90% Anleihe auf Solactive Governance Europe Select: Nachhaltigkeit ist keine Eintagsfliege - Anleiheanalyse


04.11.20 10:15
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" die 90% Anleihe auf den Solactive Governance Europe Select 50 Price Index in EUR vor.

ESG habe sich in den zurückliegenden Jahren zu einem wichtigen Bewertungsmaßstab bei der Unternehmensanalyse entwickelt. Dabei gehe man davon aus, dass auch nicht-finanzielle Faktoren am Ende finanzielle Relevanz für das Unternehmen hätten. Zudem würden solche Informationen helfen, das Unternehmen und den Markt, in dem es agiere, besser zu verstehen und die spezifischen Chancen und Risiken abzuwägen.

Die Begrifflichkeit ESG sei im Wesentlichen auf einen Bericht mit dem Titel "Who Cares Wins" aus dem Jahr 2005 zurückzuführen. Der Bericht sei im Rahmen einer Initiative des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan angefertigt worden. Ziel der Initiative sei es gewesen, Wege zur Integration von ökologischen, sozialen und gewerkschaftlichen Aspekten in die Kapitalmärkte zu finden. Der Bericht führe aus, dass die Berücksichtigung von solchen Aspekten auch unter ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll sei und zu finanziell besseren Ergebnissen für die Unternehmen führe. ESG sei demnach keine Hürde, kein Opfer für die Unternehmen, sondern ein Pluspunkt, ein Zugewinn. Seien anfänglich Skeptiker noch der Meinung gewesen, dass ESG-Faktoren die Gewinne eines Unternehmens eher belasten würden, gelte heute das Gegenteil als belegt.

Doch ESG sei nicht gleich ESG. Was konkret unter ESG verstanden werde, unterscheide sich von Fall zu Fall. Agenturen, die ESG-Ratings anbieten würden, würden zum Teil mit unterschiedlichen Kriterien arbeiten. Zudem sei offen, wie die ESG-Faktoren in den Anlagestrategien der Investoren berücksichtigt würden. Manche Investoren würden mit Ausschlusskriterien für bestimmte Branchen arbeiten - etwa keine Investitionen in Tabak, Rüstung, Atomkraft -, andere würden in die jeweils nachhaltigsten Unternehmen einer Branche investieren - der so genannte Best-in-Class-Ansatz - oder nur in bestimmte Branchen wie Erneuerbare Energien oder Umwelttechnologien, also thematisch orientiert.

Solche unterschiedlichen Ansätze würden zu unterschiedlichen Ergebnissen beim Anlageuniversum führen. Werde etwa der Best-in-Class-Ansatz gewählt, könne grundsätzlich auch in Unternehmen investiert werden, die etwa in umweltproblematischen Bereichen arbeiten würden, zum Beispiel in der Minenbranche. Es würden dann eben nur jene Unternehmen berücksichtigt, die am besten abschneiden würden - dass die Minenindustrie aber an sich schwierig sei, dieses Problem bleibe. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise sei jedoch, dass die Wirtschaft im Ganzen abgebildet werden könne. Zudem übe der Best-in-Class-Ansatz indirekt Druck auf jene Unternehmen aus, die schlechter abschneiden würden; um die Gunst der Investoren zurückzugewinnen, würden sie möglicherweise bestrebt sein, ESG-Faktoren künftig besser zu erfüllen.

In der Praxis würden verschiedene Ansätze häufig miteinander kombiniert. Weitverbreitet sei etwa ein Mix aus Ausschlusskriterien und Best-in-Class. "Es werden also etwa zunächst bestimmte Branchen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen, und unter den verbliebenen Branchen investiert man dann jeweils nur in die nachhaltigsten Unternehmen dieser Sektoren", so die Erfahrung des ARD-Wirtschaftsjournalisten, Andreas Braun

Das Thema ESG werde auch verstärkt von den Börsenbetreibern und Indexanbietern aufgegriffen. Mit dem DAX ESG 50 Index etwa reagiere die Deutsche Börse Group auf die neuen Herausforderungen. Der DAX 50 ESG bilde die Kursentwicklung der 50 größten und liquidesten Aktien auf dem deutschen Markt ab, die auf Grundlage von ESG-Faktoren ausgewählt worden seien. Unternehmen, die am Handel oder der Produktion kontroverser Waffen, Tabakproduktion, Kraftwerkskohle und Kernenergie beteiligt seien, würden nicht berücksichtigt. Der Index basiere auf dem HDAX, der alle Unternehmen umfasse, die im DAX, MDAX und TecDAX enthalten seien.

Auf europäischer Ebene sei der EURO STOXX 50 ESG Index lanciert worden. Er schließe basierend auf ESG-Faktoren zehn Prozent der am wenigsten nachhaltigen Unternehmen aus. Ähnlich arbeite der Euronext Eurozone ESG Large 80, der vom Börsenbetreiber Euronext und der französischen Ratingagentur Vigeo Eiris kreiert worden sei. Auf Grundlage des Euronext Eurozone 300 Index würden jeweils die Unternehmen mit den schlechtesten Einstufungen in Sachen Soziales und Unternehmensführung ausgeschlossen. Zudem würden die Treibhausgasemissionen berücksichtigt. Ausgeschlossen seien auch Unternehmen, die in der Tabakproduktion tätig seien oder kontroverse Waffen herstellen würden.

Basierend auf dem Euronext Eurozone ESG Large 80 sei der Euronext Eurozone ESG Leaders Select 40 EW Index entwickelt worden, der die 40 nach ESG-Kriterien besten Werte aus dem Euronext Eurozone ESG Large 80 aufgreife. Weitere bekannte ESG-Indices seien der STOXX Global ESG Leaders Index, der MSCI World Socially Responsible Index und der Dow Jones Sustainability World Enlarged Index (siehe Tabelle Seite 15).

Eine weitere Entwicklung seien Indices, die Schwerpunkte bei der ESG-Auswahl treffen würden. So etwa der Solactive ISS Europe Governance Select 50 Index, der insbesondere die Bedeutung der Unternehmensführung berücksichtige. Man gehe davon aus, dass eine gute, kommunikative Unternehmensführung Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen sei. Ein solches Unternehmen werde in der Regel auch bestrebt sein, Umwelt- und soziale Standards einzuhalten.

Nicht zuletzt aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, die im kommenden Jahr greifen würden, werde es, so seien sich Experten sicher, am Kapitalmarkt zu einem Wettbewerb um die Qualität und Transparenz von ESG-Faktoren und deren Berücksichtigung bei Finanzprodukten und Indices kommen. Das werde weitreichende Folgen für die Wirtschaft im Ganzen haben und zu tief greifenden Veränderungen führen. (Ausgabe November 2020) (04.11.2020/alc/a/a)
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