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Am Rentenmarkt ist das Sommerloch schon zu spüren


09.07.21 12:27
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Um die Frage nach dem Schwung der aktuellen Wirtschaftserholung zu beantworten, schauen wir gern auf die Auftragsbestände zum Beispiel aus den USA, die eine deutliche Zunahme signalisieren, so von Björn Hallex von der Weberbank.

In Verbindung mit einem niedrigen Lagerbestand dürfte die Industrieproduktion dadurch auch in den nächsten Monaten positiv unterstützt bleiben. Zumal die Produktionskapazitäten noch nicht vollständig ausgenutzt seien. Gegenspieler seien allerdings weiter die Probleme in den Lieferketten und fehlende Rohstoffe. Der Konsument sei wie erwartet mit den Lockerungsmaßnahmen sehr ausgabefreudig und unterstütze nach der langen Durststrecke den Dienstleistungssektor, der wiederum mit dem Aufbau von Arbeitskräften vor allem im Niedriglohnsektor des Gaststätten- und Hotelgewerbes zu tun habe. Diese Fachkräfte seien nämlich in der Zwischenzeit in andere Branchen wie der Logistik ausgewichen. Gerade im Dienstleistungssektor wäre das Risiko in unseren Augen auch größer, bei einer möglichen vierten Welle erneut von Schließungsmaßnahmen getroffen zu werden.

Mit den Erfahrungen aus dem ersten Quartal des Jahres wären erneute Restriktionen nur in Verbindung mit einer hohen Rate an schweren Krankheitsverläufen bzw. Krankenhausaufenthalten zu erwarten. Somit sollte das Wachstum weiter fortschreiten, allerdings nun mit etwas weniger Dynamik. In Verbindung mit einer weiter hohen Sparquote und den noch ausstehenden bzw. in den nächsten Monaten ihre Wirkung entfaltenden Fiskalpaketen stehe die Verteidigung für das Wirtschaftswachstum bereit. Die Schwäche in der Abwehrkette könnten die Notenbanken liefern, wenn sie in den nächsten Monaten nicht klar den Pfad einer Normalisierung erläutern würden.

Am Rentenmarkt sei das Sommerloch schon zu spüren. Nachdem die europäische Notenbank (EZB), wie angekündigt, ihr Kaufprogramme in den letzten Wochen stärker ausgenutzt habe, dürfte sie dieses hohe Tempo in den Monaten Juli und August nicht weiter durchhalten. Aus Sicht der Analysten der Weberbank sollte sich die Beruhigung an den europäischen Rentenmärkten fortsetzen können, solange sich die Tonart nicht wieder in Richtung weniger Expansivität verschärfe.

Neben den Preisanstiegen bei Industriemetallen und zuletzt auch bei Agrarrohstoffen falle der Blick zunehmend auf den Ölpreis. Hintergrund sei, dass sich die Mitglieder des OPEC-Ölkartells, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, nicht auf eine Ausweitung der Fördermenge hätten einigen können. Dabei seien beide Länder durchaus in der Lage und willens, die Fördermenge der aktuellen Nachfrage anzupassen. Streitpunkt sei die Verlängerung der Begrenzung der bisher vereinbarten Fördermenge. Hier würden sich die Vereinigten Arabischen Emirate benachteiligt fühlen und möchten ihre Position verbessern, was die anderen Mitglieder jedoch ausschließen würden. Dazu komme, dass augenscheinlich die westliche Welt ebenfalls nicht in der Lage oder nicht gewillt sei, die Produktion auszuweiten. Abzulesen sei dies zum Beispiel an der konstanten Fördermenge der USA.

Da die Analysten der Weberbank nicht mit einer Auflösung des Kartells und damit verbunden einer deutlichen Ausweitung der Ölproduktion rechnen würden, sollte kurzfristig der Ölpreisanstieg weiter unterstützt sein. Interessanterweise hören wir von Unternehmensseite noch keine Hinweise auf eine Belastung durch die letzten Preisanstiege, so die Analysten der Weberbank.

Heiter, eitel Sonnenschein, so könnte das erste Halbjahr an den Aktienmärkten bezeichnet werden. Und dies trotz der deutlichen Einschränkungen, vor allem im ersten Quartal des Jahres. Wer auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen zum Sommer hin gesetzt habe, werde sich über eine gute Wertentwicklung freuen. Die Frage sei in einer solchen Situation gern damit verbunden, ob die Entwicklung so weitergehen könne? Bei der Aktienbewertung, gemessen anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, beobachte man in den letzten Wochen einen Rückgang der vorgenannten Kennzahl. Und dies sei ein positives Zeichen - besage es doch, dass die Gewinne stärker steigen würden als die Kurse. Bei den Favoriten des ersten Halbjahres deute sich ein Trendwechsel an. Es würden wieder Wachstumstitel bevorzugt und hier vor allem die Technologietitel. Daneben sehen wir weiter Unterstützungspotenzial in den Bereichen Rohstoffe, Pharma, Industrie und Banken, so die Analysten der Weberbank. (09.07.2021/alc/a/a)