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10-jährige US-Rendite: 2017 wenig Bewegung, 2018 umso mehr?


09.01.18 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Seit vielen Jahren predigen wir, dass untere Zinswenden selten dynamisch vollzogen werden, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Vielmehr benötige die Bodenbildung auf der Rentenseite regelmäßig vor allem eines: Viel Zeit! Im vergangenen Jahr habe dieses Börsenbonmot in doppelter Hinsicht eine Bestätigung gefunden. Zum einen sei die Bewegungsdynamik sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks äußerst mager ausgefallen. Schließlich hätten die 10-jährigen Renditen jeweils nur zwischen 0,15% und 0,64% (D) bzw. 2,02% und 2,63% (USA) geschwankt. Zum anderen sei der Bodenbildungsprozess, der die Marktteilnehmer in Amerika bereits seit 2012 begleite, wieder ein Jahr vorangeschritten.

Im letzten Jahr haben wir die Frage aufgeworfen, ob in Bezug auf die USA das Tief von 2016 bei 1,32% in der historischen Rückspiegelbetrachtung irgendwann mal als "ultimativer Wendepunkt" bezeichnet werden muss, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Frage nach dem "game changer" möchten die Analysten erneut aufgreifen. Einen Fingerzeig in diese Richtung liefere die US-Notenbank, die nach den Leitzinsanhebungen von Dezember 2015, Dezember 2016, März und Juni 2017 zuletzt erneut die FED Funds Rate angehoben habe. Bei der scheidenden FED-Präsidentin Janet Yellen handle es sich offensichtlich um eine heimliche Anhängerin der Technischen Analyse, denn möglicherweise sei hiermit ein Trend begründet worden.

Candlestickkonstellation hat es in sich: Bei der Beantwortung dieser Frage wollen die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt wie immer auf anerkannte Verfahren der Technischen Analyse zurückgreifen. Der Jahresausblick sei der passende Anlass, um zunächst einmal langfristige Chartverläufe und hohe Zeitebenen zu analysieren. Auf der Aktienseite gebe es die alte Tradingweisheit, wonach man in Europa eine Lungenentzündung bekomme, wenn sich die Amerikaner einen Schnupfen zugezogen hätten. Auch auf der Zinsseite können wir uns nicht vollständig von der Entwicklung in den USA freimachen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Deshalb beginnen wir mit dem langfristigen Kursverlauf der 10-jährigen Rendite in den USA, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Nach den beiden "Hammer"-Umkehrmustern von 2015 und 2016 weise der Jahreschart für die abgelaufenen zwölf Monate eine so genannte "inside candle" aus. D.h. die Schwankungsbreite von 2017 sei innerhalb des Pendants des Vorjahres verblieben. Gleichzeitig würden die markanten Lunten der letzten drei Jahre hervorstechen, die den unterstützenden Charakter der 2%-Marke unterstreichen würden. Für sich genommen bilde die 2017er Kerze einen klassischen "Kreisel" - ein Kerzenmuster, welches eine prozyklische Positionierung nahe lege. Dazu würden auch die letzten beiden Jahreshochs passen. Mit 2,63% bzw. 2,64% seien diese auf nahezu identischem Niveau ausgeprägt worden.

Einem Anstieg der 10-jährigen Rendite über die Schlüsselgröße bei 2,64% messen die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt einen signalgebenden Charakter bei. Schließlich würde eine solche Weichenstellung nicht nur den beschriebenen "Kreisel", sondern auch den "Hammer" aus 2016 "bullish" auflösen. Gelinge der skizzierte Befreiungsschlag, dürfte die 10-jährige Rendite die Hochs der Jahre 2013/14 bei 3,04% ins Visier nehmen. Die Bedeutung dieses Levels werde dabei noch zusätzlich durch das Zinstief von 2003 (3,07%) unterstrichen.

Oberhalb dieser Widerstandszone wäre darüber hinaus der sich im langfristigen Chartverlauf andeutende Doppelboden komplettiert, dessen rechnerisches Anschlusspotenzial sich auf knapp 1,70%-Punkte taxieren lasse. Im Erfolgsfall werde demnach ein Test des seit Beginn der 1980er Jahre dominierenden Baissetrends (akt. bei 3,51%) mehr als wahrscheinlich. Da der Bodenbildungsprozess Investoren nun schon seit mindestens fünf Jahren begleite, seien die zeitlichen Mindestanforderungen an eine untere Zinswende inzwischen mehr und mehr erfüllt. Um diesen Prozess nicht zu gefährden, gelte es in Zukunft das 2017er Tief (2,02%) - verstärkt durch das Pendant aus dem Jahr 2008 (2,04%) - nicht mehr zu unterschreiten. (Ausgabe vom 08.01.2018) (09.01.2018/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.