Erweiterte Funktionen

10J-Bundrendite wieder bei 0,4%?


06.08.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone werden in der laufenden Woche wenig relevante Daten veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Beachtung dürfte jedoch das sentix-Investorenvertrauen (Mo.) finden; handle es sich doch um das erste Stimmungsbild für den Monat August. Der Konsens gehe hier von einer leichten Stimmungsaufhellung bei den befragten Finanzanalysten aus. Für den deutschen Auftragseingang (Mo.) würden die Analysten der RBI nach dem kräftigen Zuwachs im Mai (+2,6% p.m.) für Juni mit einer Gegenbewegung (-1,0% p.m.) rechnen. Die deutsche Industrieproduktion (Di.) habe im Mai ebenfalls merklich zugelegt. Für Juni würden die Analysten aufgrund der bereits vorliegenden Daten zur Automobilproduktion sowie des von ihnen erwarteten Rückgangs der Bauproduktion einen Rückgang des Outputs im Produzierenden Gewerbe von 1,1% p.m. erwarten. Für die französische Industrieproduktion (Fr.) könne nach dem Rückgang im Vormonat mit einem deutlichen Plus gerechnet werden.

Am Euro-Staatsanleihemarkt sei zuletzt erhöhte Volatilität zu beobachten gewesen. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmark habe sich kurzfristig der Marke von 0,50% angenähert und notiere nun bei 0,43%. Diese Volatilität sei jedoch kein Anzeichen erhöhter Unsicherheit, sondern der aktuell fragilen Marktsituation geschuldet. So sei die Liquidität des Anleihemarkts saisonal bedingt gering. Gleichzeitig seien die Zinserwartungen niedrig gepreist (die EONIA Forwards würden die erste Anhebung des Einlagesatzes erst Ende 2019 preisen) und die Marktteilnehmer relativ wenig abgesichert (z.B. Put-Call Ratio am Bund Futures Markt).

In diesem Umfeld könnten selbst kleine Überraschungen und geringe Handelsvolumina rasch größere Kursbewegungen auslösen. Ein kurzfristiger Auslöser möge z.B. die Inflationsrate der Eurozone für Juli gewesen sein. Diese habe zum ersten Mal seit Ende 2012 wieder über den EZB-Zielwert von 2% gelegen. Auch hätten sich einige Marktteilnehmer zuletzt besorgt gezeigt, steigende Renditen in Japan könnten Portfolioumschichtungen zulasten von Euro-Staatsanleihen nach sich ziehen. In der Tat hätten japanische Investoren in den letzten Jahren aufgrund des attraktiven Renditeunterschieds und moderater Währungssicherungskosten ihre Bestände an Euro-denominierten Anleihen massiv erhöht. Bei Staatsanleihen seien davon insbesondere Deutschland, Frankreich und Spanien betroffen. Sollten sich die japanischen Renditen tatsächlich längerfristig auf einem höheren Niveau etablieren, werde das Verhalten der japanischen Investoren sicher ein wichtiger Faktor für den Euro-Anleihemarkt werden. Dafür sei es aber noch zu früh.

Wir erwarten daher in den nächsten Wochen, dass sich die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen wieder bei 0,4% einpendelt, so die Analysten der RBI. Die Risikoprämien (10J vs. DE) der meisten Euroländer seien aktuell fair gepreist. Wir erwarten in den kommenden Wochen eine Seitwärtsbewegung bei erhöhter, liquiditätsbedingter Volatilität, so die Analysten der RBI. Für Slowenien hat sich die Risikoprämie seit unserer Kaufempfehlung Ende Mai um 35 Bp verringert und wieder zur Peergroup aufgeschlossen, so die Analysten der RBI. Die Analysten würden daher ihre Empfehlung auf "halten" stellen. Bei der italienischen Risikoprämie würden sie angesichts der politischen Unsicherheit bezüglich der Budgetverhandlungen vorsichtig bleiben. Spanien (10J. vs DE) sähen die Analysten aufgrund verbesserter Fundamentaldaten und eines positiven Ratingtrends weiter als Kauf. (Ausgabe vom 03.08.2018) (06.08.2018/alc/a/a)