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Anleger in der dauerhaften Zinsklemme


16.09.20 08:45
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitische Ausrichtung der Notenbanken bleibt weiterhin ein bestimmender Faktor für die Kapitalmärkte, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Die EZB belasse die Zinsen auf einem niedrigen Stand und der Markt preise Zinserhöhungen in der Eurozone aktuell erst ab 2023 ein. Risikoprämien würden durch die verbreiteten Wertpapierkaufprogramme tief gehalten. Für Schuldner - Staaten und Unternehmen - würden dadurch Anreize geschaffen, weitere Schulden zu günstigsten Konditionen aufzunehmen, ohne jedoch notwendigerweise produktive Investitionen vorzunehmen. Anleger hingegen würden von anhaltenden negativen Realzinsen immer stärker in risikoreichere Anlagen getrieben. Damit seien sowohl Kreditnehmer als auch Kreditgeber zunehmend von einer weiter expansiven Geldpolitik abhängig. Die einen, da bei höheren Zinsen Refinanzierungsprobleme und gegebenenfalls Insolvenzen anstünden, die anderen, da größere Verluste vor allem risikoarme Anleger bedrohen würden. Wenn überhaupt, würden die Notenbanken nur sehr langsam aus dieser Sackgasse herauskommen.

Diese Woche würden die nächsten expansiven Äußerungen von der US-Notenbank FED erwartet, nachdem FED-Chef Powell bereits im August eine veränderte - tendenziell noch expansivere - geldpolitische Ausrichtung angekündigt habe. Vor allem in den USA werde die Notenbank nicht mehr allein von der Regierung, sondern immer stärker auch von den Erwartungen der Marktteilnehmer getrieben. Anleger mit dem Ziel des Realkapitalerhalts würden voraussichtlich noch sehr lange auf andere als nur verzinsliche Anlagen mit Top-Bonitäten zurückgreifen müssen. (Ausgabe vom 15.09.2020) (16.09.2020/alc/a/a)