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5- und 10-jährige deutsche Anleihen verkaufen


19.06.17 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen richtet sich das Hauptaugenmerk in der Eurozone auf wichtige Sentimentumfragen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Einkaufsmanagerindices in der Eurozone befänden sich momentan auf oder in der Nähe ihrer zyklischen Höchststände. Im Juni dürften die vorläufigen Einkaufsmanagerindices des Verarbeitendes Gewerbes sowie des Dienstleistungssektors in Deutschland, Frankreich sowie in der Eurozone leicht zurückgegangen sein. Angesichts der hohen Niveaus und der nach wie vor bestehenden Diskrepanz zwischen Sentimentumfragen und "harten" Konjunkturdaten wie der Industrieproduktion wäre dies jedoch auch nicht weiter bedenklich. Das Konsumentenvertrauen in der Eurozone notiere mit einem Wert von -3,3 bereits deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.

Die gestiegene Zuversicht der Verbraucher in der Eurozone sei dabei hauptsächlich der verbesserten Arbeitsmarktlage geschuldet. Die vorläufige Veröffentlichung der Konsumentenstimmung im Juni sollte eine weitere Stimmungsverbesserung signalisieren und damit neben der sukzessiven Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt die in den letzten Wochen gesunkenen Energiepreise widerspiegeln. Der belgische Frühindikator, welcher aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen Belgiens mit den umliegenden großen Volkswirtschaften Indikationen für den gesamten Euroraum liefere, habe zuletzt entgegen den Trend anderer Umfragen einen Rückgang verbucht. Die Analysten der RBI rechnen damit, dass die Lücke zu den anderen Indikatoren mit einem Anstieg verringert wird.

Am Staatsanleihemarkt sei in den letzten Wochen eine merkliche Verflachung der deutschen Renditekurve zu beobachten gewesen. Während sich die Marktverzinsung für zweijährige deutsche Staatsanleihen seit Anfang Mai kaum verändert habe, sei die Rendite zehnjähriger um über 20 Basispunkte zurückgefallen. Diese Bewegung resultiere großteils aus einem Rückgang der längerfristigen Inflationserwartungen. Dagegen scheinen die Konjunkturerwartungen angesichts des nur geringen Rückgangs der realen Rendite von inflationsgeschützten Anleihen kaum gelitten zu haben, so die Analysten der RBI. Somit fehle ein entscheidender Auslöser für eine unmittelbare Umkehr der zuletzt beobachtbaren Marktentwicklung.

Die anstehenden Konjunkturumfragen würden zwar ein positives Bild zum Wirtschaftsausblick zeichnen, doch diesbezüglich mangle es ja dem Markt nicht an Zuversicht. Für einen Anstieg der Rendite der zehnjährigen deutschen Anleihe bzw. einer Versteilung der Kurve bedürfe es vor allem Informationen zu einem Anziehen des Inflationsdrucks. Auf dem aktuellen Ölpreisniveau dürfte aber die Teuerungsrate im Juni sogar noch einmal zurückfallen. Erst über den Sommer wird auf Basis der Ölpreisprognosen der Analysten der RBI die Inflationsrate wieder anziehen. Die Analysten würden daher auf Sicht September bei ihrer Verkaufsempfehlung für fünf- und zehnjährige deutsche Anleihen bleiben, seien sich aber bewusst, dass der Aufwärtsdruck zunächst gering bleiben dürfte.

In Österreich habe die Konjunktur im ersten Quartal weiter Fahrt aufgenommen. Damit habe sich der bereits im zweiten Halbjahr 2016 zu beobachtende Trend zu Jahresbeginn fortgesetzt. Vorlaufindikatoren würden zumindest in den kommenden Monaten eine weiterhin dynamische Konjunktur erwarten lassen. Vor dem Hintergrund der guten Entwicklung der vergangenen Quartale sowie des erfreulichen Ausblicks haben die Analysten der RBI ihre BIP-Prognose für das laufende Jahr 2017 von 1,7% p.a. auf 2,2% p.a. (2018: 1,7% p.a.) angehoben. Im vergangenen Jahr sei die Konjunktur noch ausschließlich von der Binnennachfrage getragen gewesen. Neben einem weiterhin guten Konsumwachstum und niedrigerer, aber nach wie vor solider Zuwachsraten der Investitionen dürfte 2017 auch der Außenhandel das BIP-Wachstum unterstützen. Alles in allem sollte das Wachstum damit breiter aufgestellt sein. (Ausgabe vom 16.06.2017) (19.06.2017/alc/a/a)