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10-jährige US-Rendite: Seitwärtsbewegung um das Niveau von 2,9% erwartet


10.09.18 12:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen in den USA zahlreiche relevante Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Aus Sicht der meisten Marktteilnehmer die wichtigste Veröffentlichung dürften die Verbraucherpreiszahlen (Do.) für August sein. Die Kernrate - Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel - hat unseren Berechnungen zufolge im letzten Monat um 0,2% p.m. zugelegt, so die Analysten der RBI. Die Vorjahresrate dürfte minimal auf 2,3% gesunken sein. Die Kraftstoffpreise hätten im August zwar um 0,3% unter dem Niveau des Vormonats gelegen, allerdings stehe im August normalerweise ein deutlich größeres Minus zu Buche. Bereinigt um saisonale Effekte dürfte daher bei den Kraftstoffpreisen ein Plus von knapp 3% p.m. ausgewiesen werden. Aus diesem Grund setzen wir für den Gesamtindex mit 0,3% p.m. einen etwas größeren Anstieg an als für die Kernrate, so die Analysten der RBI. Die Vorjahresrate dürfte aber ebenfalls geringfügig auf 2,8% gesunken sein.

Abseits der Inflationszahlen würden die Analysten die Einzelhandelsdaten (Fr.) für August für sehr wichtig halten. Wegen des wie oben erwähnt auf saisonbereinigter Basis deutlichen Anstiegs der Kraftstoffpreise würden sie erneut mit einem Plus im Vormonatsvergleich rechnen, seien mit 0,3% p.m. aber etwas weniger zuversichtlich als der Konsens.

Mit den Zahlen zur Industrieproduktion stehe diese Woche (Fr.) ein weiterer "harter" Konjunkturindikator an. Bereits vorliegende Daten aus den Bereichen Versorger und Bergbau würden für August auf ein kleines Plus gegenüber Juli hindeuten. Die Prognose sei aber mit etwas größerer Unsicherheit behaftet als gewöhnlich, da die Arbeitsmarktdaten noch nicht vorlägen und damit keine Schlüsse auf die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe gezogen werden könnten.

Abseits der Konjunkturdaten werde diese Woche das Thema Handelskonflikt im Mittelpunkt des Interesses stehen. In der abgelaufenen Woche hätten die USA und Kanada zwar weiter verhandelt, eine Einigung sei allerdings nicht erzielt worden. Laut an den Verhandlungen beteiligten Personen gehe es im Wesentlichen aber "nur" noch um drei bis vier Streitpunkte. Die härteste Nuss stelle die Abschottung des kanadischen Marktes für Molkereierzeugnisse dar. Kanadas Regierung habe Angst, bei einer Aufweichung der prohibitiven Zölle und Einfuhrbarrieren von amerikanischer "Dumping-Milch" überschwemmt zu werden. Eine Einigung in den nächsten Tagen erscheint uns dennoch das wahrscheinlichere Szenario als eine Aufkündigung von NAFTA bzw. ein neues Abkommen ausschließlich zwischen den USA und Mexiko, so die Analysten der RBI. Sowohl die USA aber vor allem auch Kanada würde eine Aufkündigung von NAFTA ohne Nachfolgeabkommen wirtschaftlich schwer treffen. So habe der Kongress vorsorglich parteiübergreifend auch schon deutlich gemacht, dass er einer Auflösung von NAFTA nur dann zustimmen werde, wenn ein neues Handelsabkommen Mexiko und Kanada umfasse.

Spannend könnte es auch am anderen Handelskonfliktherd werden. Am 6. September sei die Frist für öffentliche Stellungnahmen zum Vorschlag, weitere Importe aus China im Volumen von USD 200 Mrd. mit Strafzöllen zu belegen, abgelaufen. Präsident Trump könne damit theoretisch ab jetzt solche Strafzölle verhängen. Er habe bereits angedeutet, dies zeitnah tun zu wollen. Wir gehen davon aus, dass dies auch geschehen wird, so die Analysten der RBI.

Anders als die Streitigkeiten mit Kanada und der EU komme die harte Linie Trumps im Falle Chinas bei vielen Amerikanern gut an. Mit Blick auf die im November anstehenden Mid-Term Elections dürfte die Verlockung daher sehr groß sein, politisches Kapital aus dem Handelsstreit mit China zu schlagen. Insbesondere da das ökonomische Risiko für die USA - anders als im Falle einer Eskalation im Streit mit der EU oder Kanada - sehr gering zu sein scheine. Die chinesische Seite habe für den Fall neuer Strafzölle bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. Die Analysten würden daher nicht davon ausgehen, dass dieser Konflikt in absehbarer Zeit gelöst werde.

Angesichts des beschriebenen Ausblicks gehen wir nicht davon aus, dass die Rendite amerikanischer Staatsanleihen in den nächsten Tagen steigen wird, so die Analysten der RBI. Bei der 10-jährigen Rendite rechne man beispielsweise mit einer Seitwärtsbewegung um das aktuelle Niveau von 2,9%. Auftrieb könnten die US-Renditen dann in der letzten Septemberwoche im Anschluss an die FOMC-Zinsentscheidung erhalten. (Ausgabe vom 07.09.2018) (10.09.2018/alc/a/a)