6,25% Aktienanleihe Classic 2018/12 auf thyssenkrupp: Essener Industriekonzern richtet sich neu aus - Anleiheanalyse


02.10.17 10:00
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das DZ BANK-Derivate-Team stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Aktie von thyssenkrupp eine Aktienanleihe Classic 6,25% 2018/12 (ISIN DE000DD1KTA8 / WKN DD1KTA) mit dem Basiswert thyssenkrupp vor.

Die Stahlbranche leide unter enormen Überkapazitäten. Vor allem chinesische Hersteller würden viel und günstig produzieren. Zudem fehle das Wachstum - seit Jahren stagniere die Stahlproduktion. Dies führe dazu, dass zahlreiche Unternehmen in die Verlustzone gerutscht seien und etliche Werke hätten schließen müssen. Gerade in Europa scheine unter diesen Voraussetzungen ein Überleben schwierig. Mittels Restrukturierungsprogrammen werde versucht, diese Entwicklung aufzuhalten, doch die Wirkung sei in der Regel nur von kurzer Dauer.

Um diesem Strukturwandel entgegenzuwirken und sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, hätten letztendlich die Vorstände von thyssenkrupp und Tata entschieden, eine Partnerschaft einzugehen. Der Sitz des neuen Unternehmens solle in den Niederlanden sein. Sowohl thyssenkrupp als auch Tata würden je 50% daran halten. Insgesamt würde thyssenkrupp Tata Steel rund 21 Millionen Tonnen Flachstahl produzieren und einen voraussichtlichen Umsatz von ungefähr 15 Milliarden Euro pro Jahr erzielen. Verantwortlich hierfür würden rund 48.000 Mitarbeiter an 34 Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien sein. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr habe die Stahlsparte von thyssenkrupp mit ca. 27.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Die Fusion mit Tata solle reichlich Synergieeffekte bringen - zwischen 400 und 600 Millionen Euro sollten eingespart werden. Allerdings werde dies nicht ohne Arbeitsplatzabbau funktionieren. So sei bereits jetzt verkündet worden, dass im gesamten Joint-Venture in den kommenden Jahren voraussichtlich bis zu 2.000 Stellen in der Verwaltung und möglicherweise bis zu 2.000 Stellen in der Produktion abgebaut werden müssten. Die Stellenstreichungen sollten zu gleichen Teilen von den Konzernen getragen werden.

Der Name thyssenkrupp werde meist mit Stahl in Verbindung gebracht, doch die Essener seien auch in vielen anderen Geschäftsbereichen tätig. Einen wichtigen Beitrag zum Gesamtumsatz des Unternehmens würden neben Steel Europe und Steel America folgende Bereiche liefern: Elevator Technology (Umsatz Geschäftsjahr 2015/16: 7,5 Milliarden Euro), Components Technology (6,8 Milliarden Euro), Industrial Solutions (5,7 Milliarden Euro) und Materials Services (11,9 Milliarden Euro). Insgesamt habe im vergangenen Geschäftsjahr der Umsatz von thyssenkrupp 39,3 Milliarden Euro betragen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei dies ein Rückgang um 8%. Mit einem Minus von 12% auf 1,5 Milliarden Euro sei im letzten Berichtsjahr das Bereinigte EBIT ebenfalls deutlich zurückgegangen. Vor allem der hohe Import- und Preisdruck auf den Rohstoffmärkten sei für diese Entwicklung verantwortlich gewesen.

Sehr positiv sei dagegen bis dato das aktuelle Geschäftsjahr 2016/17 verlaufen. In den ersten neun Monaten sei der Auftragseingang des Unternehmens um 16% auf mehr als 32 Milliarden Euro gestiegen. Der Konzernumsatz habe sich im selben Zeitraum um 9% erhöht. Noch stärker sei das Bereinigte EBIT in den ersten drei Quartalen angewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr habe thyssenkrupp ein Plus von 37% auf 1,4 Milliarden Euro verbuchen können. Grund für diese Ergebnisverbesserung sei eine deutliche Erholung der Preise gewesen, welche sich auch in den Margen niederschlage. Für das laufende Geschäftsjahr rechne der Vorstand daher mit einem Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und einem Bereinigten EBIT von 1,8 Milliarden Euro.

Die Partnerschaft mit Tata könnte nach Meinung des DZ BANK-Derivate-Teams der richtige Schritt zur richtigen Zeit sein. Das Stahlgeschäft habe sich in den letzten Jahren für europäische Produzenten nicht zum Besseren gewandelt. Zusammen mit Tata könnte es thyssenkrupp gelingen, die Abhängigkeit vom stark schwankungsanfälligen Stahlgeschäft weiter zu reduzieren. Zudem sollten sich mit Wirksamkeit des Joint-Ventures wesentliche Bilanzkennzahlen signifikant verbessern, insbesondere Eigenkapitalquote und Gearing (Verhaltenis von Nettofinanzschulden zu Eigenkapital).

Nichtsdestotrotz sei das Stahlgeschäft extrem abhängig von der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise, zudem könnte eine nachlassende Weltwirtschaft zu deutlichen Einbrüchen bei der Nachfrage führen. Außerdem würden Fusionen dieser Größenordnung immer Gefahren bergen und seien in der Vergangenheit auch schon öfter gescheitert - ein berühmtes Beispiel sei hier sicherlich die misslungene Partnerschaft zwischen Daimler und Chrysler.

Seit den Tiefkursen im Februar 2016 habe sich die Aktie der thyssenkrupp AG ungefähr verdoppelt. Nahe der alten Höchststände bei rund 27 Euro habe im Juli dieses Jahres die Aufwärtsbewegung gestoppt. Seitdem sehe man bei der Aktie eine Seitwärtsbewegung zwischen 24,30 Euro und 27 Euro. Aktuell befinde sich der Kurs im unteren Bereich dieser Spanne. Sollte es der Aktie gelingen, im Laufe der nächsten Tage und Wochen dieses Niveau nach oben zu verlassen und im Idealfall die obere Begrenzung zu durchbrechen, sieht das DZ BANK-Derivate-Team weiteres Aufwärtspotenzial bis in den Bereich von rund 30 Euro. Falle der Kurs dagegen nachhaltig unter die Marke von 24,30 Euro, rechne man mit weiteren Abgaben. Zudem wäre dann der seit über einem Jahr vorherrschende Aufwärtstrend gebrochen.

Als alternative Anlagemöglichkeit zur Direktanlage stünden verschiedene Aktienanleihen mit dem Basiswert thyssenkrupp zur Verfügung. Ein Beispiel sei eine Aktienanleihe mit Fälligkeit am 02.01.2019 (Rückzahlungstermin), einem Basispreis von 25,641 Euro und einer Zinszahlung von 6,25% p.a. Die Zinszahlung am Zinszahlungstermin, ebenfalls der 02.01.2019, sei unabhängig von der Wertentwicklung der Aktie der thyssenkrupp AG. Dividendenansprüche aus der Aktie stünden dem Anleger nicht zu.

Die Art und Höhe der Rückzahlung am Rückzahlungstermin sei abhängig von der Wertentwicklung der Aktie der thyssenkrupp AG. Entscheidend sei dabei der Schlusskurs der Aktie an der maßgeblichen Börse (Xetra) am 21.12.2018. Für die Rückzahlung der Aktienanleihe gebe es zwei Möglichkeiten:

Notiere die Aktie auf oder über dem Basispreis von 25,641 Euro, erhalte der Anleger den Nennbetrag von 1.000,00 Euro pro Aktienanleihe. Notiere die Aktie unter dem Basispreis von 25,641 Euro, erhalte der Anleger Aktien der thyssenkrupp AG in der durch das Bezugsverhältnis bestimmten Zahl. Das Bezugsverhältnis betrage 39,00. Dementsprechend erhalte der Anleger 39 Aktien. Der Gegenwert der Aktien werde in diesem Fall unter dem Nennbetrag von 1.000,00 Euro liegen.

Die vorliegend beschriebene Aktienanleihe richte sich somit an Anleger, die davon ausgehen würden, dass der Schlusskurs der Aktie der thyssenkrupp AG am 21.12.2018 auf oder über 25,641 Euro notieren werde. Bei Erwerb der Aktienanleihe während der Laufzeit müssten zusätzlich anteilig aufgelaufene Zinsen (Stückzinsen) entrichtet werden. Aktuell würden sich die Stückzinsen auf 8,39 Euro belaufen. (Stand vom 29.09.2017) (02.10.2017/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.






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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
93,56 € 92,70 € 0,86 € +0,93% 23.10./17:27
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000DD1KTA8 DD1KTA 99,93 € 91,24 €
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