von unaufhörlich ansteigenden Renditen der US-Staatsanleihen. Unter besonderen Druck geraten seien dabei Schwellenländeranleihen, die zusätzlich durch den steigenden US-Dollar und Sorgen um wirtschaftliche Konsequenzen aus dem sich verschärfenden Handelskrieg zwischen den USA und China belastet worden seien.

Mit Blick auf 2019 sehe es nach weiter fallenden Staatsanleihekursen aus, mit besonders viel Bewegung am langen Ende der Renditekurve durch die zurückkehrende Laufzeitprämie. Besonders gefährdet seien in dieser Hinsicht die europäischen Peripheriemärkte. Auch für die Märkte der Unternehmensanleihen stehe wohl ein weiteres schwieriges Jahr an, obwohl die günstige Bewertung auch auf Unterstützung hindeuten könnte.

Hier seien fünf Trends, die die Anleihemärkte 2019 prägen könnten.

1. Straffere Geld- und lockere Fiskalpolitik

Da der durch die Krise entstandene Bedarf an finanziellen Stimuli längst verschwunden sei und das Vertrauen der Notenbanken hinsichtlich einer wiederkehrenden Inflation steige, werde das Quantative Easing (QE) durch ein Quantative Tightening ersetzt. Gemeint seien konzertierte Bemühungen der Zentralbanken, die Geldpolitik über erhöhte Leitzinsen, auslaufende Anleihekaufprogramme oder durch eine Kombination daraus zu straffen.

Die US-Notenbank habe damit bereits begonnen. Die Europäische Zentralbank stelle ihre Anleihekäufe ein und sogar die Bank of Japan passe ihre Geldpolitik an. Für Anleihen seien das schlechte Nachrichten, insbesondere für das lange Ende der Renditekurve. Noch problematischer sei, dass dies zu einer Zeit passiere, in der mehrere Länder begonnen hätten, ihre Fiskalpolitik zu lockern. Es beunruhige, dass eine der wesentlichen Nachfragequellen nach Anleihen genau dann verschwinde, in dem mehrere Regierungen ihr Defizit wieder ausbauen möchten.

Wenn Notenbanken ihre Aktivitäten zur selben Zeit zurückfahren wie Regierungen anfangen würden, wieder mehr Staatsanleihen aufzulegen, müssten die Risiken von Staatsanleihen neu bepreist werden. Daher werde die Renditekurve wahrscheinlich wieder steiler werden. Innerhalb Europas sei der italienische Markt trotz der Haushaltseinigung mit der EU weiter fragil. Das könnte heißen, dass auch andere Märkte aus der Peripherie der Eurozone anfällig würden, vor allem mit dem Auslaufen der EZB-Anleihekäufe und einer ersten Zinsanhebung 2019.

2. Höhere Spreads für Unternehmensanleihen

Die Märkte für Unternehmensanleihen dürften 2019 unter anhaltendem Druck stehen. Viele Unternehmen seien angehalten, ihre Schuldenlast nach Jahren der Bilanzausweitung zur Finanzierung von Akquisitionen und Aktienrückkäufen jetzt zu reduzieren. Die Spreads auf Staatsanleihen würden sich voraussichtlich weiten, die Finanzierungskosten für Unternehmen steigen.

In Europa hätten viele Investoren noch nicht ganz begriffen, dass die EZB - mittlerweile im Besitz von 30 Prozent des europäischen Investment-Grade-Marktes - ihr Anleihekaufprogramm 2019 auslaufen lassen werde. Die Auswirkungen auf den Markt könnten größer sein als erwartet.

3. Zunehmender Druck, Schulden unter Kontrolle zu halten

Es werde wichtiger denn je sein, die Finanzlage einzelner Unternehmen ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Dies liege vor allem daran, dass Unternehmen außerhalb der Finanzbranche in den vergangenen Jahren Anleihen in Rekordhöhe emittiert hätten. Mit steigenden Zinsen würden viele dieser Unternehmen Schwierigkeiten bekommen, die Schulden unter Kontrolle zu halten.

Die Bonität vieler mit A und BBB bewerteten Unternehmen habe sich bereits verschlechtert. Bis vor kurzem hätten sich Ratingagenturen nachsichtig gezeigt, aber das ändere sich gerade. Während Investoren in der von QE geprägten Welt gerne bei Anleihen zugegriffen hätten, könnten mit steigenden Leitzinsen Herabstufungen und Kursverluste für die am stärksten gefährdeten Unternehmen drohen.

4. Schwellenländeranleihen könnten sich erholen

Die Renditen von Schwellenländeranleihen würden beginnen wieder attraktiv zu werden, obwohl Investoren äußerst selektiv vorgehen müssten. Der reale Rendite-Spread zwischen der Südafrika-Komponente des J.P. Morgan GBI-EM-Index und zehnjährigen US-Staatsanleihen habe beispielsweise am 30. November bei 437 Basispunkten gelegen, verglichen mit dem zehnjährigen Monatsdurchschnitt von 271 Basispunkten. Für Indonesien seien es 438 Basispunkte gegenüber 301 gewesen, für Mexiko 509 Basispunkte verglichen mit 292.

5. Anleihen von Banken vergleichsweise attraktiv

Bankanleihen dürften sich besser als andere Bereiche des Anleihemarktes entwickeln, speziell am kürzeren Ende der Renditekurve. Seit der Finanzkrise hätten die Emittenten ihre Bilanzen deutlich gestärkt, zum Teil durch die Ausgabe neuer Aktien. Außerhalb des Bankensektors hätten sich die Bilanzen von Unternehmen hingegen in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Auch die Tatsache, dass der Markt stark reguliert sei, dürfte Investoren beruhigen. (08.01.2019/alc/a/a)