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"Alternative Credit" und ESG - eine Herausforderung


06.10.21 11:15
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - ESG-Analysen sind bei Private Debt schwieriger, können aber Aspekte aufdecken, die bei herkömmlichen Analysen oft übersehen werden, so die Experten von NN Investment Partners.

Da sie weniger liquide und transparent seien, würden sie für Investoren, die ökologische, soziale und Governance-Ziele verfolgen würden, eine gewisse Herausforderung darstellen. Es jedoch wichtig, ESG-Kriterien vor allem in diesem Teil des Markts zu bewerten. So könne das Nachhaltigkeitsprofil von Portfolios verbessert, Risiken aufgedeckt und potenzielle Chancen erkannt werden.

Bei NN Investment Partners (NN IP) ist verantwortungsbewusstes Investieren ein zentraler Bestandteil der Investmententscheidungen. Dabei gehe es nicht nur um die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen, sondern vor allem darum, die richtigen langfristigen Anlageentscheidungen zu treffen. Dies gelte für Alternative Credit genauso wie für Aktien oder Anleihen. Während Aktien und Anleihen verkauft werden könnten, wenn sie zu riskant würden, gebe es bei Alternative Credit nur begrenzte Möglichkeiten, sich aus einem Darlehen zurückzuziehen. Daher müsse vor dem Investment eine gründliche Analyse durchgeführt werden.

Da die Bemühungen der EU um nachhaltige Finanzierungen an Dynamik gewinnen würden, würden Vermögensverwalter und Kreditnehmer wahrscheinlich mit schärferen Fragen zu ihren ESG-Kriterien konfrontiert werden. Aus Investment- und regulatorischer Sicht seien die Argumente für die Einbeziehung einer soliden ESG-Analyse für diesen Marktbereich nie stärker gewesen.

Zu Alternative Credit oder Private Debt würden Investments außerhalb der traditionellen gehören, genau hätten öffentlichen Märkte wie Unternehmensanleihen und Aktien definiert, wie zum Beispiel Studentenwohnungen und Brücken sowie Trade Finance und Asset-Backed Securities.

"Es ist oft schwieriger, ESG-Kriterien bei Private Debt zu bewerten als bei öffentlichen Anleihen, weil die Verfügbarkeit von Daten und deren Qualität unzureichend ist", ergänzt Petra Stassen, Senior Responsible Investment Specialist bei NN Investment Partners, die eng mit dem Alternative-Credit-Team zusammenarbeitet. "Aber eine effektive ESG-Analyse kann für Investoren eine große Hilfe sein, um das Nachhaltigkeitsprofil zu verbessern, Risiken zu erkennen und potenzielle Chancen zu entdecken."

Es gebe keine Patentlösung, die auf alles passt Die Anlageklasse sei heterogen, und die ESG-Risikofaktoren seien für jeden Sektor und Kreditnehmer individuell. Während Überschwemmungen für den Agrarsektor ein wesentliches Risiko darstellen könnten, dürften sie sich auf IT-Unternehmen weniger auswirken. Trotz seiner Komplexität müsse ein umfassender Due-Diligence-Prozess zu ESG-Grundsätzen ein wesentliches Element der Kreditvergabe sein, gefolgt von Active Ownership und engem Austausch.

NN IP reagiert auf diese Herausforderungen mit bewährtem eigenem Research und Scoring. Die Finanzierungen würden auf verschiedenen Wegen erfolgen: direkte Kreditvergabe, Beteiligung an neuen Krediten oder Kauf von Krediten auf dem Sekundärmarkt. Unabhängig davon, ob es sich um Infrastruktur- oder Projektfinanzierung, gewerbliche Immobilien, Wohnbauhypotheken, Unternehmenskredite oder Trade Finance handle, müssten die Bank, der Mieter und andere Gegenparteien klare ESG-Kriterien erfüllen. ESG-Kriterien müssten in den Investitionsprozess integriert werden, und zwar von der Vergabe bis zur Rückzahlung - mit Kriterien, wann investiert werden solle, wie Investitionen überwacht werden sollten und was zu tun sei, wenn Investitionen nicht erfolgreich seien. NN IP hat auf der Grundlage seines Wesentlichkeitskonzepts und der EU-Taxonomie für jede Anlageklasse ESG-Scorecards entwickelt.

Bei NN IP sind die gewährten Darlehen vermögens- oder zweckgebunden und finanzieren zum Teil wichtige Bereiche der Wirtschaft. Vor einer Investition sei es wichtig zu verstehen, wie das Geld in den nächsten 10 oder 20 Jahren verwendet werden werde. Die Schlüsselrolle, die ESG-Kriterien bei der Entscheidungsfindung spielen würden, helfe dabei, Aspekte aufzudecken, die bei der traditionellen Finanzanalyse oft übersehen würden.

Ulla Fetzer, Client Portfolio Managerin bei NN Investment Partners, erklärt: "Wir sind langfristige Kreditgeber und beobachten unsere Investitionen genau. Wenn aus ESG-Sicht etwas wesentlich aus dem Ruder läuft, besprechen wir mit dem Kreditnehmer, wie wir die Folgen abmildern können. Sollte es keine Fortschritte oder Verpflichtungen in Sachen ESG geben, setzen wir die Geschäftsbeziehung schließlich aus. Wenn eine langfristige, illiquide Anlage aufgrund von ESG- oder Reputationsproblemen des Kreditnehmers verkauft werden muss, erfolgt dies mit einem Abschlag und kann zu einem negativen Handelsergebnis führen. Da ein Verkauf das Refinanzierungsrisiko für die Gegenpartei erhöht, einigen sich beide Parteien zunehmend auf ESG-KPIs (Key Performance Indicators), bevor ein Darlehen unterzeichnet wird."

"Ein gutes Beispiel sind Hypotheken - hier sollte man nicht nur auf den CO2-Fußabdruck achten, sondern auch, was die möglichen Auswirkungen des Klimawandels mit sich bringen könnten. Man sollte seine Stresstests so gestalten, dass sie den Klimawandel mit einbeziehen; dadurch können beispielsweise Überschwemmungen zu einem offensichtlichen Risiko werden."

Die Bemühungen der EU um nachhaltige Finanzierungen würden die Transparenz und die Datenverfügbarkeit erhöhen, auch bei Alternative Credit. Europa lege zunehmend eine Definition für nachhaltige Investitionen fest und ziele darauf ab, den Mangel an Standardisierung zu beheben, der einige Investoren noch zurückgehalten habe. Dies führe zu mehr Transparenz und weniger Greenwashing auf den Märkten für Private Debt - von den Investoren über die Vermögensverwalter bis hin zu den Unternehmen, in die investiert werde. Die Anstrengungen der Vermögensverwalter ESG-Kriterien zu berücksichtigen, würden dadurch jedoch vermutlich noch stärker unter die Lupe genommen.

Petra Stassen füge hinzu: "Die Regulierung könnte auch zu einer einheitlicheren Kategorisierung der Anlagestrategien führen. Investoren, die sich mit verantwortungsbewusstem Investieren weniger gut auskennen, neigen dazu, dem Herdentrieb zu folgen. Wir verwenden seit Jahren eine interne Kategorisierung für verantwortungsbewusstes Investieren - und unterscheiden dabei zwischen ESG-integrierten, nachhaltigen und Impact-Investmentstrategien. Unser Ansatz entspricht der Denkweise der Offenlegungsverordnung (SFDR). Der Private-Debt-Sektor ist schon weit gekommen, aber wir stehen erst am Anfang. Eine umfassende Due-Diligence-Prüfung nach ESG-Grundsätzen sollte ein wesentliches Element der Kreditvergabe sein, gefolgt vom Active Ownership und einem engen Austausch."

Die Bemühungen der EU um nachhaltige Finanzierungen werde zweifellos die Transparenz und die Verfügbarkeit von Daten steigern. Dies werde es einfacher machen, Investmentchancen zu finden und Risiken bei Investments in Private Debt zu vermeiden. Beide NN IP-Experten sind sich jedoch einig, dass die Integration von ESG in die Private-Debt-Märkte in naher Zukunft eine Herausforderung darstellen wird.

Ulla Fetzer sage abschließend: "Die Integration von ESG-Faktoren ist für das heterogene Alternative-Credit-Universum noch nicht einfach genug. Wir suchen daher ständig nach neuen Möglichkeiten ESG-Faktoren in unseren Investmentprozess zu integrieren. Dies kann durch die Zusammenarbeit mit Kreditgebern, Investoren oder Regulierungsbehörden geschehen. Wir wollen sicherstellen, dass Alternative Credit das hält, was es verspricht: attraktive Renditen und stabile langfristige Cashflows, auch bei fallenden Märkten." (06.10.2021/alc/a/a)