6:2 Votum der Bank of England für unveränderten Leitzins


04.08.17 10:15
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet haben gestern in Großbritannien die Notenbanker mit 6:2 Stimmen im Monetary Policy Committee (MPC) für einen unveränderten Leitzins von 0,25% votiert, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Es habe im Inflationsbericht der Notenbank keine großen Überraschungen bei der Adjustierung der Konjunkturdaten gegeben. Für das laufende Jahr sei die Median-Erwartung zum Inflationsanstieg (Jahresrate jeweils im 4. Quartal) bei 2,8% belassen und für 2018 auf 2,5% (statt bisher 2,4%) geändert worden. Der Projektionswert für das Schlussquartal in 2019 sei wie bisher bei 2,2% geblieben. Beim Wirtschaftswachstum werde für das Kalenderjahr 2017 nun mit 1,7% (bisher: 1,9%) und für 2018 mit 1,6% (bisher: 1,7%) gerechnet.

Schon nach der ersten Verhandlungsrunde der "Brexit"-Gespräche habe der Notenbankchef Mark Carney angemahnt, den Verlauf der Verhandlungen abzuwarten. Die zweite Verhandlungsrunde der "Brexit"-Gespräche zwischen Großbritannien und der EU sei Mitte Juli ohne konkrete Ergebnisse geblieben. Die britischen Währungshüter sähen mit den bisher nur geringen Fortschritten bei den "Brexit"-Verhandlungen vor allem Risiken für den privaten Konsum, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und Belastungen im Finanzsektor.

Die Bank of England dürfte in diesem und im nächsten Jahr nach Erachten der Analysten auf eine monetäre Verschärfung verzichten. Die Tendenz zur Wachstumsschwäche sollte ihres Erachtens anhalten. Zwar habe gestern der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Juli leicht auf 53,8 Punkte zulegen können (Juni: 53,4 Punkte). Gleichwohl bleibe der langfristige Durchschnittswert von 55,1 Punkten weiterhin unterboten. Fazit: Auch im 3. Quartal dürfte das BIP-Momentum wohl nur bei 0,3% liegen. Im Durchschnitt des letzten Jahres seien es noch 0,5% pro Quartal gewesen. Das Britische Pfund habe zum Euro auf Kurse jenseits der 0,90 GBP nachgegeben.

Der Euro habe sich zum US-Dollar gestern in gut behaupteter Verfassung gezeigt und habe weiter leicht in Richtung 1,19 USD zulegen können. Unterstützung habe zum einen wohl der EZB-Wirtschaftsbericht geboten. Hereinkommende Daten hätten auf eine anhaltende Verstärkung der wirtschaftlichen Expansion im gemeinsamen Euroraum hingewiesen. Der Aufschwung habe sowohl auf der Ebene der Sektoren als auch der Regionen an Breite gewonnen. Zum anderen habe in den USA der ISM-Index für den Dienstleistungssektor im Juli auf 53,9 Punkte nachgegeben (Konsens: 57,0 Punkte). Dies sei das niedrigste Niveau seit August 2016 gewesen. Der Rückgang sei aber wohl nur ein üblicher "Sommereffekt" gewesen. Für den heutigen Tag dürfte aber dem Euro wohl nur bei enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten der Sprung über die 1,19 USD gelingen. (04.08.2017/alc/a/a)