Anlagestrategie 2018: Das Gespenst der Inflation


08.02.18 12:45
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Nach den insbesondere politischen Überraschungen des Jahres 2016 begannen wir das Jahr 2017 mit Vorsicht, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer von La Financière de l'Echiquier.

In Europa hätten wichtige Wahlen bevorgestanden, Donald Trump habe sein Amt offiziell angetreten und China habe sich für eine Erneuerung seiner führenden Kader bereitgemacht. Wie hätten sich diese zahlreichen Termine auf die Märkte ausgewirkt? In den meisten Fällen seien keine besonderen Ereignisse eingetreten, aber es habe ein paar positive Überraschungen gegeben, insbesondere in Frankreich.

Hinzugekommen sei ein sehr günstiges wirtschaftliches Umfeld mit einem Wachstum, das in allen Regionen der Welt parallel verlaufen sei und in allen Weltregionen nach oben korrigiert worden sei, sowie eine weiterhin schwache Inflation, wodurch sich ein ideales Umfeld für die Märkte risikoreicher Anlagen ergeben habe. So hätten Aktien ein gleichermaßen erfreuliches wie produktives Jahr verzeichnet, häufig mit zweistelliger Wertentwicklung und einer sehr geringen Volatilität.

Seien die Vorzeichen für 2018 ebenso günstig? Auf makroökonomischer Ebene gebe es zahlreiche Gründe für Optimismus. Das weltweite Wachstum, das stark bleiben werde, dürfte leicht anziehen und somit den Konsum und den globalen Handel begünstigen. Der Aufschwung der Schwellenländer werde die von den entwickelten Regionen ausgehende Dynamik der letzten Monate stützen.

Eine von ihnen sei besonders hervorzuheben: Die Eurozone. Mit einem Wachstum, das 2017 bei etwa 2,3% liegen dürfte - gegenüber der ein Jahr zuvor antizipierten Wachstumsrate von 1,4% - sei sie die große Überraschung. Dieses zwischen den Ländern synchrone Wachstum erreiche außerdem Niveaus, durch die es sich selbst tragen könne. Während die Unterbewertung des europäischen Aktienmarktes gegenüber dem US-Markt ihren höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht hat, lässt ein solches Umfeld für uns nur den Schluss zu, diese Anlageklasse künftig noch stärker zu bevorzugen, so die Experten von La Financière de l'Echiquier.

Auf den ersten Blick möge das Bild idyllisch erscheinen, aber nichts sei immer nur rosig. Die Experten von La Financière de l'Echiquier behalten selbstverständlich die politischen und wirtschaftlichen Risiken im Blick, insbesondere die Brexit-Verhandlungen und die Steuerung des Wandels des chinesischen Modells. Die größte Unsicherheit bestehe jedoch eher im Bereich der Geldpolitik und der Inflation. Über Letztere sei 2017 aufgrund ihrer erstaunlichen Schwäche viel geschrieben worden. Sie könnte diesmal für eine Überraschung nach oben sorgen.

Dies könnte insbesondere in den USA der Fall sein: Die letztlich von der Trump-Administration durchgebrachte Steuerreform habe bereits zu einem Anstieg beim Mindestlohn geführt, was zu einem schon sehr angespannten Arbeitsmarkt hinzukomme. Da die Märkte 2018 zwei Leitzinsanhebungen erwarten würden, obwohl die FED drei angekündigt habe, bestehe ein reales Risiko, dass die Inflation und die langfristigen Zinsen schneller steigen würden als erwartet. Dies wäre ein Umfeld, das die Zentralbank zu einer aggressiveren Normalisierung ihrer Geldpolitik zwänge, was ebenfalls zu erheblichem Stress an den Anleihemärkten führen würde. In geringerem Maße könnte sich die Frage auch für die Europäische Zentralbank und die Zukunft ihrer Wertpapierankaufprogramme stellen.

Auch wenn sich dieses extreme Risiko nicht manifestiert, dürften wir 2018 den Beginn des Zinsanstiegs sehen, wodurch ein sehr günstiges Umfeld für das Thema Value geschaffen wird, das wir seit dem Jahresbeginn favorisieren, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Über diesen "Trend" hinaus werde 2018 wohl das Jahr des Stock-Picking. Man werde sicherlich sagen, dass ein aktiver Verwalter niemals das Gegenteil behaupten würde. Zweifellos, aber selten in den letzten Jahren habe er solche Argumente zu seinen Gunsten nennen können. Einerseits zwinge die hohe globale Bewertung der Märkte zur Suche nach Titeln, deren Kennzahlen angemessen bleiben würden. Andererseits befinde sich die Korrelation der Titel untereinander innerhalb der großen Börsenindices sicherlich auf einem sehr niedrigen Niveau. Deren niedrige Volatilität täusche daher über eine große Streuung hinweg. Um eine Korrelation auf solchen Niveaus zu finden, müsse man bis … 1992 zurückgehen. Sie sei damals fast zehn Jahre auf diesen Niveaus geblieben - ein Jahrzehnt, in dem die aktive Verwaltung sehr erfolgreich gewesen sei.

Mehr als je zuvor werden wir 2018 als überzeugte Stock-Picker handeln und dabei unseren Fokus immer auf den Fundamentaldaten der Unternehmen haben, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Dem würden die Experten eine weitere entscheidende Dimension hinzufügen: Die Integration von ESG für alle! (08.02.2018/alc/a/a)