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2022 - ein besseres Jahr für Schwellenländeranleihen?


11.01.22 11:00
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - 2022 könnte ein deutlich besseres Jahr für Schwellenländeranleihen werden, erläutert Claudia Calich, Fondsmanagerin des M&G (Lux) Emerging Markets Bond Fund von M&G Investments.

Staatsanleihen von Schwellenländern hätten 2021 negative Renditen geliefert - insbesondere in lokalen Währungen, die unter dem Doppelschlag von Währungsabwertung und höheren Zinsen gelitten hätten. Unternehmensanleihen hätten besser abgeschnitten, ungeachtet spezieller sektoraler Probleme, wie der Immobilienbranche in China. Mehrere Faktoren, die 2021 für die schlechte Performance verantwortlich gewesen seien, würden sich 2022 eher nicht wiederholen. Einiges gebe es natürlich dennoch zu beachten.

Inflation: Die große Überraschung 2021. Eine Kombination aus nachfrageseitigem Aufschwung, fiskalischen Anreizen, angebotsseitigen Engpässen, Arbeitskräftemangel, Währungsabwertung in einigen Fällen und der sehr lockeren Geldpolitik der meisten Zentralbanken in der ersten Jahreshälfte habe zu Inflationsdruck geführt. Asien habe ganz gut abgeschnittem, die meisten anderen Länder nicht.

Im Gegensatz zu den Industrieländern könnte der Inflationsschock in den Schwellenländern allerdings eher vorübergehend sein: Die Politik der Schwellenländer habe deutlich präventiver reagiert. Viele Zentralbanken hätten ihre Geldpolitik seit Mitte des Jahres gestrafft; der Spielraum für fiskalische Anreize sei sehr begrenzt, da der Schuldenstand seit 2020 in vielen Fällen rapide gestiegen sei. Weniger fiskalische Anreize würden die Geldpolitik bei der Inflationskontrolle entlasten; viele Volkswirtschaften hätten sich noch nicht vollständig von der Rezession 2020 erholt und würden eine negative Produktionslücke aufweisen; Basiseffekte würden die Inflationszahlen gegenüber dem Vorjahr tendenziell verringern. Es sei unwahrscheinlich, dass Rohstoffpreise wie Öl und bestimmte Lebensmittelpreise weiterhin mit der gleichen Geschwindigkeit steigen würden wie 2021; die Währungen der Schwellenländer könnten sich 2022 besser entwickeln.

Die Erwartung einer strafferen FED-Politik habe zur Outperformance des Dollar gegenüber Schwellenländerwährungen beigetragen. Tatsächlich hätten viele gegenüber dem USD abgewertet, obwohl ihre Zentralbanken die Geldpolitik gestrafft und sich die Leistungsbilanzeinnahmen verbessert hätten, z.B. aufgrund höherer Rohstoffpreise. Es sei übrigens ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Schwellenländer-Anleihen schlecht abschneiden würden, wenn die FED die Zinsen straffe. Tatsächlich würden sie dazu neigen, im Vorfeld an Wert zu verlieren, sodass sie sich zu dem Zeitpunkt, an dem die FED agiere, relativ gut entwickeln würden. Außerdem seien die meisten Devisen der Schwellenländer heute grundsätzlich billiger und die Leistungsbilanzungleichgewichte weitaus geringer - in vielen Fällen würden sie sogar einen Überschuss aufweisen. Deshalb dürften die lokalen Märkte der Schwellenländer 2022 besser abschneiden, es sei denn, die FED müsse die Zinsen stärker anheben als vorgesehen.

Wir sind von einer Rezession wie 2020 trotz aller Entwicklungen aufgrund von Corona noch weit entfernt, so die Experten von M&G Investments. Allerdings gebe es mehrere geopolitische Risiken: Russland gegen den Westen und die Ukraine sowie Spannungen zwischen den USA und China. Diese Ereignisse seien zwar unwahrscheinlich, hätten aber große Auswirkungen und sind nicht eingepreist. Auch einige wichtige Wahlen, wie die des chinesischen Parteikongresses sowie die Zwischenwahlen in den USA stünden an. Die aus Marktsicht wichtigste Wahl in den Schwellenländern werde im 4. Quartal in Brasilien stattfinden. In der Türkei sei unklar, ob Erdogan vor 2023 vorgezogene Neuwahlen ansetzen werde.

Während die Stimmung gegenüber Schwellenländeranleihen vor einem Jahr noch zu optimistisch gewesen sei, habe sie sich nun deutlich verändert. Die Bewertungen hätten sich verbessert, insbesondere bei lokalen Schuldtiteln und ausgewählten Hochzinsanleihen. Die Renditenaufschläge für Investment-Grade-Anleihen würden dagegen teuer bleiben. Bemerkenswert sei, dass der CEMBI-Index für Unternehmensanleihen trotz des starken Ausverkaufs 2021 eine positive Rendite verzeichnet habe, was seine gut diversifizierte Zusammensetzung in Bezug auf Länder und Sektoren und sein durchschnittliches Kreditrating mit Investment Grade widerspiegele. Zu den Umstrukturierungen von Staatsschulden könnten Sri Lanka, El Salvador und Äthiopien gehören, aber keine sei systemisch genug, um eine Ansteckung zu verursachen.

Die Inflation macht uns weniger Sorgen und so sind wir selektiv optimistisch gegenüber Schwellenländerwährungen mit starken Auslandsbilanzen oder solchen, in denen die Inflation bald ihren Höhepunkt erreicht haben könnte, so die Experten von M&G Investments. Hochzinsanleihen würden die Experten von M&G Investments gegenüber Investment Grade bevorzugen. 2021 habe man Renditen von -30% für El Salvador und Äthiopien und sogar noch schlechtere Renditen im chinesischen Immobilienbereich gesehen. Aber notleidende Kredite könnten auch positiv überraschen, wie Sambia (+50%). Wir tendieren dazu, das Engagement vor Ort zu erhöhen und die High Yield-Komponente taktisch zu verwalten, indem wir eine Bottom-up-Länder- und Kreditauswahl vornehmen, so die Experten von M&G Investments. (11.01.2022/alc/a/a)